Kloster? Kommune I? – Irgendwas dazwischen … ;-)

So, heute ist es mal Zeit für eine Wohnungsanzeige. Oder nein, es ist natürlich viel mehr als das …

Die Communität Koinonia hat in einem ihrer Häuser in Hermannsburg eine wunderschöne 4-Zimmer-Wohnung frei.
Gunnar und ich haben die Geschwister dort in diesem Jahr kennengelernt und sind begeistert von dem Ort und von den Menschen. Ach so, und auch von der besagten Wohnung. Die wird gerade von Grund auf renoviert und ist ein Traum!

Und für diese Wohnung werden nun also neue BewohnerInnen gesucht. Die müssen nicht gleich in die Gemeinschaft eintreten wollen. Aber sie sollten natürlich Interesse am gemeinschaftlichen Leben mitbringen.

Kennt ihr Menschen, auf die das zutrifft? Leute, die vielleicht sogar schon auf der Suche sind nach einem Ort, an dem christliche Gemeinschaft im Alltag konkret wird?
Dann sagt es weiter!

Ausführlichere Infos über die Communität und über die Wohnung findet ihr auf der Homepage der Koinonia.
Und einen Ausschnitt gibt’s schon hier:

„Wir sind auf der Suche, wie wir das gemeinsame Leben immer wieder unseren aktuellen Bedürfnissen anpassen und damit auch den jeweiligen Lebensphasen Raum geben – ein spannendes Unterfangen, wenn Ruheständler, Berufstätige und Teenies zusammenleben.
Darüber hinaus engagieren wir uns neben den Berufen in verschiedenen Bereichen wie z. B. der Flüchtlingsarbeit, laden wöchentlich zum biblischen Betrachtungskreis ein, gestalten Stille Wochenenden und Freizeiten mit und genießen mit Gästen und Freund_innen interkulturelle Begegnung, von der wir auch selber etwas mitbringen.

Bald bietet das neu gestaltete Haus wieder mehr Möglichkeiten. Deshalb freuen wir uns, wenn die neue Vier-Zimmer-Wohnung (ca. 100 qm) im 1. Stock mit einem großen Wohn- und Essbereich, Fußbodenheizung, vielen Fenstern und einem separat abschließbaren Aufgang von Menschen bewohnt wird, die Interesse an Gemeinschaft und geistlichem Austausch haben. Ein großer Garten steht uns allen zur Verfügung. Das neue Haus hat im Erdgeschoss auch wieder mehr Platz für Gäste, die Zeiten der Einkehr suchen.“

Sex, Drugs & Punkrock

Ich war im Urlaub in Süddeutschland.
Und es war großartig!
Nicht nur, aber auch, weil ich doch tatsächlich ZUM LESEN gekommen bin! 🙂

Jawohl! Zwei. Ganze. Bücher.
Mit meiner reichhaltigen Lesestoff-Auswahl habe ich hier ja schon angegeben. Und ich hatte (zu Gunnars Belustigung (oder Verzweiflung?)) vorsichtshalber auch fast alle abgebildeten Exemplare mitgenommen. Man weiß ja nie, worauf man lesetechnisch plötzlich Lust bekommt so fern der Heimat …

Und so zog es mich dann also zum Buch gewordenen ostwestfälischen Posaunen-Punk. 😉
Gofi Müller, Hossa-Talker und auch sonst Künstler, hat mit „TimTom Guerilla“ sein Romandebut veröffentlicht. Ich war extrem gespannt.

Jetzt muss man wissen: Als Romanleserin bin ich außer Übung.
Die Ausbildung, die Arbeit, die Kinder, ihr wisst schon.
Seit „Harry Potter and the Deathly Hallows“ lief da in Sachen Belletristik tatsächlich kaum noch was. Abgesehen natürlich von der Literatur (und der „Literatur“ …), die ich meinen minderjährigen MitbewohnerInnen vorlesen durfte.
Aber ich schweife ab.
Was ich sagen wollte: Ich habe also gerade kaum Vergleichspunkte in der „Erwachsenenliteratur“ und vielleicht musste ich mich ja erstmal ein bisschen „einlesen“.

Nach den ersten Kapiteln war ich nämlich noch skeptisch.
„Die Geschichte ist interessant“, hab ich da zu Gunnar gesagt, „aber sprachlich gibt das eher keinen Literaturnobelpreis.“ Ich hab mich manchmal gestoßen an Formulierungen, empfand die eine oder andere wörtliche Rede als etwas künstlich und hatte auch im Blick auf die Story hier und da mal was anzumerken in Sachen Stimmigkeit.

Aber was soll ich sagen?! Nach den ersten hundert Seiten kamen ja nochmal hundert. Und dann nochmal. Und dann … naja, jedenfalls irgendwann, ich weiß gar nicht mehr genau an welcher Stelle, hat es mich kolossal gepackt! Ich war richtig drin in der Geschichte um die aufstrebende Band TimTom Guerilla. Und zwar so sehr, dass die fiese kleine oberkritische Analytikerin in mir komplett – nun ja, TimTom würde vielleicht sagen – „die Fresse gehalten“ hat. 😉 Und das bis zum Ende auf Seite 672.

Ich war im Leserausch und ich hab es gefeiert! 🙂
Was hab ich nicht alles erlebt mit TimTom, seines Zeichens Sänger und Posaunist der Band und mit seinen verrückten Musiker-Kollegen?!
Ich war dabei, beim krawalligen ersten Auftritt in einem Bielefelder Parkhaus. Und danach war ich mit im Knast. 😉 Ich hab mitgefiebert im Studio in Delmenhorst. Und vor allem: Ich habe natürlich kein Konzert ausgelassen auf der „Mutterficker Deutschland Tour 2011“. Äh, genau, und auch keine Aftershow-Party …

Es hat Spaß gemacht! Es war gute Unterhaltung!
Und mitten im Lesevergnügen tat sich immer wieder auch eine tiefere Ebene auf, in der noch weit mehr zum Klingen kam als Punk-Songs:
Wie werden wir Menschen zu dem, was wir sind? Wie können wir uns mit (und manchmal trotz) unserer Vergangenheit eine Zukunft erobern? Ach ja, und die Liebe spielt natürlich auch die eine oder andere Rolle …

Sicher spricht es für das Buch, dass sich am Ende meiner Lektüre so ein kleines trostloses Loch aufgetan hat, wie ich es noch von früher kenne, als ich öfter Romane gelesen habe. (Ich erwähnte es bereits. *g*) Diese merkwürdige Traurigkeit, wenn eine gute Geschichte zu Ende ist und die liebgewonnenen HeldInnen ihr Leben unverschämterweise ohne meine Beobachtung weiterführen werden …

Da war es gestern eine großartige Entdeckung: Im Netz gibt es einen Haufen Zusatzmaterial, das man sich zu Gemüte führen kann, um den Entzug etwas abzufedern. *g*
Waschechte TimTom-Guerilla-Songs zum Beispiel! Und eine Homepage mit allerlei Hintergrund-Zeug. (Schade nur, dass das Tourplakat nicht zu sehen ist. 😉 Ich hätte gerne mal den … äh, Kotten bewundert.) Und außerdem gibt’s einen Hossa Talk zum Roman, den ich allerdings noch nicht gehört habe. (Ich war offline im Urlaub, solltet ihr auch mal versuchen.)

So werde ich von Zeit zu Zeit mal noch ein bisschen weiterlesen und -hören. Und mir überlegen, wie sie wohl heute alle leben. 😉 TimTom. Und Foo. Und Hannibal und BoingBoing und Rebekka und Sonja und Paulo. Und Susanna …
Lest das Buch mal selbst, dann können wir unsere Fortsetzungsphantasien abgleichen. 😉

Mein Fazit zum Schluss: Für Wannabe-Punks, Posaunisten und Bielefelderinnen ein Muss!
Und für alle anderen ist TimTom Guerilla allemal eine Urlaubslektüre wert!

 

Gofi Müller:
TimTom Guerilla

ISBN 978-3-74127-310-0

Lese- und andere Früchte

Manchmal träume ich davon, ein paar Wochen lang nichts anderes zu tun als zu essen, zu schlafen UND ZU LESEN.
Ehrlich gesagt – ich träume sogar ziemlich häufig davon. Besonders oft im Herbst. Erstens, weil das Wetter ständig sagt: „Leg dich auf’s Sofa und lies“! Und zweitens, weil ich zum Geburtstag jedes Jahr großartigen Stoff bekomme. (Dass dieses Jahr keine Ausnahme war, seht ihr auf dem Bild.)

Nur leider kommt mir ständig diese nervige Sache mit der Realität in die Quere. In Gestalt der unfassbar lästigen Tatsache, dass es andauernd noch so viel anderes zu tun gibt …
Das Obst, das vom Baum fällt und am liebsten verarbeitet werden möchte, ist da nur EIN Beispiel von viel zu vielen. – Ach, und ist es nicht eine Schande, wenn Äpfel oder Birnen auf dem Boden verfaulen?!

Aber Moment mal: Ist es nicht auch eine Schande, dass jeden Herbst so viel mehr reizende Bücher rauskommen, als ein Mensch lesen (und bezahlen *g*) kann? (Also, jedenfalls ein Mensch, der in der oben skizzierten Realität lebt.)
Selbst, wenn man nur ein winzig kleines Spartensegment im Buchmarkt in den Blick nähme (sagen wir mal, das christliche) und auch dort nur einen Bruchteil verlockend fände: Es wäre hoffnungslos!

Wen kümmern denn eigentlich all die verfaulten Lesefrüchte??

Da könntet ihr ja mal weiter drüber nachdenken. Ich hab allerdings jetzt keine Zeit mehr für solche Philosophiererei.
Es gibt schließlich noch so viel anderes zu tun.
(Äpfel) Essen zum Beispiel. Schlafen. Und LESEN! 🙂

Ihr kriegt dann in den nächsten Wochen was ab von meinen Lesefrüchten, versprochen. 🙂

Identitäre, Feministinnen und wir

Ja, tatsächlich: Ich stehe auf Jan Böhmermann. Dieser Mann verkörpert (in einer zugegebenermaßen mitunter immens verstörenden Art und Weise) das Relevanteste, was ich im Moment in „Funk und Fernsehen“ 😉 wahrnehme.
(Wer jetzt mit Recht darauf hinweisen möchte, dass ich fernsehtechnisch ja nun auch nicht besonders viel wahrneme, der sei gesagt: Vielleicht sind da Zusammenhänge zwischen Nicht-Gucken und Nicht-Relevanz.)

In den letzten Wochen haben Gunnar und ich damit begonnen, sonntagsabends „Fest & Flauschig“ zu hören, den Podcast von Jan Böhmermann und Olli Schulz.
Ich meine, why not? Andere Leute gucken in der Zeit Tatort.

Seit der vorvorletzten Folge „Barbarische Wochen“ beschäftigt mich ein Gedanke, den Jan Böhmermann nur in dreieinhalb Nebensätzen angerissen hat (ab Minute 17:15). Die beiden Freunde des gepflegten Podcast-Talks sind zuvor (thematisch) über die Böhmi-Böhmi-Massage und Justin Bieber zur AfD und zur Identitären Bewegung gekommen.
Und in diesem Zusammenhang redet Böhmermann davon, wie es ihn misstrauisch macht, wenn eine Gruppe einen „sehr eingeschränkten, ideologiespeziellen Wortschatz“ verwendet. Neben der identitären Bewegung nennt er („ohne das jetzt miteinander vergleichen zu wollen“) auch noch die „extreme Feminismuswelt“ als zweites Beispiel.
Da gebe es jeweils Wörter und Begriffe, die man nicht verstehen könne ohne „einzutauchen in deren Gedankenwelt“.
Zum einen zeige sich darin die Haltung: „Wir sind unter uns und reden mit diesen Wörtern, die nur wir verstehen, weil das quasi verkürzt, was wir in langen Sätzen sonst den Leuten draußen erklären würden“. Zum anderen sieht er darin ein „Einfallstor, Leute in geschlossene Gedankenbilder zu ziehen“.
Unterm Strich: „Da werde ich misstrauisch, wenn Leute anfangen, sich hinter Sprache zu verstecken.“

Ich habe mich beim Hören sofort angesprochen gefühlt.
Wie ist das mit uns und unserer Evangeliumsverkündigung?
Wie ist das bei MIR?

Mir ist dazu eine Szene eingefallen, die schon mehr als ein Jahrzehnt in der Vergangenheit liegt. Im Gespräch mit einer guten Bekannten kamen wir auf eine verbreitete Zeichnung „zur Erklärung des Evangeliums“, viele von euch werden die kennen: Zwei Seiten, dazwischen eine tiefe Schlucht. Auf der einen Seite ist der Mensch, auf der anderen Seite Gott. Der Abgrund zwischen beiden ist die „Sünde“ und er ist so lange unüberwindbar, bis man ein Kreuz als Brücke einzeichnet und „Jesus“ draufschreibt.
Zack, fertig: Evangelium. So hatte ich das gelernt, ich fand das logisch. Und alternativlos. Und es hat mich nachhaltig irritiert, dass meine Gesprächspartnerin (auch eine Christin! *g*), dazu nicht „ja und amen“ sagen konnte oder wollte. Sie hinterfragte die vielen Axiome, die in diesem Bild stecken und die mir nicht im Geringsten bewusst waren. So sah sie zum Beispiel das Menschenbild hinter diesem Schema kritisch. Oder sie hätte doch gerne nochmal etwas differenzierter definiert, was mit „Sünde“ gemeint sei. Und vor allem fand sie noch nicht mal den Clou mit dem Brückenkreuz als einzigem Ausweg aus dieser Misere schlüssig …

Heute würde ich sagen, dass mein Denken und meine Begrifflichkeiten damals stark eingeschränkt waren. Nicht durchweg falsch, aber eben doch sehr „beschränkt“.
Mein Denken ist natürlich auch heute noch eingeschränkt. (An manchen Stellen sind Schranken vielleicht auch erlaubt, an anderen sogar möglicherweise sinnvoll?! Ich weiß noch nicht genau …) Aber ich empfinde mich heute entfernt und entfremdet von geschlossenen (Denk-)Systemen. Unter anderem deshalb, weil ich erlebe und weil ich so gut verstehen kann, dass und wie starrer Dogmatismus und herzlose Kleinkariertheit Menschen vom Glauben entfernt und entfremdet haben.

Natürlich wünsche ich mir noch immer, dass Menschen durch mein Leben und meine Verkündigung der wunderbaren Jesus-Befreiungs-Botschaft nahe kommen, die mein Leben trägt. Aber heute möchte ich darauf hoffen, dass Gott selbst Menschen berührt. Und dass es weniger auf mein Reden ankommt. Oder Zeichnen 🙂 oder gar „Ziehen“.
Ich will einladen, na klar. Werben. Schwärmen! Bitten. Rufen.
Aber „ziehen“? Ich glaube nicht, dass ich das noch möchte. Schon gar nicht in ein „Gedankenbild“. Schon gar nicht in geschlossene Richtigkeits- und Rechtgläubigkeits-Systeme.

In mir wächst die Überzeugung, dass „Ziehen“ der göttlichen Befreiungsbotschaft grundsätzlich widerspricht. Genau wie „Drücken“ übrigens. Zugzwang und Druck sind denkbar schlechte Grundlagen für den Glauben.
Und weil kluge Menschen wissen und lebenskluge Menschen mindestens spüren, dass es dann (wie Jan Böhmermann es ausdrückt) schnell „relativ finster“ wird, bleiben viele lieber auf Abstand zur frommen Szene. Und manche sogar auf Abstand zu Gott.

Schade!

Und schade, dass dieser Post damit so einen negativen Ausklang bekommt. Denn ich finde ihn inhaltlich stark. Ich würde sogar urteilen, hm, mindestens 80 von 40 möglichen Punkten. 😉

– Und falls ihr den Eindruck haben solltet, von den Sachen in diesem Artikel, die sich wie Anspielungen anfühlen, nur die Hälfte zu verstehen: Echt mal Leude, guckt Neo Magazin Royale.

Erntedankfest!

Und Jesus sagte:

»Mit dem Reich Gottes ist es wie bei einem Bauern:
Er streut die Körner auf das Land,
dann legt er sich schlafen

und steht wieder auf – tagaus, tagein.
Und die Saat geht auf
und wächst –
der Bauer weiß nicht wie.
Ganz von selbst bringt die Erde die Frucht hervor.

Zuerst den Halm,
dann die Ähre,
zuletzt den reifen Weizen in der Ähre.
Wenn die Frucht reif ist,

schickt er sofort die Erntearbeiter los,
denn die Erntezeit ist da.«

Markus 4, 26-29 (BasisBibel)