Ein Link zwischendurch

Ich bin auf den letzten Lerntunnel-Metern für meine Sommersemester-Prüfungen.
Und damit es hier nicht ganz so still ist, kommt heute mal ein Loop, äh – Link zwischendurch. 🙂

Falls ihr es noch nicht kennt, empfehle ich euch, unbedingt mal Das Bibel Projekt wahrzunehmen.
Was das ist? Auf der Homepage wird es so erklärt:

„Das Bibel Projekt“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, biblische Erzählungen und Themen in kurzen, kreativen Videos anschaulich zu vermitteln. Diese Videos helfen dir, den Aufbau eines biblischen Buches oder ein biblisches Thema besser zu verstehen und anderen weiterzugeben!“

Das Projekt kommt ursprünglich aus den USA. Auf www.thebibleproject.com liegen im englischsprachigen Original bereits Videos zu allen biblischen Büchern vor. Außerdem gibt es zahlreiche Themenvideos. Und all diese Ressourcen sollen jetzt nach und nach auch auf deutsch verfügbar gemacht werden.

Ich war am Anfang etwas skeptisch. Zur grundlegenden (und ja, selbstverständlich hinterfragungswürdigen! *g*) „Was-kann-aus-den-USA-schon-Gutes-kommen?“-Arroganz kam nämlich die Tatsache, dass ich gleich beim ersten Video, das ich gesehen habe, inhaltlich was zu meckern hatte.

Glücklicherweise hab ich dem Ganzen vor meiner NT-Prüfung Anfang des Jahres noch eine Chance gegeben. 🙂 Und siehe da: Ich habe extrem davon profitiert und musste mein Vorurteil revidieren … Und auch jetzt, in der Vorbereitung für meine AT-Prüfung liebe ich die Videos als Ergänzung zu all der Leserei.
Das Material ist tatsächlich unglaublich hilfreich für einen soliden Bibelkunde-Überblick. Es ist grandios gemacht! Und dass es kostenlos im Netz verfügbar ist, ist natürlich super.

Klar: Über das eine oder andere könnte man diskutieren. (So wie über das eine oder andere bei gedruckten Bibelkunden auch.) Manch eine/r würde vielleicht sogar die Grundthese der beiden Projektleiter Tim Mackie und Jonathan Collins kritisch bedenken wollen: Die Bibel, so erläutern die zwei am Ende der Original-Videos häufig, sei „one unified story“ und diese wollten sie durch ihre Arbeit sichtbar machen.

Aber seien wir mal ehrlich: Solche Diskussionen werden deutlich fruchtbarer (und vielleicht überhaupt erst sinnvoll), wenn man sich mit der Materie auskennt. 😉
Und für eben dieses Überblick-Verschaffen kenne ich im Moment nichts vergleichbar Gutes!

LesenBetenLiebenVerändern … mit Magdalena Onyango

Magdalena Onyango // 30 Jahre alt // lebt mit ihrem aus Kenia stammenden Mann und einjährigem Sohn in Paderborn //  Katholische Theologin und Bildungsreferentin beim Internationalen Hilfswerk missio // leidenschaftliche Pianistin

LESEN:

Emails, Hausarbeiten, Facebook-Posts, Briefe, Rechnungen, vielleicht die ersten drei Abschnitte eines Magazin-Artikels, bis das Kind wieder wach ist. Viel ist es nicht, was ich zur Zeit lese – höchst selten ist es Lesen aus Muße. Als „working mum“ mit Mann in Ausbildung und ohne Oma oder Kindermädchen um die Ecke beschränkt sich das Lesen auf das Notwendigste.

Lesen hat für mich mit unserem aufgeweckten kleinen einjährigen Weltentdecker eine übertragene Bedeutung bekommen. Ich LESE Essensreste unter dem Esstisch auf, ich LESE Spielzeug und geradezu alles, was nicht fest verankert ist oder mindestens auf einem Meter Höhe verstaut ist, in der ganzen Wohnung auf. Und wenn der Entdeckergeist des kleinen Mannes allzu tollkühn wird, muss ich ihm manchmal auch die Leviten LESEN. Vieles, was in der Welt der Erwachsenen kaum Beachtung erhält, dürfen wir mit dem neugierigen Wicht in allen Einzelheiten durchBUCHstabieren.

Lesen ist für mich aktuell also selten zweidimensional, schwarz auf weiß, sondern meistens dreidimensional, aktives Tun. Ein Kleinkind spornt dazu an, nicht zu lesen, sondern selbst Geschichte zu schreiben.

BETEN:

Mir gefällt der Gedanke, dass auch mein Gebet nicht zweidimensional, also nicht nur geschrieben oder gedacht, sondern dreidimensional ist und mitten ins Leben hineinwirkt und es verändert. Ich versuche so zu leben, als wäre jede Handlung meines Lebens aktives Gebet. Kontemplation in Aktion.

Wie friedvoll wäre die Welt, wenn alle Menschen jede Tätigkeit ihres Lebens als den Ausdruck ihres ureigenen Gebets zu Gott verstehen würden.

Charismatiker der Gegenwart und der Geschichte sind oft tiefgründige BeterInnen.  Sie wirken so beeindruckend, weil sie ihr Gebet authentisch in ihr tätiges Leben übersetzen.

Würde ich mein „Lebensgebet“, also mein tägliches Tun, niederschreiben, kommt ganz gewiss kein seligmachendes Glaubensbekenntnis heraus. Mein „Lebensgebet“ ist oft nicht mehr als ein undurchsichtiges Stückwerk. War nicht auch Jesu Leben bis zum Tag seiner Auferstehung ein Stückwerk ohne letzte Sinnhaftigkeit?

LIEBEN:

Wenn die Liebe Gottes durch mein tägliches Tun durchscheint, wird mein Leben zum Gebet. Es kommt auf die Haltung an, mit der ich die Steuererklärung anfertige, mit der ich die Mail an den Kollegen verfasse.  Manchmal geht es zugegeben einfach nur darum, zu funktionieren. Die To-Dos abzuarbeiten, den Laden am Laufen zu halten. Aber auch das gehört dazu aus Verantwortung, aus Liebe zur Familie und zum Leben. Und manchmal passiert es dann wirklich, es scheint Göttliches in meinem Lebensgebet auf, z.B. wenn unser kleiner Sohn mich mit nimmt in seine Welt, die ganz im Hier und Jetzt spielt. Wo Zeit keine große Rolle spielt und das kleine Wunder, die Pusteblume im Garten, zum Mittelpunkt der Welt wird.

VERÄNDERN:

Wenn mein Gebet dreidimensional ist, also mitten ins Leben hineinspielt, das Leben auch mal durcheinanderwirbelt, hat es Kraft, mein Leben, ja, die Welt zu verändern. Auch Jesus hat Geschichten mitten aus dem Leben erzählt und damit die Menschen aus ihrem täglichen Trott zum Umdenken aufgeweckt. Beim Abendessen diskutieren wir oft über weltweite Gerechtigkeit; denken an die Familie und die Freunde meines Mannes in Kenia; können oft nur aus der Ferne teilhaben; träumen davon, die kenianische Lebensfreude, das Gottvertrauen und die Unverkrampftheit nach Deutschland zu importieren; schätzen zugleich die Sicherheit, Berechenbarkeit und Planbarkeit in Deutschland.

Es gibt viel zu verändern. Jesu Geschichten, mitten aus dem damaligen Leben gegriffen, geben uns eine Richtung. Nicht jeden Tag folgen wir der Spur. Auch Ohnmacht, Aushalten und Ausharren verlangt das aktive Gebet. Allein das Wissen darum, dass das Gebet nie enden wird, gibt Kraft, die immer durch trägt.

______________

In der Serie LesenBetenLieben sind Menschen zu Gast, die ich gerne mag. Und sie teilen ihre Gedanken und/oder Erfahrungen in Sachen readpraylove mit uns. Vielen Dank, Magdalena, dass du dir Zeit genommen hast für diese starke Folge! 🙂

LesenBetenLieben – Mittwoch geht’s weiter!

Am Mittwoch geht die LesenBetenLieben-Serie in die fünfte Runde.

Das freut mich!
Zum einen, weil man jetzt langsam mal wirklich zu Recht von einer „Serie“ sprechen kann. 🙂 Und zum anderen, weil es einmal mehr großartig wird. 😉

Mit Magdalena Onyango ist zum ersten Mal eine katholische Theologin zu Gast.
Magdalena arbeitet für das Hilfswerk missio. Und auch ihr „privates“ Interesse und Engagement gilt Fragen rund um globale Gerechtigkeit. So veranstaltete sie zum Beispiel mit ihrer Band „Gegenwind“ schon mehrfach Benefizkonzerte für Hilfsprojekte im ländlichen Raum Kenias. Diese Projekte initiierte Magdalena gemeinsam mit ihrem Mann, der gebürtig aus Kenia stammt.

Apropos: Man kann von Glück sagen, dass sie diesen Mann geheiratet hat. Denn durch ihn, der ein Jahr lang in unserer Familie Aupair war, haben wir uns überhaupt erst kennengelernt.
Wie gut für mich also. 🙂
Und wie gut für euch! 🙂
Denn Magdalenas LesenBetenLieben-Artikel, den ihr ab Mittwoch hier lesen könnt, hat es echt in sich!

Komm, heiliger Geist!

Vergangenes Wochenende war ich in Hermannsburg und habe am „Begegnungstag“ der Communität Koinonia teilgenommen.

Neben vielen bereichernden Begegnungen war mein Höhepunkt des Tages das Referat des Schweizer Theologen Walter Dürr unter der Überschrift „Re-imagining the church“ und die daran anschließende Gesprächsrunde. Das hat mal wieder so viel angestoßen und aufgewühlt auf meiner persönlichen kleinen „Ekklesiologie-Baustelle“, dass ich da jetzt richtig viel zu schreiben könnte … Mach ich aber nicht. 😉

Sondern ich lege euch zur Feier des (Pfingst-)Tages ans Herz, euch mal die Homepage des Studienzentrums für Glaube und Gesellschaft der Universität Fribourg anzuschauen, in dem Dürr arbeitet. Und da werdet ihr dann sofort stolpern über die hochkarätig besetzten Studientage zum Thema „Komm, heiliger Geist“, die dort in zwei Wochen stattfinden. Spannend! (Wenn das nicht so weit weg wäre und wenn ich nicht die ein oder andere Prüfung vor mir hätte, würde ich ja direkt in Versuchung kommen … 🙂 )

Was mich daran besonders bewegt: Im Rahmen dieser Studienkonferenz wird am 20. Juni ein Ökumenischer Gebetsgottesdienst stattfinden. – Und es ist so wunderbar zu lesen, wie breit das „Spektrum“ der Geschwister ist, die dort gemeinsam um Gottes Geist bitten werden: Der Evangelische Kirchenbund steht genauso dahinter wie die Schweizer Bischofskonferenz oder die Evangelische Allianz oder Campus für Christus.

Wow! Das wünsche ich mir auch für „die Szene“ in Deutschland, im Großen und im Kleinen.
Dass wir uns noch mehr einen lassen von Gottes Geistkraft.
Über Konfessionsgrenzen, über Stil- und Sprachbarrieren hinweg.
Und auch, dass wir theologisches Nachdenken und Forschen natürlich verbinden mit geistlicher Praxis, mit demütigem Sich-angewiesen-Wissen auf Gottes Geist.

In Verbindung mit dem bevorstehenden Gottesdienst wurde eine Gebetsliturgie veröffentlicht. Ich finde diese Zusammenstellung wunderschön; sie ist mir zum Pfingst-Gebet geworden. Besonders berühren mich die folgenden Sätze von Leonardo Boff.
Vielleicht sind das ja auch Worte, die eure werden wollen?!

KOMM, HEILIGER GEIST,
du Geist der Wahrheit, die uns frei macht.
Du Geist des Sturmes, der uns unruhig macht,
Du Geist des Mutes, der uns stark macht.
Du Geist des Feuers, das uns glaubhaft macht.
KOMM, HEILIGER GEIST,
du Geist der Liebe, die uns einig macht.
Du Geist der Freude, die uns glücklich macht.
Du Geist des Friedens, der uns versöhnlich macht.
Du Geist der Hoffnung, die uns gütig macht.
KOMM, HEILIGER GEIST!
(Leonardo Boff)
Beitragsbild: music4life/pixabay