Zweitausendzweiundzwanzig! (Und Zweitausendsiebzehn.)

Was ich noch sagen wollte: Haltet euch auf jeden Fall schon mal den 25.-29. Mai 2022 frei. 😉
Denn nach einem spannenden Überlegungsprozess ist es jetzt offiziell: 2022 wird es ein nächstes Christival geben. 🙂
Seit ich 1996 als Vierzehnjährige in Dresden bei meinem ersten Christival dabei war, bin ich Fan. Und ich hab seitdem keins dieser prägenden Festivals für junge Christinnen und Christen ausgelassen. (Okay – waren ja auch nicht sooo viele seitdem.)

Also, behaltet es schonmal (mindestens) im Hinterkopf.
Und dann treffen wir uns 2022 auf’n Kaffee, okay?

Ach so: Und falls ihr jetzt noch keine (Kaffee-)Dates für 2022 macht oder falls ihr denkt, dass ihr dann vielleicht für ein Junge-Erwachsenen-Festival zu alt seid (aber hey – ich werde ja auch hingehen *g*) oder falls ihr schon ein bisschen eher einen Kaffee mit mir trinken wollt:
Anfang November (2017 *g*) gibt es in Marburg, wo ich ja gerade studiere, den NEXTPLUS-Kongress für junge Erwachsene. Zum Thema „Wahrheit oder Pflicht“ werden dort unter anderem die fabelhafte Christina Brudereck und mein Systematik-Professor Thorsten Dietz am Start sein.

Sagt es weiter und/oder kommt selbst!

Also, was ist? Sehen wir uns?
(Dann könnten wir bei der Gelegenheit vielleicht auch direkt klären, ob wir dann in ein paar Jahren tatsächlich immer diesen Zungenbrecher „Zweitausendzweiundzwanzig“ aussprechen werden? Oder wird es dann etwa „Zwanzigzweiundzwanzig“ heißen? Brrr, hoffentlich nicht. Oder nur „Zweiundzwanzig?“ … – Naja, oder aber wir unterhalten uns dann einfach doch über wirklich Wichtiges. ;-))

 

 

Foto: Free-Photos/Pixabay

Alle Jahre wieder …

Du liebe Zeit! Es ist schon wieder so weit …
Anfang September; die „Vorweihnachtszeit“ hat begonnen.
Zumindest im Supermarkt.

Und wie jedes Jahr fühlt es sich falsch an.
Im vergangenen September hab ich mir mein Befremden über die spätsommerlichen Weihnachtsgebäck-Paletten hier auf dem Blog von der Seele geschrieben – und bei der Gelegenheit gleich auch noch etwas genereller über den Segen des Wartens philosophiert.
Ich hab’s mir gerade nochmal durchgelesen – das hat gut getan. 🙂

Wenn ihr auch mögt, da ist der Link zum Artikel:

O du selige, gnadenbringende Wartezeit

Und hier direkt noch ein kleiner Auszug:

Ich glaube, dass es gesund ist, warten zu können. Ich glaube, dass ein „Alles-hat-seine-Zeit“-Leben reich ist und glücklich macht. Ich glaube, dass es sich lohnt, das zu leben und das zu feiern, was jetzt dran und was heute möglich ist.

Und deshalb lass ich die Lebkuchenpaletten noch viele Wochen links liegen. Und hoffe darauf, dass zu Beginn der Adventszeit noch ein bisschen Weihnachtsgebäck für mich übrig ist.

Und bis dahin freu ich mich erstmal auf das, was der Herbst so bringt: Drachen steigen lassen. Erntedankfest feiern. Kastanien sammeln. Ja – auch die Blätter fallen sehen, mich dem rauhen Wind aussetzen. Melancholie zulassen. Vergänglichkeit nicht verdrängen.“

In diesem Sinne: Leben und feiern wir den Herbst!
Mit oder ohne Stollen und Printen. 😉

Es ist kompliziert.

Dass Rachel Held Evans Potenzial hat zur Heldin, legt ja ihr Name schon nahe. 😉 Und tatsächlich ist sie für mich in mancherlei Hinsicht ein Vorbild.
Seit Jahren schon verfolge ich mehr oder weniger regelmäßig ihren Blog. Da ist es zwar im Moment ziemlich ruhig (die Autorin schreibt gerade an ihrem vierten Buch und ist außerdem im vergangenen Jahr Mutter geworden), aber, wenn ihr des Englischen mächtig seid: Stöbert mal im Archiv, das lohnt sich!

Ihr Buch „A Year of Biblical Womanhood“ habe ich vor zwei Jahren im englischen Original verschlungen. Großartig! 😉 Ich weiß noch, wie ich mich gewundert habe, dass die deutsche Ausgabe nicht durch die Decke ging. (Naja – vielleicht lag es daran, dass das Cover ein bisschen so aussah wie eine Lydia-Zeitschrift Anfang der 90er?! Und möglicherweise wurde deshalb nicht exakt die Zielgruppe angesprochen, der dann auch die Inhalte gefallen hätten? *g*)

Rachel Held Evans‘ aktuelles Buch „Searching for Sunday“ ist im vergangenen Herbst unter dem Titel „Es ist kompliziert“ auf deutsch erschienen. Ich hab es im Frühjahr mit großem Gewinn gelesen und hier ja schonmal kurz zitiert.

Jetzt will ich es euch endlich nochmal explizit ans Herz legen.

Held Evans strukturiert das Buch in die sieben Kapitel Taufe, Beichte, Weihe, Abendmahl, Konfirmation, Krankensalbung und Ehe. Aber – obwohl man das bei dieser Gliederung vermuten könnte – es entsteht alles andere als eine systematische Abhandlung.
Sondern die Autorin verwebt in raffinierter Weise grundlegende (theologische) Fragen sowie Zitate aus Bibel, (Kirchen-)Geschichte und Gegenwart mit ihrem eigenen Erleben.
Dadurch entsteht so etwas wie ein Mosaik aus einer großen Fülle von Denkanstößen. Nicht immer ist das „easy-reading“ – und es hat tatsächlich mehrere Wochen gedauert, bis ich mich durch die immerhin 360 Seiten gelesen hatte. Aber, ja, das wird der Materie gerecht. Es ist eben komplex. Und es ist kompliziert … 😉

Durch das gesamte Buch zieht sich Rachel Held Evans‘ persönliche „Kirchengeschichte“. Und ich finde mich ständig wieder mit meinem eigenen „Kirchen-Ringen“! Diese Ahnung um das große Geheimnis, um die großen Möglichkeiten, um den großen Schatz. Das Verzweifeln an so mancher Realität. Die Sehnsucht, das Suchen nach neuen Wegen. „Loving, leaving, and finding the church“ (so der Untertitel der englischen Ausgabe) – das alles und noch viel mehr kommt vor in „Es ist kompliziert“.

Da sind durchaus die dankbaren, positiven Erinnerungen der Autorin an ihre Kindheit in einer evangelikalen Gemeinde.

„Wenn die ganze Familie die Grippe hatte, klingelte die Kirche an der Tür und brachte Hähnchenauflauf vorbei. Manchmal rief sie noch nach Mitternacht an, um um Gebet zu bitten und zu weinen. Sie tratschte in der Abholzeit an der Schule und war freitagabends unser Babysitter. […] Die Kirche kam viel öfter zu mir, als dass ich hinging, und darüber bin ich froh.“

Aber da ist eben auch die wachsende Befremdung und das nagende Gefühl, dass etwas nicht stimmt:

„[W]ir meinen, die Kirche sei etwas für Leute, die in dem „Nachher-Bild“ leben. Wir meinen, Kirche sei etwas für spirituelle Instagramdarstellungen und für unsere besten Momente. Wir meinen, Kirche sei etwas für die Gesunden, obwohl Jesus uns immer wieder gesagt hat, er sei gekommen, um den Kranken zu dienen. Wir meinen, Kirche sei etwas für die anständigen, die guten Menschen, nicht für auferstandene Menschen.
Also täuschen wir es vor.“

Für Rachel Held Evans kommt es nicht nur zu einer Entfremdung von ihrer Gemeinde, sondern auch zur Entfremdung von dem Gottesbild, das ihr dort vermittelt wurde.

Ich wurde dem beschäftigten, onkelhaften Gott fremd, der meinen Freunden Parklücken freimachte und Gebetsanliegen entgegennahm, die sich auf Wetter und Wahlergebnisse bezogen, während er 30 000 Kinder am Tag an vermeidbaren Krankheiten sterben ließ.

Es folgt ein spannender Prozess des Dekonstruierens, Suchens, Neu-Ausprobierens, Scheiterns und (Wieder-)Entdeckens, den ihr unbedingt selbst nachlesen solltet.

Das Ganze natürlich in der unvergleichlichen Rachel-Held-Evans-Sprache, die ich so liebe: Tiefgründig, (selbst-)ironisch, manchmal poetisch, mitunter urkomisch, tastend, vorsichtig, und doch auch glasklar; in jedem Fall bedeutsam.
– An manchen Stellen hätte ich mir gewünscht, den englischen „Urtext“ *g* zu lesen, in dem diese sprachliche Virtuosität vermutlich nochmal stärker rüberkommt.

Fazit: Das Buch ist wirklich lesenswert.
Und noch mehr: Die Gedanken, die Rachel Held Evans bewegt, sind unbedingt nach-denkenswert. Auch für uns in Deutschland.
Lasst uns im Gespräch bleiben, ja? Darüber, wie wir hier bei uns Kirche leben können und wollen. Und lasst uns auf diesen Weg etwas mitnehmen von der Einstellung, die ich in „Es ist kompliziert“ wahrnehme:

„Ich schreibe, weil wir manchmal in unserer Verletzlichkeit näher an der Wahrheit sind als in unseren sicheren Sicherheiten und weil ich trotz aller Zweifel und Unsicherheit, trotz meines beständigen Drangs, am Sonntagmorgen einfach auszuschlafen, die ersten flüchtigen Lichtbänder der Dämmerung gesehen habe […].“