Stützpfeilerinnen

Neulich in der Vorlesungspause.

Zwei Mädels unterhalten sich über gender-sensible Wortendungen. Eine Kommilitonin sagt zur anderen:
„Also, mein Wert hängt ja nicht davon ab, dass man hinter jedes Wort noch ein „-in“ hängt.“
Die andere gibt ihr lächelnd Recht.
Ich mische mich ein, quer durch den Raum: „Also – mir ist das schon wichtig.“

Ich sage das unaufgeregt. Als Info. Ich-will-einfach-was-gesagt-haben. Ohne Ambitionen, in eine Diskussion einzusteigen.
Und so entsteht auch keine.
Aber im Nachhinein denke ich: Hätte ich mich nicht vielleicht doch ein bisschen aufregen sollen?! Warum habe ich die jungen Schwestern (die ich übrigens sehr gut verstehen kann, weil ich in ihrem Alter genau so gedacht und geredet habe) nicht darauf hingewiesen, dass es aus meiner Sicht gar nicht geht, was sie da sagen?!

Denn ist das nicht furchtbar arrogant?
Was soll denn das heißen? Was ist denn das für ein Argument bzw. für ein Nicht-Argument:Mein Wert hängt nicht davon ab?“
Heißt was? „Im Gegensatz zu den bemitleidenswerten, dummen Emanzen-Frauen, die ihren Wert daraus ziehen müssen, dass andere Leute ChristIN, MitarbeiterIN, EvangelistIN, StudentIn sagen??“
Oder wie sonst ist das gemeint …?

———–

Es ist schon einige Jahre her, da haben wir Silvester mit zwei befreundeten Familien gefeiert. Die Kinder haben gespielt, sich unter Decken versteckt und damit Buden gebaut. Irgendwann stand meine Tochter, damals vier oder fünf Jahre alt, in der Mitte unter einer Decke und rief laut: „Ich bin die Stützpfeilerin!“ – Ich weiß noch, wie mich einer unserer erwachsenen Besucher mit einer Mischung aus (ein wenig) Belustigung und (ziemlich viel!) Befremdung anschaute. 😉

Aber ich dachte damals und denke heute: So what?!
Mittlerweile weiß dieses Mädchen durchaus, dass das maskuline Wort „Stützpfeiler“ in einem solchen Fall der angemessenere Begriff ist.
Aber in anderen Situationen nutzt sie anstelle des gebräuchlichen „kollektiven Maskulinums“ in einer großen Selbstverständlichkeit korrekte feminine Wendungen. (Wenn sie einen Vorsorgetermin hat, dann sagt sie zum Beispiel: „Ich gehe zur Ärztin“ und nicht „Ich gehe zum Arzt“.)
Und das finde ich großartig! Weil ihre Sprache unfassbar großen Einfluss darauf hat, wie sie die Welt versteht. Und somit auch, welche Möglichkeiten sich ihr in dieser noch immer männlich dominierten Welt erschließen.

———–

Nein. Mein Wert hängt auch nicht davon ab, dass mich jemand als StudentIN, EvangelistIN, ChristIN, MitarbeiterIN bezeichnet. – Gott sei Dank nicht. Denn sonst sähe das auch häufig ziemlich düster aus mit meinem (Selbst-)Wert …

Aber doch: Ja! Ich freue mich, wenn sich Leute um eine „gerechte Sprache“ bemühen. Ich fühle mich wahrgenommen und wertgeschätzt.

Und mehr noch: Ich glaube tatsächlich, dass es etwas verändert.
Ich glaube, dass ein sensibler Umgang mit geschlechtsspezifischen Begriffen die Gleichbehandlung von Männern und Frauen fördert.

Oder andersrum ausgedrückt – ich befürchte bzw. ich nehme wahr: eine Sprache, die nur Christen, Pastoren, Jesus-Nachfolger und Evangelisten, (und Chefs, Studenten, Professoren, Kollegen, Freunde, …) kennt, eine solche Sprache bestätigt und festigt (christliche) Strukturen, in denen Frauen Menschen zweiter Klasse sind.
Und damit wird sie sozusagen zur „Stützpfeilerin“ 😉 eines unguten Systems.

 

 

Beitragsbild: PublicDomainPictures/pixabay

Weiter denken.

Mit 16 Jahren hab ich begonnen, Saxophon zu spielen.
Es war Liebe von Anfang an.
Eine ganze Zeit lang hab ich exzessiv geübt. Jeden Tag. Und auch nach der extremen ersten Phase hätte ich mir kaum ein Leben „ohne“ vorstellen können. Es wäre mir ehrlich schwer gefallen, längere Zeit nicht zu spielen.

Aber einmal ist was Krasses passiert.
Ich war mit Gunnar im Mindener Jazz-Club bei einem Konzert des Saxophonisten Bill Evans. Mit am Start eine absolute All-Star-Band.
Niemals vorher hatte ich so eine (Konzert-)Erfahrung gemacht.
Die Musik war nicht von dieser Welt.
(Gerade hab ich mir ein paar aktuelle Sachen von Bill Evans angehört – und kann davon ausgehend meine Begeisterung nur noch in Teilen nachvollziehen. *g* Aber:) Damals live war es jenseits jeder Beschreibungsmöglichkeit.
Es ging so unfassbar nach vorne! Ich war vollkommen mitgenommen. Mitgerissen. Geplättet. Bis in die Tiefe getroffen. Begeistert. Und erschüttert.
Absolut unbegreiflich, was der Mann da mit seinem Instrument machte. Und was diese Musik mit mir machte!

Und während mich sonst Konzerte für mein eigenes Üben eher motiviert und inspiriert hatten, war dieses Mal das genaue Gegenteil der Fall.
Tatsächlich habe ich danach mehrere Tage selbst keinen einzigen Ton mehr gespielt. Ich konnte nicht.
Diese überirdische Musik war noch zu frisch in meinen Ohren. Ich konnte diese Klänge doch jetzt nicht mit meiner erbärmlichen Mittelmäßigkeit überlagern. Es ging nicht. Ich konnte mich nicht überwinden, mein eigenes Instrument anzufassen.
Wenn es möglich war, so vollkommene Musik hervorzubringen, und wenn ich doch genau wusste, dass ich niemals auch nur in die Nähe dieser Perfektions-Sphären kommen könnte – warum sollte ich es nicht gleich ganz lassen?!

Klar.
Die Phase ging vorüber. 🙂
Mein Kopf hat die Gesamtsituation wieder in den Griff gekriegt und sich an die (eigentlich nahe liegenden *g*) Antworten auf die „Warum-sollte-ich-trotzdem-spielen?“-Frage erinnert.
Weil es nicht genug überirdische Saxophon-Genies gibt, als dass sie allein den Welt-Bedarf an Saxophon-Musik stillen könnten zum Beispiel.
Oder auch das: Weil es Kontexte gibt, wo keine abgedrehten, funkigen Jazz-Improvisationen im Spartenclub gefragt sind, sondern etwa, sagen wir mal, solide Liedbegleitung im klassischen Landeskirchen-Gottesdienst.

Ich hab also wieder gespielt.
Aber ein Stachel ist doch geblieben. Die Ahnung, nein, die Erfahrung, was alles möglich ist … Und damit verbunden die herausfordernde Anfrage, ob nicht auch bei mir persönlich noch etwas mehr ginge. Ob ich nicht doch noch mehr investieren könnte und sollte …?!

Ich schreibe diesen kleinen „Schwank aus meiner Jugend“, weil er etwas illustriert, das ich gerade in meinem Theologie-Studium so erlebe.

In den ersten Wochen meiner Präsenz-Zeit hier in Marburg bin ich mir manchmal wie eine Lese-Maschine vorgekommen. 😉
Täglich neuer Stoff, immer viel zu viele lockende Bücher und Artikel.
Und darin: So viele spannende Gedanken. So viel Hilfreiches. Manches Unbequeme, das aber wohl auch gerade deshalb Gewinn bringt.

Aber zwischendurch immer wieder auch das:
Verstörend-atemberaubende Ideen! Unbegreiflich kluge, unnachahmlich kundige Argumentationen. – Denkwege von einer Komplexität, die mich völlig überfordern. Wo mir aus den Worten eine derartige Größe, eine solche Kühn- und Schönheit des Denkens entgegenkommt, dass ich Gänsehaut kriege.

Ja. Da kamen schon mehrmals solche „Bill-Evans-Konzert-Nachwehen“-Tendenzen auf:
Wenn es möglich ist, in solchen überirdischen Sphären nachzudenken (und tatsächlich sogar etwas zu formulieren!) über Gott und die Welt … Wie (und warum!) sollte ich es dann in meinen engen Begrenzungen überhaupt versuchen, Theologie und Philosophie „zu üben“?

Ihr ahnt, worauf ich hinauswill. 😉
Aber für mich war es durchaus erstmal ein Weg, das klarzukriegen.
Ich habe tatsächlich zwischendurch mal ein paar Tage Lese-Verweigerung und Denk-Pause und vor allem Formulierungs-Ferien gebraucht, bis ich bereit war für die auf der Hand liegenden Antworten auf die „Warum-trotzdem“-Frage:

Klar. Die geisteswissenschaftlichen Genies der Vergangenheit und Gegenwart können den Gesprächs-Bedarf über Gott und die Welt allein schon quantitativ nicht decken.
So wie John Coltrane und Bill Evans und Anna-Lena Schnabel nicht für die ganze Welt ausreichen: Karl Barth oder Hannah Arendt oder Thorsten Dietz können es allein auch nicht schaffen. 😉
Und auch hier gilt das andere: Es gibt genug Situationen, in denen es nicht nur in Ordnung, sondern eindeutig angebracht(er) ist, dass sich Verkündigung, Gespräche, ja sogar theologische Information auf einer „soliden Mittelmaß-Ebene“ befinden. Es ist wohl sogar so, dass diese Situationen klar überwiegen. 😉

Also ja.
Ich werde natürlich wieder lesen. Werde meine Hausaufgaben machen. Und auch mal ziellos in der Bib stöbern.
Ich werde mich weiter trauen zu denken.
Und ich werde auch wieder formulieren.
Fragen formulieren natürlich. Das ist einfach(er).
Aber nicht nur das.
Ich werde auch Aussagesätze wagen. Sätze über Gott und über die Welt.
Echte Aussagesätze.
Und als solche tollkühn. Die Wahrheit fast zwangsläufig einengend.
Und trotzdem will ich weiter etwas sagen und schreiben. Auch über Wirklichkeiten, die mir zu groß sind und bleiben werden.
Tapfer. Tastend. Unsicher. Unzureichend. Und gerade darin offen, gerade deshalb durchlässig für Wahrhaftigkeit.
In der Hoffnung darauf, in der Abhängigkeit davon, dass Gott sich erkennbar macht mitten in der Stümperhaftigkeit und Vorläufigkeit meines Denkens und Redens.


Aber daneben bleibt doch auch noch der Stachel … Diese Anfrage.

Nach dem Erleben, nach dem Er-lesen, was alles möglich ist …
Ob nicht auch bei mir persönlich noch etwas mehr ginge, um hier oder da von (m)einer Denk-Sphäre in eine neue Dimension 😉 zu wechseln.
Ob ich nicht doch auch noch mehr investieren könnte und sollte …?!

 

 

Beitragsbild: pixel2013/pixabay

Apropos Einheit.

Der Beschluss lautet:

Mauern einreißen.
Tanzen und jubeln.
Die Trennung, dieser Irrsinn, ist vorbei.
Grenzen öffnen.
Die Anderen, die Fremden, die Feinde umarmen.
Begegnungen suchen. Ungewohnt Klingendes verstehen lernen.
Gemeinsam leben.
Durch alle Schwierigkeiten hindurch.

Für wen das gilt?

So weit ich weiß für alle.
Egal, woher sie kommen. Geographisch, politisch, theologisch.
Ob von links oder rechts. Oder von irgendwo dazwischen.

Doch, wirklich. Sogar für uns Christ/innen soll das gelten.
Von nun an Brücken bauen. Anstatt andere von der Brücke stoßen.

Ab wann das in Kraft tritt?
Äh … also … nach meiner Kenntnis … ist das sofort, unverzüglich.

 

 

Beitragsbild: Sarah_Loetscher/pixabay

Zweitausendzweiundzwanzig! (Und Zweitausendsiebzehn.)

Was ich noch sagen wollte: Haltet euch auf jeden Fall schon mal den 25.-29. Mai 2022 frei. 😉
Denn nach einem spannenden Überlegungsprozess ist es jetzt offiziell: 2022 wird es ein nächstes Christival geben. 🙂
Seit ich 1996 als Vierzehnjährige in Dresden bei meinem ersten Christival dabei war, bin ich Fan. Und ich hab seitdem keins dieser prägenden Festivals für junge Christinnen und Christen ausgelassen. (Okay – waren ja auch nicht sooo viele seitdem.)

Also, behaltet es schonmal (mindestens) im Hinterkopf.
Und dann treffen wir uns 2022 auf’n Kaffee, okay?

Ach so: Und falls ihr jetzt noch keine (Kaffee-)Dates für 2022 macht oder falls ihr denkt, dass ihr dann vielleicht für ein Junge-Erwachsenen-Festival zu alt seid (aber hey – ich werde ja auch hingehen *g*) oder falls ihr schon ein bisschen eher einen Kaffee mit mir trinken wollt:
Anfang November (2017 *g*) gibt es in Marburg, wo ich ja gerade studiere, den NEXTPLUS-Kongress für junge Erwachsene. Zum Thema „Wahrheit oder Pflicht“ werden dort unter anderem die fabelhafte Christina Brudereck und mein Systematik-Professor Thorsten Dietz am Start sein.

Sagt es weiter und/oder kommt selbst!

Also, was ist? Sehen wir uns?
(Dann könnten wir bei der Gelegenheit vielleicht auch direkt klären, ob wir dann in ein paar Jahren tatsächlich immer diesen Zungenbrecher „Zweitausendzweiundzwanzig“ aussprechen werden? Oder wird es dann etwa „Zwanzigzweiundzwanzig“ heißen? Brrr, hoffentlich nicht. Oder nur „Zweiundzwanzig?“ … – Naja, oder aber wir unterhalten uns dann einfach doch über wirklich Wichtiges. ;-))

 

 

Foto: Free-Photos/Pixabay

Alle Jahre wieder …

Du liebe Zeit! Es ist schon wieder so weit …
Anfang September; die „Vorweihnachtszeit“ hat begonnen.
Zumindest im Supermarkt.

Und wie jedes Jahr fühlt es sich falsch an.
Im vergangenen September hab ich mir mein Befremden über die spätsommerlichen Weihnachtsgebäck-Paletten hier auf dem Blog von der Seele geschrieben – und bei der Gelegenheit gleich auch noch etwas genereller über den Segen des Wartens philosophiert.
Ich hab’s mir gerade nochmal durchgelesen – das hat gut getan. 🙂

Wenn ihr auch mögt, da ist der Link zum Artikel:

O du selige, gnadenbringende Wartezeit

Und hier direkt noch ein kleiner Auszug:

Ich glaube, dass es gesund ist, warten zu können. Ich glaube, dass ein „Alles-hat-seine-Zeit“-Leben reich ist und glücklich macht. Ich glaube, dass es sich lohnt, das zu leben und das zu feiern, was jetzt dran und was heute möglich ist.

Und deshalb lass ich die Lebkuchenpaletten noch viele Wochen links liegen. Und hoffe darauf, dass zu Beginn der Adventszeit noch ein bisschen Weihnachtsgebäck für mich übrig ist.

Und bis dahin freu ich mich erstmal auf das, was der Herbst so bringt: Drachen steigen lassen. Erntedankfest feiern. Kastanien sammeln. Ja – auch die Blätter fallen sehen, mich dem rauhen Wind aussetzen. Melancholie zulassen. Vergänglichkeit nicht verdrängen.“

In diesem Sinne: Leben und feiern wir den Herbst!
Mit oder ohne Stollen und Printen. 😉

Es ist kompliziert.

Dass Rachel Held Evans Potenzial hat zur Heldin, legt ja ihr Name schon nahe. 😉 Und tatsächlich ist sie für mich in mancherlei Hinsicht ein Vorbild.
Seit Jahren schon verfolge ich mehr oder weniger regelmäßig ihren Blog. Da ist es zwar im Moment ziemlich ruhig (die Autorin schreibt gerade an ihrem vierten Buch und ist außerdem im vergangenen Jahr Mutter geworden), aber, wenn ihr des Englischen mächtig seid: Stöbert mal im Archiv, das lohnt sich!

Ihr Buch „A Year of Biblical Womanhood“ habe ich vor zwei Jahren im englischen Original verschlungen. Großartig! 😉 Ich weiß noch, wie ich mich gewundert habe, dass die deutsche Ausgabe nicht durch die Decke ging. (Naja – vielleicht lag es daran, dass das Cover ein bisschen so aussah wie eine Lydia-Zeitschrift Anfang der 90er?! Und möglicherweise wurde deshalb nicht exakt die Zielgruppe angesprochen, der dann auch die Inhalte gefallen hätten? *g*)

Rachel Held Evans‘ aktuelles Buch „Searching for Sunday“ ist im vergangenen Herbst unter dem Titel „Es ist kompliziert“ auf deutsch erschienen. Ich hab es im Frühjahr mit großem Gewinn gelesen und hier ja schonmal kurz zitiert.

Jetzt will ich es euch endlich nochmal explizit ans Herz legen.

Held Evans strukturiert das Buch in die sieben Kapitel Taufe, Beichte, Weihe, Abendmahl, Konfirmation, Krankensalbung und Ehe. Aber – obwohl man das bei dieser Gliederung vermuten könnte – es entsteht alles andere als eine systematische Abhandlung.
Sondern die Autorin verwebt in raffinierter Weise grundlegende (theologische) Fragen sowie Zitate aus Bibel, (Kirchen-)Geschichte und Gegenwart mit ihrem eigenen Erleben.
Dadurch entsteht so etwas wie ein Mosaik aus einer großen Fülle von Denkanstößen. Nicht immer ist das „easy-reading“ – und es hat tatsächlich mehrere Wochen gedauert, bis ich mich durch die immerhin 360 Seiten gelesen hatte. Aber, ja, das wird der Materie gerecht. Es ist eben komplex. Und es ist kompliziert … 😉

Durch das gesamte Buch zieht sich Rachel Held Evans‘ persönliche „Kirchengeschichte“. Und ich finde mich ständig wieder mit meinem eigenen „Kirchen-Ringen“! Diese Ahnung um das große Geheimnis, um die großen Möglichkeiten, um den großen Schatz. Das Verzweifeln an so mancher Realität. Die Sehnsucht, das Suchen nach neuen Wegen. „Loving, leaving, and finding the church“ (so der Untertitel der englischen Ausgabe) – das alles und noch viel mehr kommt vor in „Es ist kompliziert“.

Da sind durchaus die dankbaren, positiven Erinnerungen der Autorin an ihre Kindheit in einer evangelikalen Gemeinde.

„Wenn die ganze Familie die Grippe hatte, klingelte die Kirche an der Tür und brachte Hähnchenauflauf vorbei. Manchmal rief sie noch nach Mitternacht an, um um Gebet zu bitten und zu weinen. Sie tratschte in der Abholzeit an der Schule und war freitagabends unser Babysitter. […] Die Kirche kam viel öfter zu mir, als dass ich hinging, und darüber bin ich froh.“

Aber da ist eben auch die wachsende Befremdung und das nagende Gefühl, dass etwas nicht stimmt:

„[W]ir meinen, die Kirche sei etwas für Leute, die in dem „Nachher-Bild“ leben. Wir meinen, Kirche sei etwas für spirituelle Instagramdarstellungen und für unsere besten Momente. Wir meinen, Kirche sei etwas für die Gesunden, obwohl Jesus uns immer wieder gesagt hat, er sei gekommen, um den Kranken zu dienen. Wir meinen, Kirche sei etwas für die anständigen, die guten Menschen, nicht für auferstandene Menschen.
Also täuschen wir es vor.“

Für Rachel Held Evans kommt es nicht nur zu einer Entfremdung von ihrer Gemeinde, sondern auch zur Entfremdung von dem Gottesbild, das ihr dort vermittelt wurde.

Ich wurde dem beschäftigten, onkelhaften Gott fremd, der meinen Freunden Parklücken freimachte und Gebetsanliegen entgegennahm, die sich auf Wetter und Wahlergebnisse bezogen, während er 30 000 Kinder am Tag an vermeidbaren Krankheiten sterben ließ.

Es folgt ein spannender Prozess des Dekonstruierens, Suchens, Neu-Ausprobierens, Scheiterns und (Wieder-)Entdeckens, den ihr unbedingt selbst nachlesen solltet.

Das Ganze natürlich in der unvergleichlichen Rachel-Held-Evans-Sprache, die ich so liebe: Tiefgründig, (selbst-)ironisch, manchmal poetisch, mitunter urkomisch, tastend, vorsichtig, und doch auch glasklar; in jedem Fall bedeutsam.
– An manchen Stellen hätte ich mir gewünscht, den englischen „Urtext“ *g* zu lesen, in dem diese sprachliche Virtuosität vermutlich nochmal stärker rüberkommt.

Fazit: Das Buch ist wirklich lesenswert.
Und noch mehr: Die Gedanken, die Rachel Held Evans bewegt, sind unbedingt nach-denkenswert. Auch für uns in Deutschland.
Lasst uns im Gespräch bleiben, ja? Darüber, wie wir hier bei uns Kirche leben können und wollen. Und lasst uns auf diesen Weg etwas mitnehmen von der Einstellung, die ich in „Es ist kompliziert“ wahrnehme:

„Ich schreibe, weil wir manchmal in unserer Verletzlichkeit näher an der Wahrheit sind als in unseren sicheren Sicherheiten und weil ich trotz aller Zweifel und Unsicherheit, trotz meines beständigen Drangs, am Sonntagmorgen einfach auszuschlafen, die ersten flüchtigen Lichtbänder der Dämmerung gesehen habe […].“

Pharisäer/innen wie du und ich

Ich so:
„Ich danke dir, Gott, dass ich nicht bin wie die andern Leute; Hardliner, Ungebildete, Fundamentalistinnen – oder auch wie diese entsetzlich gesetzlichen Evangelikalen.
Ich höre zweimal in der Woche Worthaus oder Hossa Talk und mein handgebrühter Filterkaffee ist direkt gehandelt.“

Gott so:
„?“

Die heilige Hedwig

Anfang der Woche war ich mit meinen Eltern und Geschwistern in Polen. Wir waren wenn man so will auf den Spuren unseres eigenen „Migrationshintergrundes“ unterwegs. Haben die schlesischen Dörfer besucht, aus denen meine Großeltern stammen. Haben im Geburtszimmer meines Vaters gestanden. Haben manches nachvollzogen von der bedrückenden Fluchtgeschichte.

Am Tag darauf gab es dann das großstädtische Kontrastprogramm im sommerlichen Breslau.
Nachmittags war ich einige Stunden lang allein in der Stadt unterwegs. Ich bin durch die Straßen gestreunert, habe die Sonne auf mich scheinen und die Eindrücke auf mich regnen lassen. An allen Ecken Spuren der wechselvollen Geschichte …

Und an allen Ecken Kirchen! In fast jede, bei der ich vorbeikam, hab ich wenigstens einmal kurz reingeschaut. Und so war ich in mindestens sieben verschiedenen Gotteshäusern innerhalb weniger Stunden.
Das war eine merkwürdige Erfahrung. Fast überall war mein vorherrschender Eindruck: Befremdung.

In der barocken Universitätskirche fühlte ich mich erschlagen. Jeder Winkel voll mit (zweifellos sehenswerten) Gemälden und Verzierungen und Schnörkeln. Schön, sicher. Aber überladen, überfrachtet.

Und dann der Dom! Düster und beklemmend. Schwere Fahnen im Mittelgang. Beeindruckend und bedrückend. Gewaltig und gewichtig. Definitiv kein Ort zum Wohlfühlen.

St. Maria auf dem Sande, eine schlichte Gotikkirche, war mir da auf den ersten Blick sehr viel näher. Aber dann betrat ich eine Seitenkapelle, in der eine große bewegliche Krippe aufgebaut war. Und irgendwie war da auch noch sehr, sehr viel anderes, was mich anglitzerte und anblinkte. Und abstieß! Leuchtende, seichte Jesusbilder. Ein beweglicher Papst. Das alles gruselig musikalisch untermalt. So viel heftigster religiöser Kitsch auf so engem Raum. Ich bin rückwärts wieder rausgegangen.

Nun bin ich ja nicht das Maß aller Dinge. Es gibt unterschiedliche Geschmäcker. Es gibt eine Vielfalt von Frömmigkeitsstilen und Spiritualitätspraxis. Gott sei Dank!
Und ja, ich bin sowieso gerade gut im Dekonstruieren von Glaubensausprägungen. Und mir ist bewusst, dass ich die positiven Gegenbilder noch zu oft schuldig bleibe.

Aber ich fand das schon irgendwie merkwürdig.
Plötzlich kam mir ein verrückter Gedanke: Wie würde das wirken, wenn dieser jüdische Wanderprediger aus Nazareth, in dem wir Christinnen und Christen ja verrückterweise Gott höchstpersönlich zu begegnen glauben, mit seiner SchülerInnentruppe in eine solche Kirche gekommen wäre? Wie hätten sie ihm gefallen, die weißen, europäischen Jesusse an den Wänden? Was hätte er gesagt zu den prunkvollen Bauten?

Ich weiß es natürlich nicht.
Aber der Eindruck, dass Jesus in seinem eigenen Haus fremd wäre, den konnte ich nicht verscheuchen.
Ist das nicht spannend?! Wie in 2000 Jahren aus der kleinen Bewegung von Jesus-NachfolgerInnen all diese Strukturen und Systeme und Gebäude wurden. Wie immer mehr innere und äußere Überbauten entstanden: Aus Steinen und aus Regeln, aus Traditionen und aus vergoldeten Schnitzereien.

Ich bezweifel nicht, dass es Menschen gibt, die sich wohlfühlen und die ernsthaft (und vielleicht sogar fröhlich?) glauben. In diesen Kirchengebäuden, die mich beklemmen. In den kirchlichen Strukturen, die ich als hemmend empfinde. Vor solch blinkenden Ikonen, die mich abstoßen.

Wie gesagt, ich bin nicht das Maß der Dinge. Aber ich bin doch auch nicht allein mit meinen Anfragen, mit meiner Sehnsucht …
Und mit meinem Glauben an einen Jesus, der dort war, wo sich das echte Leben abgespielt hat. Der mit Menschen gegessen und gefeiert hat. Der Bilder aus dem Alltag benutzte und dessen Relevanz für eben diesen Alltag offensichtlich war. Spürbar. Erlebbar.

Und heute? Kommt es mir so vor, als müsste erst durch ein Labyrinth an kulturellen Unverständlichkeitshindernissen hindurch herbeierklärt werden, dass diese Sache mit Gott auch jenseits der Kirchenmauern Bedeutung haben könnte …

Zu diesen Überlegungen passt mein schönster Kirchen-Moment an diesem Breslau-Nachmittag.
In der Kreuzkirche gab es eine Ausstellung über die heilige Hedwig. Ich habe die Exponate – vor allem Gemälde – zunächst gar nicht bewusst wahrgenommen. Bis mein Blick plötzlich hängen blieb an vier Bildern von Artur Grzegorz Lobusch. Anstelle von verklärender Heiligenikonographie setzt er die alten Legenden in Beziehung mit dem ganz realen Leben heute.

Und so war ich plötzlich angezogen von seiner Darstellung der „heiligen Hedwig von Schlesien“. Oder besser: Von den zwei heiligen Hedwigs …
Da hängt ein Bild der Heiligen Hedwig im Hintergrund an der Wand. Und vorne sitzt die heilige Hedwig von heute. Eine ältere Frau, wie wir sie im Geburtsdorf meines Vaters hätten treffen können. Echt und lebendig und faltig. Nicht spektakulär. Nicht vergoldet.

Das hat mich angerührt.
Im faltigen, erbärmlich unspektakulären Alltag hat das Heilige seinen Platz.

Das könnte man vielleicht ernüchternd finden.
Ich aber finde es anziehend. Verheißungsvoll!
Dort, in Hedwigs Küche, ist Kirche. Dort ereignet sich Glaube.
Und ich denke: Wenn das nicht auch in unseren Küchen geschieht, dann bleiben die altehrwürdigen Kirchenräume – in mehrfachem Sinn – leer.

„Gemeinde entwickeln“ – Wieso, weshalb, wohin?

Letzte Woche Freitag hatte ich im Rahmen meines Theologie-Studiums eine mündliche Prüfung im Modul „Gemeinde entwickeln“.
In der Vorbereitung für die fünfzehn Minuten Prüfungsgespräch habe ich mir mehr als fünfzehn Stunden lang nochmal alles Mögliche (und auch manches Unmögliche …) reingezogen, was hierzulande in den vergangenen fünfzig Jahren so zum Thema „Church growth/Gemeindeaufbau/Gemeindeentwicklung“ angesagt war.

Das war weit, weit spannender, als ich vorher befürchtet hatte! 🙂
Und tatsächlich musste so manches arrogant-halbwissende Vorurteil weichen. Denn nein – es ist wohl doch nicht alles, was es da so an Konzepten gibt, nur technokratisches Machbarkeitswahn-Zeug für Leute, deren Herz deutlich mehr für BWL als für Theologie schlägt. 😉
Ich habe also mit großem Gewinn gelesen. Und nachgedacht. Und weitergelesen. Und mitunter sogar ansatz- oder probeweise umgedacht.

Und trotzdem bin ich pausenlos an meinem grundlegenden „Gemeindeproblem“ hängen geblieben. Habe mich immer und immer wieder verheddert in meiner kleinen pessimistischen Sicht auf „Gemeinde“! (Diese meine subjektive Sicht hat sich seit dem etwas waghalsigen und ziemlich düsteren Fazit nach dem Emergent-Forum im letzten Jahr noch nicht signifikant aufgehellt.)

Warum will ich denn „Gemeinde entwickeln“? (Bzw. warum sollte ich es wollen? *g*) Wieso? Weshalb? Und vor allem: Wohin soll (s)ich die Gemeinde entwickeln?
Ich vermute, die meisten „Gemeindeaufbauer“, von denen ich gelesen habe, würden als Antwort auf die Warum-Frage unterschreiben: „Damit viele Leute zum Glauben an Jesus finden“.
Aber was macht denn diesen Jesus-Glauben, die Jesus-Nachfolge aus? Gemeinde-Mitgliedschaft? Gemeinde-Mitarbeit?
Geht es etwa bei Jesus in erster Linie darum, dass Menschen – um mal ein Beispiel aus Rick Warrens Buch „Kirche mit Vision“ zu betrachten – aus der „suchenden, kirchendistanzierten Gesellschaft“ ganz am Rande des Schaubildes in die Mitte kommen, nämlich in den „Kern der Gemeinde“?? – Nein, oder?!! Jedenfalls doch um Gottes Willen nicht als Selbstzweck!

Mal abgesehen von der gruselig-richtenden Abstufung von „ganz draußen“ über „ein bisschen dabei“ bis zum (selbst-)gerechten „vollwertigen Gemeindekernmitglied“, die mir aus diesem Modell entgegenschlägt: Call me cynical – aber ich bin schon lange nicht mehr sicher, ob ich fröhlichen, gesunden, kirchendistanzierten Menschen wirklich pauschal wünsche, in den „Kern“ einer Gemeinde zu geraten …

Klar! Ich wünsche allen Menschen Jesus-Begegnungen! Ich wünsche allen, dass Gott sie begeistert, dass ihr ganzes Leben durchdrungen und auf den Kopf gestellt wird von Gottes Geistkraft.
Aber ist der Ausgangspunkt und vor allem ist der Zielpunkt des Jesus-Glaubens, der Jesus-Nachfolge wirklich eine „klassische Gemeinde“ mit ihren Gremien und Gebäuden und Gruppen?
Ich merke überdeutlich, dass ich diese Frage nicht mehr bejahen kann. Mir liegen neue Formen, missionale Überlegungen, Fresh-X-Versuche so viel näher …  Immer noch und immer wieder (und immer mehr) hege ich den Verdacht, dass „herkömmliche“ Gemeinden häufig nicht nur nicht förderlich sind für die Jesus-Nachfolge ihrer Mitglieder, sondern geradezu hinderlich.

Nun muss ich der Fairness halber wohl noch anmerken, dass sich Rick Warren in Teil 4 seines Buches „Kirche mit Vision“ (Überschrift: „Holen Sie die Menschen aus Ihrem Umfeld in die Gemeinde“(…!)) ausdrücklich dagegen wendet, einen Gegensatz aufzubauen zwischen – ich nenn es jetzt mal – „Komm-Struktur“ und „Geh-Struktur“. (Manchmal ist es eben doch hilfreich, in einem Buch mehr wahrzunehmen als die fragwürdigen Schaubilder. *g*) Er fasst es dann so zusammen, wie beide Pole in seiner Gemeinde ineinanderspielen:

Wir sagen: „Kommt und seht!“ zu unserer Umgebung, aber zu unserer Kerngemeinde sagen wir: „Geht und erzählt!“

Ich kann es noch nicht ganz genau fassen. Aber was mich daran (ver-)stört, liegt wohl irgendwo in dieser uneingeschränkt positiven Sicht auf die Gemeinde und auf uns ChristInnen. Als würden Menschen automatisch Jesus begegnen, wenn sie in das Haifischbecken Gemeinde eintauchen! Als wären wir Jesus-Leute tatsächlich per se so anziehend …

Nein! Sondern Jesus selbst ist doch der Anziehende! Nur durch ihn macht irgendein Gemeinde-Sein Sinn. Und nur er selbst kann Menschen in seine Nachfolge rufen. Und deshalb kann doch so ein „Komm und sieh!“ niemals ein Ruf „in die Gemeinde“ sein, sondern nur eine Einladung zu Christus selbst.
Hm. Idealerweise hätte das beides miteinander zu tun. 😉 Aber ganz deckungsgleich ist es doch wohl nie …

Puh. Keine Ahnung, ob sich euch meine wirren Gedanken gerade erschließen. 😉 Aber wenn ihr bis hier durchgehalten habt, dann seid ihr sicher auch noch bereit für die abschließende Frage: Und jetzt?
Wie geht es jetzt weiter??
Mit mir und der Gemeinde und all den Fragen?

Ich weiß es nicht. Noch immer nicht.

Vielleicht sollte ich tatsächlich öfter mal wieder „eine Gemeinde besuchen“?! Anstatt aus meiner „suchenden, kirchendistanzierten“ 🙂 Perspektive heraus (Ver-)Urteilendes zu schreiben über „Die-da-drinnen“ …

Sicherlich könnte es auch nicht schaden, nochmal gründlich(er) in die Bibel zu gucken und der Frage nachzugehen, wie (bzw. ob?! *g*) denn Jesus-Nachfolge dort in Beziehung steht mit dem, wie sich Gemeinde heute darstellt.
Womit dann wohl auch bald die grundlegende systematische Fragestellung auf dem Tisch wäre: Nämlich die nach dem eigentlichen Wesen von Gemeinde. Was macht denn Gemeinde aus? Was sind ihre Kennzeichen? Was ist ihr Auftrag?

Ach ja … – das klär ich dann alles kurz im Wintersemester im Modul „Missionarischer Gemeindeaufbau“. 😉 (Ursprünglich hatte ich dieses Modul tatsächlich nur gewählt, weil ich alle Credits brauche, die ich kriegen kann und weil es noch in den Plan passte. Aber seit letzter Woche werde ich den Verdacht nicht los, dass es mir inhaltlich vermutlich doch mehr als gut tun wird … 😉 )

Und bis dahin freue ich mich daran, dass ich nicht alleine bin mit meinem Unterwegs-Sein, mit meinem Suchen, mit meiner Sehnsucht.

Immer wieder stoße ich auf Erfahrungsberichte von Leuten, die sich einen Raum erobert haben, in dem sie christliche Gemeinschaft ganz neu (oder ganz alt *g*) zu leben versuchen. Oder die an ähnlichen Stellen ringen und fragen. (Meinen größten diesbezüglichen „Ja-genau!“-Moment hatte ich in letzter Zeit bei diesem Kirchentags-Rückblick auf relevanzvakanz.wordpress.com. Sehr lesenswert!)

In diesem Sinne feiere ich auch schon seit Monaten das aktuelle Buch „Es ist kompliziert“ von Rachel Held Evans. Ständig finde ich mich dort wieder! Vielleicht krieg ich es ja bald mal gebacken, euch das Buch vorzustellen und ein paar der großartigen Gedanken mit euch zu teilen. Als Teaser – und als ziemlich treffender Abschluss dieses Posts – kommt hier schon mal so ein „Das-spricht-mir-aus-der-Seele“-Zitat:

„Ich versuche, meinen eigenen Weg zu gehen, aber ich habe noch nicht herausgefunden, wie das geht, ohne den alten zu verdammen, ohne ihn in Grund und Boden zu brüllen, meine Unabhängigkeit zu erklären und dann so schnell ich kann in die entgegengesetzte Richtung zu rennen.“

Vielleicht findet Rachel Held Evans es ja vor mir heraus …
Oder aber ihr bringt mich in den Kommentaren oder (noch besser!) in einem Real-Life-Gespräch von meinen Anti-Gedanken zurück „auf den richtigen Weg“ …? 😉
Herzliche Einladung! 🙂

 

 

Beitragsbild: MichaelGaida/pixabay

Ein Link zwischendurch

Ich bin auf den letzten Lerntunnel-Metern für meine Sommersemester-Prüfungen.
Und damit es hier nicht ganz so still ist, kommt heute mal ein Loop, äh – Link zwischendurch. 🙂

Falls ihr es noch nicht kennt, empfehle ich euch, unbedingt mal Das Bibel Projekt wahrzunehmen.
Was das ist? Auf der Homepage wird es so erklärt:

„Das Bibel Projekt“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, biblische Erzählungen und Themen in kurzen, kreativen Videos anschaulich zu vermitteln. Diese Videos helfen dir, den Aufbau eines biblischen Buches oder ein biblisches Thema besser zu verstehen und anderen weiterzugeben!“

Das Projekt kommt ursprünglich aus den USA. Auf www.thebibleproject.com liegen im englischsprachigen Original bereits Videos zu allen biblischen Büchern vor. Außerdem gibt es zahlreiche Themenvideos. Und all diese Ressourcen sollen jetzt nach und nach auch auf deutsch verfügbar gemacht werden.

Ich war am Anfang etwas skeptisch. Zur grundlegenden (und ja, selbstverständlich hinterfragungswürdigen! *g*) „Was-kann-aus-den-USA-schon-Gutes-kommen?“-Arroganz kam nämlich die Tatsache, dass ich gleich beim ersten Video, das ich gesehen habe, inhaltlich was zu meckern hatte.

Glücklicherweise hab ich dem Ganzen vor meiner NT-Prüfung Anfang des Jahres noch eine Chance gegeben. 🙂 Und siehe da: Ich habe extrem davon profitiert und musste mein Vorurteil revidieren … Und auch jetzt, in der Vorbereitung für meine AT-Prüfung liebe ich die Videos als Ergänzung zu all der Leserei.
Das Material ist tatsächlich unglaublich hilfreich für einen soliden Bibelkunde-Überblick. Es ist grandios gemacht! Und dass es kostenlos im Netz verfügbar ist, ist natürlich super.

Klar: Über das eine oder andere könnte man diskutieren. (So wie über das eine oder andere bei gedruckten Bibelkunden auch.) Manch eine/r würde vielleicht sogar die Grundthese der beiden Projektleiter Tim Mackie und Jonathan Collins kritisch bedenken wollen: Die Bibel, so erläutern die zwei am Ende der Original-Videos häufig, sei „one unified story“ und diese wollten sie durch ihre Arbeit sichtbar machen.

Aber seien wir mal ehrlich: Solche Diskussionen werden deutlich fruchtbarer (und vielleicht überhaupt erst sinnvoll), wenn man sich mit der Materie auskennt. 😉
Und für eben dieses Überblick-Verschaffen kenne ich im Moment nichts vergleichbar Gutes!