Vorbild

„Do as I say, don’t do as I do“

In der kleinen Welt deines zweijährigen Kindes ist etwas wirklich schlecht gelaufen. Es guckt ernst, nahezu verzweifelt, und ruft dann lauthals: „SSEISSE!!“

Es sind diese Momente, wo du denkst: „Schei … – äh … – Mist! Ich muss wohl jetzt doch wirklich mal darauf achten, was ich so sage.“ 😉

Klar, es gäbe schon Ausreden: Der Kindergarten. Die Nachbarskinder.
Aber du weißt es ja besser. Natürlich hat dieses Kind das von dir.

Was in Situationen wie dieser noch vergleichsweise harmlos anfängt (ich meine, „scheiße“ sagen ist ja eigentlich gesellschaftsfähig – und wenn die lieben Kleinen das SCH dann auch noch so süß aussprechen … wer könnte da böse sein?! *g*), geht in den nächsten Jahren weiter. Und dann zeigt dieses dein geliebtes Kind plötzlich Eigenschaften, Verhaltensweisen, Reaktionsmuster, die du bei dir selbst ganz furchtbar hasst.
Es ist gruselig, aber an diesem „Kinder-halten-dir-einen-Spiegel-vor“-Spruch ist schon was dran. Und ich würde aus meiner subjektiven Sicht bestätigen: Doch, ja, Kinder lernen wirklich extrem viel durch Nachahmung. Das ist ja auch oft gut, klar. Aber manchmal ist es eben auch eher so mittel … (Um nicht zu sagen: ganz „sseisse“. *g*)

Ich kam drauf, als ich neulich über das Bibellesen nachgedacht habe. Und über eine Klage, die ich seit Jahren (in zunehmendem Maße?!) wahrzunehmen meine: „Die Jugendlichen von heute“, so lautet nämlich die artikulierte Sorge, „lesen nicht mehr Bibel“ / „kennen sich nicht mehr in der Bibel aus“ / „interessieren sich nicht mehr für die Bibel“ / und / so / weiter …

Jetzt könnte man möglicherweise fragen, ob das überhaupt stimmt.
Und man könnte dieser Sorge Hoffnungsbilder entgegensetzen. Zum Beispiel das Bild von 3000 Jugendlichen, die während des WortWechsels beim Christival vor genau einem Jahr still in einer riesigen Messehalle sitzen und – Bibel lesen! Und dann könnte man konstruktiv überlegen, wie sich solche guten Ansätze fortführen lassen im Alltag dieser Teens und jungen Erwachsenen. Das wäre sicher lohnend – und es passiert ja auch schon, dass Leute da gute Ideen (weiter-)entwickeln und ausprobieren.

Aber ich stelle sie jetzt trotzdem, diese unbequeme Frage, die sich nach diesem Einstieg ja schon aufdrängt:
Was ist denn, wenn wir Nicht-mehr-Jugendlichen uns vor allem mal an unsere Nase fassen müssten? Wenn wir zu schnell dabei sind mit den Erklärungs-Ausreden (die Medienüberflutung der jungen Leute, die Leseunlust bzw. -unfähigkeit, …).
Anstatt zu fragen: Wo sind denn die Vorbilder? Wo sind denn die Älteren und Alten, die „noch in der Bibel lesen“ / „sich noch in der Bibel auskennen“ / „sich noch für die Bibel interessieren“ …??
Und die in dieser persönlichen Beschäftigung mit der Bibel nicht nur ihre achteinhalb starren Dogmen in die Texte hineinlesen und sich das bestätigen lassen, was sie schon immer wussten. Sondern die tatsächlich ehrlich sagen würden, dass sie bei der Bibellese Gottesbegegnungen haben. Die auch schwierige Stellen nicht gleich schönerklären (oder übergehen). Die erkennbar frische Gedanken denken. Deren Leben und Reden und Glauben, deren Alltag vom Gelesenen (und dem Geist, den die heilige Schrift atmet!) durchdrungen wird …?!

Puh. Ist wirklich unbequem, die Frage.
Und die Antwort wird vielleicht nicht bequemer …

Deshalb mach ich mal lieber für heute hier Schluss. 😉
Und verlinke euch noch den Video-Beweis: Die Erkenntnis, dass das mit dem „Do as I say, don’t do as I do“ eigentlich gar nicht so toll ist, gab es mindestens schon in den 90ern.
Meine Generation und alle aufwärts könnten es also schon lange wissen. 😉

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