Emergent Forum 2016 - von Christoph Bartels

Emergent Forum – Nachklänge

Da bin ich wieder. Nach dem Emergent Forum 2016.
Inspiriert. Dankbar. Angestachelt. Sehnsüchtig. Aufgewühlt. Gesegnet.

Ich hatte ein großartiges Wochenende!
Das hatte ich zwar erwartet. 😉 Aber selbstverständlich ist es ja doch nicht.

Mein Kopf und mein Herz sind noch voll mit Menschen und Begegnungen, mit Wortkunstwerken, mit Gedankenanstößen und mit anstößigen Gedanken, mit Erkenntnissen und vor allem mit Fragen …
Es ist wirklich schwierig zu entscheiden, was von all dem ich hier mit euch teile.

Ich mach’s jetzt mal so: Für ein umfassenderes Bild des Wochenendes verweise ich euch an die Fotos und Berichte auf der Forums-Seite. Einen guten ersten Überblick bekommt ihr zum Beispiel in diesem Blogartikel von Toby Faix.
Und ich verabschiede mich auch von der irrwitzigen Idee, euch Einblick zu geben in ALLE Punkte, die ich noch bewege und die mich noch bewegen. (Hoffentlich werde ich den einen oder anderen Faden später nochmal aufnehmen.)
Statt dessen kriegt ihr heute die volle Ladung ab von EINER Sache, die in mir im Moment am lautesten nachklingt. Dass ich ausgerechnet an dieser Stelle hänge, liegt vermutlich mehr an mir als am Forum. Aber ja – Theologie gibt es eben nicht abseits der eigenen Biographie. Und die Tage in Niederhöchstadt haben da etwas an- und aufgerissen, das euch vielleicht schon aus dem einen oder anderen Post bekannt vorkommt. 😉

Nämlich: Das Thema „Kirche für alle, aber …“ hat mich persönlich, subjektiv, existenziell gepackt.
Schon am ersten Abend, bei der lockeren Interview-Runde mit den Hauptreferentinnen Christina Brudereck und Nadia Bolz-Weber, wurde mir überdeutlich: Wie so eine Kirche aussieht, in der alle willkommen sind und gemeinsam eine echte Gemeinschaft von geheiligten SünderInnen bilden, das ist nicht zuerst eine theoretische Frage für Ekklesiologie-Freaks. Es ist keine Frage, die lediglich wichtig wäre für missionarische Strategien oder für ein sauberes Political-Correctness-Gewissen oder gar als Anti-Mitgliederschwund-Programm für meine (Landes-)Kirche.
Es ist zutiefst MEINE Frage. Sie trifft eine Sehnsucht, ein Suchen in mir, sie begleitet mich schon seit Jahren und sie treibt mich zunehmend um.

Denn ich sehne mich nach einer „Kirche für MICH“.
Nach einer Kirche, in der ICH willkommen bin.
Willkommen mit meinem Glauben und meinem Zweifeln. Mit meiner Familie und meinen beruflichen Ambitionen. Mit meinem frommen Beten und meinem sich weitenden Denken. Mit meiner Angst vor Spießigkeit (*g*) und meiner Lust auf Weltoffenheit. Mit meiner Liebe zu Liturgischem und meiner Neugier für neue Wege. Mit meiner Sehnsucht nach geteiltem geistlichen Leben und echten Beziehungen.
Und ich leide schmerzlich unter den vielen vielen Abers, an denen ich mich immer wieder stoße.

„Kirche für mich, aber …“

Das klingt nach einem egoistischen Zugang. Wo kämen wir hin, wenn jede/r wünsch-dir-was-mäßig eine Liste aufstellt und sagt: „SO muss sich Kirche aber für mich gestalten, sonst bin ich raus“?! –
Ja, wo kämen wir da hin, wenn wir alle unserer persönlichen Kirchensehnsucht nachgingen? – Ich denke ja, dass wir an neue Orte kämen, in neue Räume, zu neuen Formen, zu mehr Vielfalt und mehr Leben. Und ich denke, dass das gut wäre!
Und soviel schonmal zur Beruhigung: Wenn ihr bis zum Schluss durchhaltet, werdet ihr erleben, wie sich dieser narzisstische Ansatz noch relativiert. 😉

Kirche für mich, ABER … was heißt denn hier Kirche?

Vor ein paar Wochen habe ich in einem Wohnzimmer, in dem ich zu Gast war, ein spannendes Buch von Manfred Josuttis entdeckt: „‚Unsere Volkskirche‘ und die Gemeinde der Heiligen. Erinnerungen an die Zukunft der Kirche“. (By the way: Sollte das jemand im Schrank stehen haben und mir leihen (oder schenken *g*) wollen, tut euch keinen Zwang an!) Ich hab nur ganz kurz reingelesen, aber was der Mann vor fast zwanzig Jahren geschrieben hat, war so klar und brandaktuell und herausfordernd:
„Kirche sein“, das ist nichts, was wir Menschen in der Hand haben. Keine Gruppe oder Institution kann von sich aus Kirche im christlichen Sinne sein. Kirche bedeutet nicht ein System oder eine Struktur, sondern Gemeinschaft geheiligter SünderInnen. Diese Gemeinschaft wird nur durch Gott selbst ermöglicht und legitimiert.
Ob das mit den „geheiligten SünderInnen“ tatsächlich so da steht oder ob sich das in meinem Kopf nur so verknüpft hat, wäre noch nachzuprüfen. *g* In jedem Fall passt das zu vielen Gedanken des Wochenendes und es ist als Basis wichtig für das, was jetzt kommt.

Wenn ich nämlich gleich weiter von meiner Sehnsucht nach Kirche schreibe und über die „Abers“, an denen ich mich reibe, dann meine ich mit Kirche das: Gemeinschaft von „Sinners-and-Saints“. Ein Ort, an dem die Vergebung der Sünden verkündigt und gelebt wird. Wo alle Menschen kommen und bleiben dürfen, ohne „sofern du“ und ohne „aber erst wenn“. Ein Raum, in dem die Gnade regiert.

Ich schreibe aus meiner subjektiven Sicht. Und aus meinem Landeskirchen-Blickwinkel. Aber ich vermute, dass vieles auch über mein Empfinden und über meine Kirche hinaus relevant ist.

Kirche für mich, ABER … die Strukturen!

Was ich gleich schreibe, hab ich so noch nie gesagt. Es klingt krass und anmaßend und ich muss noch etwas Mut sammeln … Ich bin gerne Landeskirchlerin und möchte es liebend gerne bleiben. Seit zwei Jahrzehnten bringe ich mich ehren- und hauptamtlich ein. Umso schwerer fällt mir diese Aussage:

Ich sehe im Moment keine zukunftsfähigen Wege mehr für unsere aktuelle landeskirchliche Struktur. Für die unübersichtlich großen (und durch Zusammenlegungen immer noch größer werdenden) Parochialgemeinden, in denen überforderte Hauptamtliche mit immer weniger zeitlichen Kapazitäten immer mehr Aufgaben erledigen müssen. Und dabei dann zum Beispiel, wie Nadia Bolz-Weber am Sonntag etwas böse karikiert hat, einen Großteil ihrer Zeit und Kraft darauf verwenden, Menschen zu beerdigen, die sie nie getroffen haben. *g* So kommt es dann zu der Wahrnehmung: Der Postbote ist in diesem Bezirk für die Briefe zuständig und die Pfarrerin eben für die kirchlichen Amtshandlungen …

Ich erlebe das schrecklich oft. Dass unsere starren, sperrigen Strukturen und das damit verbundene Kreisen um Geld und Gebäude und menschliche Macht unser „Kirche sein“ (im (eigentlichen?) Sinne einer Gemeinschaft geheiligter SünderInnen) massiv behindern. Und nicht selten sogar in furchtbarer Weise ad absurdum führen.

Wie soll das denn so in guter Weise weitergehen??
Ich bin offen dafür und würde mich sehr freuen, wenn ihr die Kommentarspalte nutzt, um mir aus dieser düsteren, vielleicht einseitigen Sicht rauszuhelfen.
Aber ich kann gerade nichts anderes sagen: Ich sehe es nicht nicht mehr. Ich sehe nicht, wie wir an den parochialen Strukturen und dem Volkskirchen-Selbstverständnis festhalten – und gleichzeitig Kirche sein können.

Kirche für mich, ABER … die Formen!

Lange Zeit habe ich viele Gedanken und Kräfte auf die Optimierung von Veranstaltungsformen und -formaten verwendet. Ich merke, dass das heute für mich keinen Sinn mehr ergibt.

Mir wurde das nochmal deutlich beim Gottesdienst am Sonntag. Die Andreas-Gemeinde in Niederhöchstadt, Mitveranstalterin des Emergent Forums und prominentes Beispiel für eine innovative Landeskirchengemeinde, hat uns eingeladen zu ihrem GoSpecial.
So beeindruckend ich diesen Gottesdienst in Teilen auch fand, es blieb das Empfinden: Das ist es für mich nicht (mehr). Mein Sehnsuchtsbild zeigt keine großen Frontalveranstaltungen. Sondern eher kleine Tisch- und Lebens- und Glaubensgemeinschaften. Sie sind für mich auch der geeignete Ort, an dem so genannte „kirchendistanzierte“ oder „suchende“ Leute mit Kirche und mit Gott in Kontakt treten können. (Vielleicht kann ich das gerade ja auch gut beurteilen, denn „kirchendistanziert“ und „suchend“ sind Attribute, die ich heute als passend für mich selbst empfinde und nicht mehr nur für „die da draußen“.)

Vermutlich ist es gar nicht nötig und sogar gefährlich, hier einen Entweder/Oder-Abgrund zu erschaffen. Es müssen ja die klassischen Gottesdienste nicht abgeschafft werden, die zweifellos vielen etwas bedeuten. Aber ich brauche das UND, das mir entspricht.

Nadia Bolz-Weber hat im Freitagabendinterview sinngemäß gesagt:

Schon immer haben Menschen sich irgendwo um einen Tisch gesetzt, haben gegessen und geredet über das, was sie bewegt, und gemeinsam gebetet – und das haben sie Kirche genannt.

JA!! Das ist es. Das lockt mich. Ich sehne mich nach so einer Art von Kirche, von Gemeinde, von Gemeinschaft. Einfach. Persönlich. Echt. Gerne klein. Mit dem Fokus auf Beziehungen und nicht auf Veranstaltungen. Um einen Tisch sitzen, diskutieren, beten. Und das als Kirche verstehen dürfen.
(Wie) Kann das gehen in meinem landeskirchlichen Kontext?

Kirche für mich, ABER … der Mangel an Freiheit!

Wie es nicht gehen kann, da kenne ich mich leider ziemlich aus. Es geht nicht mit Angst. Es geht nicht ohne Vertrauen.

Hier hat ein weiterer Nebensatz von Nadia Bolz-Weber ein Erdbeben in mir ausgelöst. Ich hab das Zitat nicht wörtlich mitgeschrieben, aber sie sagte in etwa:

Und dann hör ich immer: <Ja, ihr im House for all Sinners and Saints habt ja auch lauter krass-kreative Leute. Kein Wunder, dass das bei euch so gut läuft.> Aber ich denke, das ist keine Frage von Kreativität, sondern eine Frage von Freiheit.

Ich spüre überdeutlich, dass dieser letzte Satz stimmt. Und dass er etwas auf den Punkt bringt, dem nachzugehen sich lohnt: Es ist eine Frage von Freiheit!

Wo gibt es denn bei uns solche Frei(heits)räume???
In denen etwas gewagt und ausprobiert werden darf. Wo es kein Drama ist, wenn was gehörig schief geht. In denen damit gerechnet (oder sogar darauf gehofft) wird, dass der Geist Gottes auch mal unsere Konzepte und Strategien über den Haufen weht. Wo Leute unterwegs sein dürfen mit Jesus und miteinander – ohne immer schon genau zu wissen, wo es hingehen wird. Wo sind Räume, in denen Menschen um Gottes willen wichtiger sind als Strukturen?

Solche Freiheitsräume suchen und fördern und feiern! Das könnte doch ein guter Weg sein. Für die einzelnen Gemeinden vor Ort. Aber auch auf übergeordneter organisatorischer Ebene.

Christina Brudereck hat hier am Freitagabend eine spannende Spur gelegt zum Thema „die Kosten und das Kosten“. Da war zum einen die nüchterne Sorge:

„Meine Kirche rechnet sich tot.“

Aber sie hat das verbunden mit der (sinngemäßen) Aussage:

Wir reden zu viel über Kosten im Sinne von: „Wieviel kostet das?“ Dabei ist Kosten doch etwas Wunderbares, so wie beim Kochen. Etwas zu probieren, zu kosten. Zu merken: „Wo duftet es gut? Wo geschieht gerade schon etwas Gutes?“ Und dann dort mitzumachen, es sich etwas kosten lassen.

Ja, das klingt gut.
– Und ja, natürlich gibt es sie ja schon. Die guten Beispiele. Gemeinschaften, von denen ich höre oder lese, die mich anziehen und inspirieren.
Allerdings: Diese Beispiele, wo Leute mutig neue (oder gerade ganz alte?!) Gemeinschaftswege gehen, finden sich fast ausschließlich in der Großstadt.

Kirche für mich, ABER … was, wenn ich nicht in der Großstadt wohne?

Was ist aber, wenn ich nicht im Ruhrgebiet wohne wie Christina Brudereck? Auch nicht in Kreuzberg oder Eppendorf? Und noch nicht mal in Bielefeld? 😉
Sondern, sagen wir mal spaßeshalber, in einem Dorf in der ostwestfälischen Provinz?!

Und da sind wir wieder. Bei der persönlichen, subjektiven, existenziellen Dimension, die diese Fragen für mich in allererster Linie haben …

– Vielleicht stimmt ihr meiner düsteren Analyse in diesem Artikel ja gar nicht zu. Vielleicht male ich zu schwarz. Sicherlich habe ich blinde Flecken, in jedem Fall gibt es in mir Arroganz- und I-know-it-all-Tendenzen, die nicht förderlich sind. Das will ich gar nicht leugnen.

Aber ich empfinde die Situation gerade so. Und ich leide darunter!

Tja.
Und jetzt?? Was bedeutet das alles jetzt?
Wie geht es weiter mit mir? Und mit der Kirche? Und mit mir und der Kirche?

Gestern hatte ich plötzlich noch einen weiteren Wochenend-Satz im Kopf:

„Little girl, get up!“

😉 Ja, das wäre vermutlich ein guter Ansatz …
Mit mit dem Jammern aufzuhören. Und, anstatt größenwahnsinnig die ganze Kirche reformieren zu wollen und dabei zwangsläufig zu verzweifeln, im Kleinen und Unperfekten und mit allen Gebrochenheiten und Widersprüchen meiner Sehnsucht von Kirche nachzugehen.

Hm. Leute zum Essen einladen wäre ja zum Beispiel eine Möglichkeit für den Anfang … Das geht definitiv auch in der Provinz. Und dann könnten wir essen und Bier trinken und reden über das, was uns bewegt … Und vielleicht würden wir gemeinsam beten. Und wer weiß, wo wir da hinkämen …? 🙂
Vielleicht würden wir uns am Ende noch trauen, das dann Kirche zu nennen. Und wer weiß, vielleicht würde sich „die Institution Kirche“ sogar auch irgendwann trauen, sowas Kirche zu nennen …

„Little girl, get up!“ Ja!
Aber das ist nunmal einer dieser Sätze, die man sich so schlecht selbst sagen kann …

Und da fällt es mir wie Schuppen von den Augen: „Little girl, get up!“ – Das sagen in Markus 5 ja überhaupt keine Menschen. Das sagt Jesus höchstpersönlich!
Und genau: das ändert alles. 😉

Denn jetzt fällt mir – Gott sei Dank – doch plötzlich alles wieder ein: Die Kirche ist ja gar nicht meine. 🙂 Sie ist ja gar nicht etwas, das ich machen muss oder auch nur könnte. „Ich muss nur noch kurz die Kirche retten“ ist kein gutes Lebenslied.

Kirche ist VON GOTT GEWIRKTE Gemeinschaft.
Oder, wie es in der Predigt vom Sonntag hieß: Kirche ist GOTTES Zelt.

Kirche ist GOTTES weites Zelt. Es geht um GOTTES Gnade.
Und Gott lädt ein ohne Wenn und Aber.
Sympatisantinnen einer dörflich-bürgerlichen Ü-60-Mainstream-Kultur sind herzlich willkommen. Und möchtegern-emergente Wanna-be-Hipsters auch. Und alle dazwischen und darüber hinaus.

Und auch wenn (bzw. gerade weil?!) mir mitunter schleierhaft ist, wie das praktisch aussehen soll: Wie gut ist es, darauf zu schauen!

„Little girl, get up!“
Ja, Jesus. Es ist nötig, dass du höchstpersönlich Totes lebendig machst.
In mir. Und in meiner – nein, in DEINER Kirche.
Would you please?!

 

Foto: Christoph Bartels

15 Gedanken zu „Emergent Forum – Nachklänge“

  1. Oh Astrid ich kann dich soooo verstehen! Hat schon seinen Grund warum ich mich in einem Hauskreis wohler und aufgehobener fühle als in so manchen Gottesdiensten! Das wurde mir letztens nochmal sehr deutlich…und warum sollten solche Treffen zu Hause keine Kirche sein? Kirche machen wir nicht, sondern kommt von Gott, wie du geschrieben hast und da gibt es ja dann noch „wo zwei oder drei…“ Du kennst das ja. 😉 Ich wollte dich nur wissen lassen, dass du nicht alleine so fühlst und ich Gemeinschaft mit lieben Mitmenschen und Gott bei Bier und Pommes auch eher vorziehe, als andere „Strukturen“. 😉
    Liebe Grüße
    Julia 🙂

  2. Die Zerrissenheit kann ich vor allem gut verstehen und nachvollziehen. Ich möchte „meine“ Landeskirche oder „meine“ Kirchengemeinde echt nicht verlassen. Aber ich wünsche mir auch oft ein „einfach mal tun“ statt erst von allen Seiten abzuklopfen, ob etwas „das Richtige“ ist, ob es „sich lohnt, darin zu investieren“, ob es Menschen gibt, die sich auch dafür interessieren.
    Das eine tun und das andere nicht lassen, ist eine Devise, die ich in vielen Dingen mag. Denn natürlich gibt es auch für die Tradition, für das alteingesessene gute Gründe.
    Kann man vermutlich lange drüber diskutieren. Oder wir treffen uns einfach mal zum gemeinsam kochen, kosten, essen, trinken, singen, beten und schau’n mal, was passiert…
    Keep on running!
    LG Anja

    1. Ja, au ja! Vielleicht sollten wir das TATSÄCHLICH tun. 🙂
      Ich hab gelesen, dass der Vortrag von Christina Brudereck vom Samstagvormittag auf der Emergent-Seite veröffentlicht wird. Wie wär das denn zum Beispiel: Wir essen und trinken was Schönes und hören uns den Vortrag an und schaun, was die Nacht dann noch bringt …?! 😉

      @Julia: Biste auch dabei? Bier und Pommes ließe sich sicher einrichten. – Aber ich würde das kulinarisch gesehen nicht von Vorneherein so einschränken wollen. Ich meine, es gäbe ja auch noch Wein. Und Brot. Und Käse und Schokolade und Caipirinha und Takko-Salat und Sushi und Rhabarber-Schorle und …

      1. Hallo Astrid,
        bin zwar über Kinder und Kirche noch nicht bis Küche vorgedrungen aber ich finde bestimmt etwas das ich auch beitragen könnte 😉
        Sagt einfach Bescheid wann es losgeht!
        LG
        Simone B

        1. Ja, großartig! So langsam wird der Tisch voll. 😉

          PS: Dass ausgerechnet ich unter allen „K“s dieser Welt nochmal den Punkt Küche groß machen würde, wer hätte das gedacht?! 😉

  3. Liebe Astrid,

    ich kann Dich mit dem Text und den Frustrationen sehr verstehen. Und gerade den letzten Twist am Ende finde ich sehr wichtig, um die eigenen Erwartungen auch zu kalibrieren.
    Ich möchte etwas provokantes sagen: kann es sein, dass das Frustrierende an der Struktur Volkskirche auch einen Großartigen Aspekt hat: ich bin konfrontiert mit Menschen, die ich mir nicht ausgesucht hätte. Wenn wir Kirche wollen, die „uns Heimat bietet“, in der „wir so sein können wie wir sind“ – haben wir dann nicht die Tendenz, einen höchst ungastlichen Club zu gründen? Dann greifen die normalen sozialen Gesetze: gleich und gleich gesellt sich gern. Um es mal zu überspitzen: ist die Alternative: entweder Heimat oder Gastlichkeit? Oder zumindest: da wo fremde kommen, werden immer meine Heimatgefühle unterbrochen und ich „fühl mich fremd im Eigenenen“ – wobei die Kirche ja nie „das Eigene“ ist, weil sie nicht uns gehört. Ich fand bei Nadia so stark, dass sie eben nicht nur die Träume gemalt hat, sondern von der nervigen Realität erzählt hat („ich finde die Hälfte meiner Gemeinde persönlich doof“ so in etwa).

    1. Hey Arne,
      danke für die Provokation. 🙂

      Puh, schade, dass das digitale Im-Gespräch-sein so viel komplizierter ist als face to face. Und dass diese Großartigkeit, nichts zu tun zu haben, als all diesen spannenden Dingen nach-zudenken, ein Privileg des letzten Wochenendes war … Und jetzt vorbei ist! 🙁

      Ich versuch trotzdem mal eine etwas unsortierte Reaktion:

      In der Struktur Volkskirche sehe ich nicht nur einen, sondern eine Vielzahl von positiven Aspekten. Beispiele: Wir haben viele materielle, finanzielle und räumliche Ressourcen. Auch viele personelle, wenn man es mal nicht vom Mangel, sondern von den Möglichkeiten her sieht. Wir haben in meinem dörflichen Umfeld bei vielen immer noch ein Grundvertrauen. Wir haben automatisch Berührungspunkte mit vielen Menschen, z. B. durch Kasualien, soziale Einrichtungen etc.

      Aber zur Konfrontation mit den „Nicht-ausgesuchten-Menschen“: die Leute, die in der „Kerngemeinde“ sind, an Veranstaltungen teilnehmen und sich zugehörig fühlen – da gibt es glaub ich in der Unterschiedlichkeit gar keinen Vorsprung zu freien Gemeinden.
      Auch in einer Freikirche kann es mir doch so gehen, dass ich die Hälfte der Leute „doof finde“. Oder?
      (- Aus was für einer Gemeinde kommst du eigentlich?)

      Auf den Punkt: Ja, die Struktur der Volkskirche hat auch Gutes. Aber nein, dem „Frustrierenden an der Struktur der Volkskirche“ (also etwa der Starrheit, den Machtstrukturen, den klaren Erwartungen an Formen und Formaten und dem Mangel an Experimentier-Feldern) kann ich im Moment nichts Positives abgewinnen.

      Das Stichwort Heimat ist glaub ich eine andere, wenn auch natürlich immens spannende Baustelle …
      Ich würde (zumindest bewusst) nicht sagen, dass ich nach „Heimat“ suche. Aber vielleicht mache ich mir da auch selbst was vor. An sich habe ich gerade eher das Leitbild von „Unterwegs sein“. Jesus hinterher. Und die Sehnsüchte, die ich hinter dem Begriff Heimat entdecke, würde ich dann gerne bei Jesus stillen und nicht in der menschlichen Gruppe. (Wobei sich Jesus ja in dieser Gruppe zeigt und man das vielleicht gar nicht so genau trennen kann? Ahh, es ist gerade schon echt spät … *g*)

      Hm …
      – Ich glaube nicht, dass ich einen Kuschelclub suche, wo ich nur auf Gleichgesinnte treffe … Aber ja, ich suche natürlich schon „Gleichgesinnte“. Also Leute, die auch von der Gemeinschaft geheiligter SünderInnen träumen. (Und ja, definitiv: Leute, in deren Gegenwart ich sein darf, wie ich bin!! Das heißt ja nicht, dass es immer nur nach meinem Willen gehen muss. Ich kann mich nämlich auch mal zurückhalten, echt.) Aber deshalb müssen diese „Gleichgesinnten“ ja nicht genau so sein wie ich.

      Die Grundanfrage verstehe ich aber natürlich. Haben wir Lust darauf, dass ständig Fremde dazu kommen „and mess up our club“? Lass mich kurz überlegen – nein. 😉

      Aber weißt du was?! Ich freu mich auf die Zeit, wenn das mein Problem sein wird. In den letzten Jahren war ich immer in Gemeinden, in die quasi nie freiwillig „Fremde“ gekommen sind. Und selbst die, die eigentlich dazugehören, kommen nicht. Und, was vielleicht das Schlimmste ist: Im Moment komme ich auch nicht mehr …

      (Das ist ja übrigens auch schon wieder spannend, was es heißt „in die Gemeinde kommen“ …)

      So, keine Ahnung, wie viel Sinn das ergibt.
      Aber ich wäre in jedem Fall gespannt auf deinen Blog-Beitrag in Sachen „der Versuch, offen zu sein und die Unumgänglichkeit von Exklusion“. Da steckt noch einiges drin, was ich (wenn überhaupt) erst ausgeschlafen werde in Worte fassen können …

      1. Gute Nachricht: Gestern sind absolut freiwillig 4 junge Männer neu zu unserem Gottesdienst gekommen, 3 Iraner und ein syrischer Kurde. Die sind in der Nähe einquartiert und haben die Kirche gesehen. Sie waren auch schon unter der Woche mal dort (und haben sich gewundert, dass die Kirche abgeschlossen war…)
        Sie finden unsere altehrwürdige Kirche schön und obwohl sie kaum etwas verstanden haben (die Iraner sind erst seit 4 Monaten in Deutschland), wollen sie nächste Woche wiederkommen und auch das Neue Testament mitbringen, das sie bei der Erstaufnahme in Düsseldorf bekommen haben, damit ich da mal einen Blick reinwerfen kann.
        Vielleicht wagst du es ja auch einfach mal wieder, sonst klappt das nie mit dem Klavierschieben ;-)…
        LG Anja

        1. Das ist ja cool!
          Und das erhöht die „Klavierschiebe-Chancen“ immens, auch völlig unabhängig von meiner Person!

          Nadia Bolz-Weber hat während des Forums den starken Gedanken gebracht, dass nicht „die Leute da draußen“, außerhalb unserer Gemeinden UNS brauchen. „Bullshit, we need THEM“. Weil sie uns an das Wesentliche erinnern. Und davon abhalten, nach kürzester Zeit über so (ir)relevante Dinge wie Teppichfarben zu streiten. *g*

    1. Danke, Sabine!
      Das passt tatsächlich genau zu meinen Überlegungen.

      Das Bild von der „Seen-Fluss-Landschaft“ kannte ich noch nicht (lest mal hier unter „Frexh X als Ergänzung, nicht als Ersatz“: http://freshexpressions.de/ueber-fresh-x/was-ist-eine-fresh-x/ ). Es leuchtet unmittelbar ein. In der Theorie zumindest. – Aber ob es tatsächlich gelingt, so eine Praxis zu etablieren …?
      Das Problem mit den Ortsgemeinden, für die ich in der heutigen Form kaum Zukunft sehe, bleibt ja zum Beispiel bestehen. Tja, im (Ideal-)Bild würden diese „Seen“-Gemeinden dann neu belebt und bewegt durch Zu- und Abflüsse.
      Ja. Wenn das klappen könnte … wunderbar …

  4. Kann dich soooo verstehen. Mich frustet es auch, und dabei bin ich Freikirchler. Bei uns ist das ähnlich, vielleicht teilweise noch verkrampfter? („Frau, schweige in der Gemeinde!“, „Wenn du nicht so glaubst wie wir, kommst du in die Hölle“, „Homosexualität ist Gott ein Greuel“… Naja, teilweise etwas überspitzt, aber vielleicht weißt du, was ich meine.)
    Ein paar Freundinnen und ich haben uns jetzt zusammen getan und wollen uns einmal im Monat treffen, vier Frauen aus vier Gemeinden. Bzw eine, ich, aus keiner speziellen im Moment. Ich weiß nicht, wie sich das entwickeln wird, wir werden sicher beten, wir werden sicher etwas Bibel lesen, aber wie wissen wir noch nicht. Vielleicht werden wir ein paar schöne Aktionen machen, wie einen Erste Hilfe Kurs oder das Dunkel-Cafe besuchen? Ich glaube, sowas brauche ich. Und die anderen sagen, sie auch. Ich freu mich drauf, eigentlich wollten wir uns gestern das erste mal treffen, aber eine Geburt ist dazwischen gekommen :-D, jetzt um zwei Wochen verschoben, aber das steigert nur die Spannung.
    Vielleicht ist sowas ja auch Kirche.

  5. Ich spüre in mir auch noch immer die Nachbeben eines intensiven EmFo16 – mit dem Aufnehmen und Verarbeiten von Eindrücken und Informationen etwas überfordert …

    Ein Problem, das wir besonders in Deutschland immer noch oft haben, ist die Gleichsetzung der Landeskirche mit der Kirche Jesu. (Die Tatsache, dass wir 2 Volkskirchen in Deutschland haben, sollte uns eigentlich schon zu denken geben …) Die Kirche Jesu war noch nie eine Körperschaft des öffentlichen Rechts oder Ähnliches. Am Anfang war es einfach eine Menge von Menschen, die sich um einen Wanderprediger geschart hatten. Die wahre Kirche Jesu wird immer die Gemeinschaft derer sein, die zu ihm gehören. (Wer das genau ist, weiß er bestimmt am besten.)

    Die Reformation war KEIN radikaler Neuanfang. Und weder ev. noch kath. Kirche haben sich in ausreichendem Maß von den dunklen Elementen einer nun fast 2000jährigen Kirchengeschichte distanziert. In Vielem wurde einfach so weiter gemacht wie vorher. Die Zweifelhaftigkeit des Status Quo wird kaum wahrgenommen; und kirchliche Funktionäre sind sicherlich auch nicht ohne Eigeninteressen.

    Wir gut, dass wir nicht auf andere warten müssen, sondern mit uns selbst schon anfangen können …

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