Beten

Ich würde eine Pastorin sein wollen, die betet

Ein Artikel aus der aktuellen AUFATMEN-Ausgabe (1/2017) hat mich sehr bewegt. Thomas Härry schreibt in der Serie „Menschen, die mich prägen“ einen großartigen Beitrag über den US-amerikanischen Pastor Eugene Peterson.

Wenn ihr irgendwo eine AUFATMEN zu fassen kriegt, dann lest euch den Artikel unbedingt durch (ab S. 64). Ich werde euch hier nämlich nicht alle guten Gedanken daraus aufschreiben (können). Sondern ich möchte nur ein Peterson-Zitat mit euch teilen, das ich extrem spannend finde:

„Ich möchte ein Pastor sein, der betet.
Ich möchte ein Pastor sein, der liest und seriös studiert.
Ich möchte ein Pastor sein, der sich frei von Druck und Hetze Zeit nehmen kann für Gespräche mit seinen Gemeindegliedern, um ihnen ein guter geistlicher Begleiter zu sein.
Ich möchte ein Pastor sein, der die Gemeinde im Gottesdienst leitet, der mit Tiefgang predigt und die Bibel für euch lebendig werden lässt.
Ich möchte Zeit haben, meiner zweijährigen Tochter Geschichten vorzulesen.
Und schließlich: Ich möchte nicht länger ein gestresster Pastor sein.“

Diese Sätze sagte Peterson zur Leitung der Gemeinde, in der er als Pastor tätig war. Und zwar, nachdem er seine Kündigung ausgesprochen hatte. Weil ihm nämlich nach Jahren des Dienstes am oder über dem Limit vor lauter Arbeit der Kern seiner Berufung zu entgleiten schien.

Ich kenne solche Sätze – und ich kenne die Not, aus der heraus sie entstehen.
Ich kenne sie von vielen anderen Hauptamtlichen. Und ich kenne sie aus Phasen meines eigenen Dienstes.

Und so viel steht fest: Da will ich nie wieder hin!

Jetzt, wo die Menschen in meinem weiteren Umfeld langsam Wind von meinem Theologiestudium bekommen, werde ich häufig gefragt: „Ach so, und dann willst du also Pastorin werden?“

Und ich sage dann nicht „ja“.

Denn selbst wenn es stimmt, dass in immer mehr Landeskirchen schon an den roten Teppichen geknüpft wird, die man theologisch ausgebildeten Menschen ohne klassisches Pfarramtstudium dann spätestens in zehn bis fünfzehn Jahren (wenn der Pfarrer/innenmangel voll zuschlagen wird) ausrollen könnte – ich glaube, dass sich einiges an den Strukturen ändern müsste, damit ich einen solchen Dienst tun wollte und könnte.

Ich habe großen Respekt vor den Pfarrerinnen und Pfarrern, die sich Tag für Tag (und so manche Presbyteriumsnacht) durch ihren Aufgabendschungel schlagen. Und ich bewundere all die, die dabei auch noch fröhliche, gesunde und geistliche Menschen bleiben.

Aber mir ist (im Moment zumindest) ganz deutlich: Für mich wäre das nichts. Ich hätte Sorge, dass mir vor lauter Management, Orga, Gremien, Kasualien, Veranstaltungen und tausendfachen Erwartungen das Eigentliche abhanden käme.

Oder, anders ausgedrückt: Ich würde eine Pastorin sein wollen, die betet.

4 Gedanken zu „Ich würde eine Pastorin sein wollen, die betet“

  1. Genau das war auch das erste, was ich gedacht habe, als ich das Zitat gelesen hab: Dass das nach einer Person klingt, die wirklich alles möchte, aber das unmöglich ist. Man ist eben doch nur ein Mensch. Und es erinnert mich an meine kurze Zeit als Jugendreferentin, in der ich wirklich alles geben wollte, was ich geben konnte und dann aus heiterem Himmel weg gejagt wurde, ohne dass mir wirklich ein Grund genannt wurde. Traurig, sowas.
    Was kann man eigentlich noch mit dem Theologiestudium tun, außer Pastor/in zu werden?

    1. Was man mit einem Theologiestudium tun kann?
      Ich denke, das hängt von der Hochschule ab, an der man studiert und dem, was man sonst noch so gerne macht und gut kann.
      Ist das eine allgemeine Frage oder überlegst du noch/wieder, Bithya …?? 🙂

      1. Ich weiß noch nicht genau, ob das eine allgemeine Frage ist oder doch etwas mehr… 😀 Jedenfalls, Pastorin wäre nichts, da wäre ich zu sehr eingebunden, würde ich net schaffen. Der „Stoff“ an sich würde mich aber total interessieren. Das Infomaterial habe ich mir mal schicken lassen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.