Ein Jahr readpraylove! :-)

Jubiläum! Heute vor einem Jahr, Pfingstmontag 2016, habe ich den ersten Beitrag auf dieser Seite veröffentlicht.

Ein guter Zeitpunkt, um mal wieder zu sagen:
DANKE euch, die ihr hier regelmäßig oder sporadisch mitlest und mitdenkt.
Danke besonders auch für alles Mitreden. In den Kommentaren, per Mail und in „echten“ Gesprächen. Es ist für mich ein totales Geschenk, auf diese Weise mit euch verbunden zu sein. Denn natürlich bringt es mich weiter, von euch bestätigt, hinterfragt und (notfalls auch *g*) korrigiert zu werden.

Ach, und es gibt noch so viele „Baustellen“, an die ich mich in Zukunft gerne mal rantrauen möchte …
Für einige dieser potenziellen Artikel muss ich noch Informationen sammeln. Und für andere noch Mut. Aber für viele interessante Themen fehlen eigentlich „nur noch“ Zeit und Muße zum Schreiben. 😉
Von daher hab ich Hoffnung auf ein weiteres spannendes Jahr.
Es wäre schön, wenn ihr auch in Zukunft mit dabei seid!

Zum Schluss teile ich zur Feier des Tages nochmal ein paar Artikel aus dem ersten Jahr mit euch, die mir besonders am Herzen liegen. (Es war gar nicht so leicht, diese „Top 5“ zusammenzustellen … – an einigen Stellen hätte ich auch anders entscheiden können.) Ihr seht sie unten in ihrer Erscheinungsreihenfolge.

Wenn ihr die noch nicht gelesen habt: Das solltet ihr nachholen. 🙂

Die Bibel in schwarz-weiß

Jesus, Jesus, Jesus und nochmal Jesus

Ich glaube schon. (Teil 2)

Auf Wiedersehen!

Putzen oder predigen?

Putzen oder predigen?

Als Jugendliche lebte ich tatsächlich in dem Glauben, dass mein Geschlecht für meine berufliche Zukunft unerheblich sei.

Ich war ein Mädchen, klar. Aber das machte doch keinen Unterschied!
Von Haus aus war ich mit einem gesunden Selbstbewusstsein ausgestattet. Meine Vorbilder hießen Pippi Langstrumpf, Maren Meinert oder Astrid Lindgren. Starke Frauen, die Pferde hochheben und Traumtore aus der zweiten Reihe schießen und sich als geächtete alleinerziehende Mutter zur weltberühmten Autorin hochschreiben konnten.

In der Schule wurde so getan, als komme es im (Berufs-)Leben ausschließlich auf die Kompetenzen an. Ich passte gut ins (heute finde ich: an vielen Stellen hinterfragungswürdige) Schul-System, verließ mein Gymnasium mit einem hervorragenden Abi und dachte immer noch, dass Leistungsfähigkeit und -bereitschaft die entscheidenden Faktoren für berufliches Fortkommen seien. Und nicht Geschlechtsteile.

Selbst während der seminaristisch-theologischen Ausbildung am Johanneum, wo ich mich ja immerhin auf eine Tätigkeit im – ich sag mal – „frömmeren Spektrum der kirchlichen Szene“ *g* vorbereitete, kam ich nicht auf die Idee, dass es einen Unterschied machen könnte, als Frau oder als Mann im hauptamtlichen Dienst zu arbeiten. Die Thematik kam gar nicht vor – oder zumindest kam sie nicht bei mir an.

Dann bekam ich mein erstes Kind, schloss meine Ausbildung ab, begann als Jugendreferentin zu arbeiten und war in einigen frommen Gremien und Netzwerken unterwegs.

Und merkte: Oh, doch! Es machte einen großen Unterschied, dass ich eine Frau bin. 
Und mehr noch: Es machte einen extremen Unterschied, dass ich eine Mutter bin.

Ich weiß noch, wie oft ich fassungslos und wütend war. Über das, was ich ständig selbst erlebt habe. Und über Geschichten, die ich von anderen „hauptamtlichen Frauen“ erzählt bekam.

Zum Beispiel die Sache mit dem Gremium, in dem wir zu dem Zeitpunkt nur zwei junge Frauen unter vielen (zumeist älteren) Männern waren. Die Kollegin hatte sich für einen Posten zur Verfügung gestellt und es gab noch einen zweiten (ebenfalls geeigneten, aber aus meiner Sicht vielleicht nicht ganz so starken) Kandidaten. Bei der Beratung in Abwesenheit der beiden machte sich dann ein Bruder stark dafür, dass wir die „junge Schwester“ doch lieber nicht wählen sollten, und zwar „um ihrer selbst willen“. Denn sie wäre doch möglicherweise überfordert mit der Aufgabe und sei ja immerhin auch gerade erst neu in den Verband XY eingestiegen und ob man das eben diesem Anstellungsträger gegenüber verantworten könne, sie in ein übergeordnetes Amt zu wählen …?! – Zustimmend-skeptische Mienen in der gesamten Runde.

AAAAAHHH, natürlich konnte ich nicht still bleiben. 😉 Sondern musste (so freundlich, wie ich in der Situation eben konnte *g*) doch mal anmerken, dass solche Bedenken in der Rückfragerunde vorher ihren Platz gehabt hätten. Und dass wir dieser erwachsenen Frau (die noch nicht einmal eine Berufsanfängerin war!) wohl selbst zutrauen könnten, so etwas richtig einzuschätzen.
In der Kaffeepause kam dann jemand auf mich zu und fragte mich väterlich-verständnisvoll, ob ich denn eigentlich selbst gerne diesen Posten gehabt hätte, da ich mich ja so engagiert eingebracht hätte … (- Äh – NEIN!?!)
Und übrigens (das ist wirklich wahr!), zwei oder drei Jahre später, das gleiche Gremium, der gleiche Posten musste besetzt werden: Diesmal stand ein „junger Bruder“ zur Wahl, der zufällig im genau gleichen oben genannten Verband XY soeben seine Arbeit aufgenommen hatte (und noch dazu totaler Dienstanfänger war). – Genau! Niemand hatte das Bedürfnis, uns vor seiner Wahl zu warnen …

Ich könnte -zig solcher Geschichten erzählen.
Und besonders viele dieser Trauergeschichten handeln von der krassen Ungleichbehandlung von Müttern und Vätern im hauptamtlichen Dienst.

Der Klassiker: Auf einer (womöglich mehrtägigen) Veranstaltung bekommt mein (gerne schon älteres) männliches Gegenüber mit, dass ich Mutter von kleinen Kindern bin. Und fragt voller Erstaunen (und nicht selten mit echter Besorgnis), wer sich denn jetzt um eben diese Kinder kümmere und wie das denn überhaupt gehe mit meiner Berufstätigkeit …

Damit keine Missverständnisse aufkommen: Ich finde es an sich durchaus eine berechtigte und notwendige Frage, ob bzw. wie sich ambitionierter Dienst im Reich Gottes und eine junge Familie gesund in Einklang bringen lassen. (Und ich hätte zu ihrer Beantwortung einiges beizutragen.)

Aber warum ist das bitte eine Frage, die sich (und der sich!) noch immer fast ausschließlich die jungen MÜTTER stellen müssen??

Meine (vielleicht nicht repräsentativen, aber mitunter sehr alarmierenden) Eindrücke aus Gesprächen mit Ehefrauen von Hauptamtlichen legen jedenfalls nahe, dass ein Umdenken hin zu einer familienfreundlicheren „Kultur der Hauptamtlichkeit“ ALLEN gut tun würde.
Nicht zuletzt natürlich auch der beschämenden Frauenquote in prägenden Positionen der frommen Szene.

Ach ja … 😉
Lassen wir es mal für heute dabei.
Es ist ein weites, komplexes Feld. Und leider häufig ein Schlachtfeld, auf dem man sich nur schwer unverletzt bewegen kann.

Denn natürlich wird dieses Thema schnell persönlich und emotional.
Weil es um „Sachen“ geht, die ich liebe und die mir heilig sind.
Um meine Familie. Um Gott. Um sein Wort und um das Weitertragen dieses Wortes.

Und da möchte ich nicht in ein Alternativ-Denken gezwungen werden!

Putzen oder predigen? (- Okay, wenn ich da die Wahl hätte, fiele sie mir eigentlich gar nicht so schwer … 😉 ) Erziehen oder evangelisieren? „Häuslich“ oder „hauptamtlich“ sein?
Ich wünsche mir ein Sowohl-Als-Auch!
Für Frauen UND Männer. Für Väter UND Mütter.

„Do as I say, don’t do as I do“

In der kleinen Welt deines zweijährigen Kindes ist etwas wirklich schlecht gelaufen. Es guckt ernst, nahezu verzweifelt, und ruft dann lauthals: „SSEISSE!!“

Es sind diese Momente, wo du denkst: „Schei … – äh … – Mist! Ich muss wohl jetzt doch wirklich mal darauf achten, was ich so sage.“ 😉

Klar, es gäbe schon Ausreden: Der Kindergarten. Die Nachbarskinder.
Aber du weißt es ja besser. Natürlich hat dieses Kind das von dir.

Was in Situationen wie dieser noch vergleichsweise harmlos anfängt (ich meine, „scheiße“ sagen ist ja eigentlich gesellschaftsfähig – und wenn die lieben Kleinen das SCH dann auch noch so süß aussprechen … wer könnte da böse sein?! *g*), geht in den nächsten Jahren weiter. Und dann zeigt dieses dein geliebtes Kind plötzlich Eigenschaften, Verhaltensweisen, Reaktionsmuster, die du bei dir selbst ganz furchtbar hasst.
Es ist gruselig, aber an diesem „Kinder-halten-dir-einen-Spiegel-vor“-Spruch ist schon was dran. Und ich würde aus meiner subjektiven Sicht bestätigen: Doch, ja, Kinder lernen wirklich extrem viel durch Nachahmung. Das ist ja auch oft gut, klar. Aber manchmal ist es eben auch eher so mittel … (Um nicht zu sagen: ganz „sseisse“. *g*)

Ich kam drauf, als ich neulich über das Bibellesen nachgedacht habe. Und über eine Klage, die ich seit Jahren (in zunehmendem Maße?!) wahrzunehmen meine: „Die Jugendlichen von heute“, so lautet nämlich die artikulierte Sorge, „lesen nicht mehr Bibel“ / „kennen sich nicht mehr in der Bibel aus“ / „interessieren sich nicht mehr für die Bibel“ / und / so / weiter …

Jetzt könnte man möglicherweise fragen, ob das überhaupt stimmt.
Und man könnte dieser Sorge Hoffnungsbilder entgegensetzen. Zum Beispiel das Bild von 3000 Jugendlichen, die während des WortWechsels beim Christival vor genau einem Jahr still in einer riesigen Messehalle sitzen und – Bibel lesen! Und dann könnte man konstruktiv überlegen, wie sich solche guten Ansätze fortführen lassen im Alltag dieser Teens und jungen Erwachsenen. Das wäre sicher lohnend – und es passiert ja auch schon, dass Leute da gute Ideen (weiter-)entwickeln und ausprobieren.

Aber ich stelle sie jetzt trotzdem, diese unbequeme Frage, die sich nach diesem Einstieg ja schon aufdrängt:
Was ist denn, wenn wir Nicht-mehr-Jugendlichen uns vor allem mal an unsere Nase fassen müssten? Wenn wir zu schnell dabei sind mit den Erklärungs-Ausreden (die Medienüberflutung der jungen Leute, die Leseunlust bzw. -unfähigkeit, …).
Anstatt zu fragen: Wo sind denn die Vorbilder? Wo sind denn die Älteren und Alten, die „noch in der Bibel lesen“ / „sich noch in der Bibel auskennen“ / „sich noch für die Bibel interessieren“ …??
Und die in dieser persönlichen Beschäftigung mit der Bibel nicht nur ihre achteinhalb starren Dogmen in die Texte hineinlesen und sich das bestätigen lassen, was sie schon immer wussten. Sondern die tatsächlich ehrlich sagen würden, dass sie bei der Bibellese Gottesbegegnungen haben. Die auch schwierige Stellen nicht gleich schönerklären (oder übergehen). Die erkennbar frische Gedanken denken. Deren Leben und Reden und Glauben, deren Alltag vom Gelesenen (und dem Geist, den die heilige Schrift atmet!) durchdrungen wird …?!

Puh. Ist wirklich unbequem, die Frage.
Und die Antwort wird vielleicht nicht bequemer …

Deshalb mach ich mal lieber für heute hier Schluss. 😉
Und verlinke euch noch den Video-Beweis: Die Erkenntnis, dass das mit dem „Do as I say, don’t do as I do“ eigentlich gar nicht so toll ist, gab es mindestens schon in den 90ern.
Meine Generation und alle aufwärts könnten es also schon lange wissen. 😉

Lieber nackt als unfair?

Heute vor vier Jahren stürzte in Bangladesh das Rana Plaza ein.
Weit über 1000 Menschen starben, weit über 2000 wurden verletzt. – Die meisten Opfer waren Textilarbeiterinnen, die man an jenem 24. April gezwungen hatte, ihre Arbeit aufzunehmen. Obwohl am Tag zuvor bereits gefährliche Risse in dem achtstöckigen Gebäude festgestellt worden waren.

An diesen furchtbaren, vermeidbaren Unfall erinnert uns heute der Fashion Revolution Day. Initiiert wurde dieser Tag von der Fashion-Revolution-Initiative, die es seit 2014 auch in Deutschland gibt. Mit politischer Arbeit und unterschiedlichen Aktionen bemüht sich diese Organisation um ein stärkeres Bewusstsein für die prekäre Lage in der Textilindustrie. Und um Veränderung.

Wie auch schon in den letzten Jahren gab es den Aufruf, heute in sozialen Netzwerken ein Bild von sich zu posten mit den Klamotten „inside out“. Also so, dass man das (faire?!) Label erkennen kann.
Das ist natürlich eine gute Werbeaktion für Firmen, die sich der fairen und transparenten Produktion verpflichtet haben. Und das finde ich durchaus super! (By the way: Auf dem Foto seht ihr was von dem kleinen, feinen österreichischen Label Göttin des Glücks. Tendiert vielleicht auf der Skala etwas mehr zu „Ü-30-Öko-Tussi“ als zu „Anfang-20-Wanna-be-Hipster“. Aber mir gefallen viele Sachen – ich bin halt auch nicht mehr 21. *g*)

Trotzdem empfinde ich die Aktion auch als zwiespältig. Und deshalb hab ich auch länger überlegt, ob dieser Artikel tatsächlich entstehen wird …

Denn wenn ich mich jetzt hier als diejenige inszeniere, die das Mega-Vorbild ist in Sachen faire Klamotten. Die sich auskennt mit hippen und noch hipperen Fair-Trade-Labels und -Online-Shops und -Real-Life-Läden. Die sich ihre Zeit auf Second-Hand-Kinder-Basaren um die Ohren schlägt. Die sogar extra ein bisschen Nähen gelernt hat, um Sachen reparieren zu können. Und und und …
Dann weiß ich ja nur zu gut, dass das nur ein Teil der Wahrheit ist.

Und deshalb muss ich natürlich auch vom anderen Teil der Wahrheit schreiben.
Davon, dass ich bisher im Zweifelsfall noch immer „unfair“ den Vorzug vor „nackt“ gegeben habe …

Davon, dass mich dieses ganze Thema immer wieder belastet.
Es ist ja schon grundsätzlich so, dass alles, was auch nur entfernt mit Haushalt zu tun hat, weder zu meinen primären Interessen noch zu meinen Primärkompetenzen gehört. 😉
Und die Aufgabe, dass alle fünf Menschen in unserem Haushalt, vor allem diese drei ständig wachsenden Kinder, jeweils zur richtigen Jahreszeit in der richtigen Größe die richtigen Klamotten am Start haben (und dass diese dann auch noch morgens um zwanzig vor sieben sauber und auffindbar sind!) – die erscheint mir sowieso schon nahezu unlösbar. 
Der berechtigte, not-wendige Anspruch, dass dann auch alles, von den Schuhen bis zur Unterwäsche, entweder fair produziert und aus zweiter Hand gekauft (oder geerbt) sein sollte, überfordert mich oft.

Und so gibt es immer noch ab und zu spontane Verzweiflungskäufe von einem Fünferpack Kindersocken oder -unterwäsche, für die ich dann Geschäfte wie H&M oder Ernsting’s family betrete. Und ich komme mir dabei richtig schlecht vor.
Und es gibt sie, die Bestellungen bei einem familienfreundlichen Online-Händler. Der zwar zunehmend auch von Nachhaltigkeit und Fairness redet. Aber damit in erster Linie meint, dass die Kinderklamotten lange halten und dass die Preise für die Kund/innen (!) fair seien.
Und es gibt die Kinderschuh-Kaufaktionen, bei denen wir durchaus nicht zu Billigware greifen. Aber wo ich mich bisher noch gar nicht gründlich damit befasst habe, wie diese Schuhe jeweils hergestellt werden. Die Tatsache allerdings, dass die Hersteller nicht mit einer fairen Produktion werben, deutet ja leider schon ziemlich direkt darauf hin, dass ich es vielleicht auch eigentlich lieber gar nicht so genau wissen will …
Und mir würden durchaus noch andere Beispiele einfallen.

So ist es also. Ich kämpfe mit diesem Thema.
Und mit noch so vielen anderen Bereichen, wo ich weiß (oder wissen könnte), dass mein Lebensstil auf Kosten anderer Menschen geht.

Dieses Ringen lässt sich nicht schön schreiben.
Ein versöhnliches Ende gibt es nicht. Zumindest vorerst nicht.

Aber es gibt doch einen Trost: Dass nämlich dieses Ding mit Ostern auch hier hineinspielt.
Dass die Schuld, für die Jesus gestorben ist, auch meine zahlreichen Verstrickungen in globale Ungerechtigkeiten umfasst.
Dass der Gott, der am Kreuz qualvoll verreckt ist, denen besonders nahe ist, die leiden. Zum Beispiel der Näherin in Bangladesh.
Und dass es für unsere kaputte Welt insgesamt Auferstehungshoffnung gibt: Dass Gott den Himmel und die Erde neu machen wird. Eine Welt ohne Tränen und Geschrei. Voller Liebe und Gerechtigkeit.

Nein, ich will mich nicht drücken vor meiner Verantwortung.
Ja, ich will mit daran arbeiten, dass schon jetzt etwas sichtbar wird von Gottes liebevoller, gerechter Königsherrschaft.
Ja, ich will weiter ringen mit den Fragen und Entscheidung rund um fairen Konsum.

Aber ich kann das nur tun, ohne dabei wahnsinnig zu werden, weil ich gewiss bin: Auch mein Scheitern wird bei Gott liebevoll umfangen.
Weil an Ostern eine Revolution in Gang gekommen ist, die all die (fashion-)revolutionären Bemühungen von uns Menschen umfasst und übersteigt. Und die sie am Ende zu einem guten Ziel führen wird!

Gute Frage zum Emmaus-Ehepaar:

Mein Supermarkt signalisiert mir zwar, dass Ostern jetzt vorbei sei. (Klar, für alle, die die bunten Eier seit Januar regelmäßig gekauft haben, reicht es jetzt vermutlich auch wirklich, was das angeht. *g*)
Aber ich schreib trotzdem heute was zu einer Ostergeschichte. Denn wär ja schlecht, wenn die Auferweckungs-Story schon nach einer knappen Woche nicht mehr aktuell wäre. Und immerhin ist ja auch im Kirchenjahr noch … – ach was, wisster selber, ’ne …! 😉

Ich war ja im März als Evangelistin bei einer JESUSHOUSE-Veranstaltung dabei.
Der Bibeltext für den letzten Abend war Lukas 24,13 ff.
Die Geschichte mit den Emmaus-Jüngern. Beziehungsweise möglicherweise die Geschichte mit dem Emmaus-Jünger und der Emmaus-Jüngerin. 🙂

Es geht mir gleich zwar noch um was anderes, aber dieser kleine Exkurs muss jetzt sein:
Ich musste tatsächlich erst Mitte 30 werden, bis ich im vergangenen Jahr zum ersten Mal überhaupt mit der Möglichkeit in Berührung kam, dass es sich bei den beiden Jesus-Leuten in Lukas 24 vielleicht gar nicht um zwei Männer gehandelt hat. Sondern möglicherweise um einen Mann (dessen Namen wir ja sogar erfahren: Kleopas) und eine Frau.

Und in der Vorbereitung auf den JESUSHOUSE-Abend fand ich es auch nochmal echt spannend, wie selbstverständlich in eigentlich allen Kommentaren, die ich wahrgenommen habe, von zwei Männern ausgegangen wird.

Dabei ist das sprachlich überhaupt nicht zwingend: In V. 13 gehen „zwei von ihnen“ nach Emmaus. „Ihnen“, das wird im Abschnitt vorher ganz deutlich, ist eine größere Gruppe von Jüngern und ausdrücklich auch Jüngerinnen.

Auch rein sachlich wäre es doch sehr gut möglich, an ein Paar zu denken. (Zumindest jene Herren Ausleger, die als zweiten Jünger den Sohn des Kleopas in den Text hineinspekulieren, könnten doch auch dieser Variante wenigstens etwas Raum geben. *g*) Denn das wäre doch durchaus schlüssig, dass Kleopas mit seiner Frau gemeinsam Jesus nachgefolgt war – und sich jetzt gemeinsam mit ihr enttäuscht und desillusioniert auf den Heimweg macht. Zumal, darüber bin ich kürzlich nochmal gestolpert, im Johannesevangelium eine der Marias unterm Kreuz die „Frau des Klopas“ ist und ich in dem Zusammenhang die Vermutung gelesen habe, das könne gut die Frau des Emmaus-Jüngers Kleopas sein …

Wie auch immer. 🙂
Ich stelle mir jetzt jedenfalls bis auf weiteres ein (Ehe-)Paar vor, von dem wir da am Ende des Lukasevangeliums lesen.

Aber zurück zu JESUSHOUSE.
Die Mitarbeitenden an „meinem“ Ort hatten sich für eine Jugendwoche im Dialog-Format entschieden. Das heißt, dass wir nach einer kurzen „Hinführung“ von mir den Bibeltext gemeinsam gelesen haben. Und zwar nach der (für solche Zwecke total guten!) BasisBibel-Übersetzung, die die Leute als handliche Lukas-und-Apostelgeschichte-Ausgabe vor sich hatten. Die Besucher/innen bekamen dann noch etwas Zeit zum eigenen Lesen und haben danach in Dreiergruppen eine Frage oder eine Statement aufgeschrieben. Und diese Fragen und Statements wurden anschließend vom Moderationsteam in den eigentlichen Verkündigungsteil eingebracht.

Das Herzstück der Verkündigung war also dann dieses Gespräch zwischen mir und den Moderatoren. Und by the way: Ich finde diesen Verkündigungsansatz so dermaßen verheißungsvoll, dass ich kaum noch Lust hab, „klassisch“ zu predigen … 🙂

Natürlich habe ich mich im Vorfeld so gut ich konnte auf die Texte vorbereitet und mir (zum Teil ziemlich konkret) überlegt, wie ich auf diese oder jene potenzielle Frage reagieren könnte. Aber bei aller Vorbereitung: Es sind immer Fragen und Gedanken dabei gewesen, mit denen ich nicht gerechnet hatte, ja, auf die ich selbst überhaupt nicht gekommen wäre.

Am Emmaus-Abend lautete eine solche unerwartete Frage sinngemäß:

„Warum hat sich Jesus den beiden nicht sofort zu erkennen gegeben? Warum hat er sie noch länger als nötig in ihrer Trauer und Verzweiflung gelassen?“

Eine richtig gute – und doch auch eigentlich durchaus nahe liegende – Frage, oder?
Ja, warum hat Jesus nicht einfach gesagt: „Hey ihr zwei, ich bin’s! Spart euch den Weg nach Emmaus, ihr könnt gleich umkehren!“

Was hättet ihr spontan geantwortet??

Ich habe an diesem Freitag (wie übrigens zuvor schon öfter während der JESUSHOUSE-Woche *g*) zuallererst gesagt:

„Weiß ich auch nicht!“ 😉

Denn ich finde es zunehmend schwierig und mitunter sogar echt anmaßend, wenn Menschen meinen, die Gründe hinter Gottes Handeln verstehen und erklären zu können.

Aber auch, wenn ich zurückhaltend sein will, mir aus dieser (und anderen) Geschichte(n) ein System über Gottes Motive zusammenzuschustern – es ist ja trotzdem möglich, dieser Frage etwas weiter nachzuspüren.
Und mich dadurch mitten in diesem Emmaus-Geschehen wiederzufinden.

(Wo) Habe ich das denn zum Beispiel schonmal selbst erlebt? Da bin ich einen richtig schweren Weg gegangen – und hab erst im Nachhinein gemerkt, dass Jesus ja lange schon mitgegangen war?!
Wie war das denn da? Warum wohl habe ich Jesus nicht eher erkannt? Lag es an ihm? Oder lag es „an meinen Augen“ (V. 16)?

Oder: Könnte es sein, dass es manchmal eine notwendige (oder zumindest hilfreiche) Voraussetzung für eine Jesus-Begegnung ist, die eigenen Fragen und Zweifel und Enttäuschungen nicht wegzuwischen? Sondern sie in einem Gespräch „hin- und herzuwälzen“ (V.15)?!
Und vielleicht passiert es ja gerade im Gespräch mit einem Fremden, dass Dinge klar(er) werden und Denkblockaden langsam bröckeln …?!

Besonders schön finde ich, auf die Situation zu schauen, in der das Emmaus-Paar Jesus schließlich erkennt.
Es ist, nachdem sie Jesus in ihr Haus eingeladen
(oder besser: genötigt) haben.
Es ist, als sie mit dem scheinbar fremden Wanderer gemeinsam essen.
(Und damit eine engere Gemeinschaft ausdrücken, als wir heute mit gemeinsamem Essen verbinden.)
Es ist in dem Moment, als Jesus ihnen das Brot reicht …

Bei JESUSHOUSE haben wir die jugendlichen Besucher/innen eingeladen zu dieser engen (Tisch-)Gemeinschaft mit Jesus.

Darauf hoffe ich.
Für alle meine nachösterlichen (oder müsste es nicht eher heißen österlichen?!) Wege:

Dass Jesus mitgeht. Auch, wenn ich ihn nicht erkenne.
Und dass er nicht verzweifelt, wenn ich mal wieder „in meinem Herzen langsam bin“ (V. 25), das zu glauben, was ich eigentlich wissen könnte.
Sondern dass er ein neues Feuer in meinem Herzen entfacht (V. 32).

Und vor allem:
Dass er zum Essen bleibt.
Und sich erkennen lässt.
Und mich in Bewegung setzt.
Auch dann, wenn (und auch dort, wo) ich ihn mit meinen Augen nicht sehe.

Ich gebe auf, diese Geschichte zu verstehen.

Es ist Karfreitag und ich gebe auf, diese Geschichte zu verstehen.

In den letzten Tagen habe ich viel gedacht und gelesen und gehört.
Über das Kreuz. Und darüber, wie Menschen es verstehen und verstanden (oder gerade nicht verstanden?!).

Ein christusgläubiger Jude vor fast 2000 Jahren.
Ein mittelalterlicher Mönch vor über 900 Jahren.
Feministische Theologinnen vor 30 Jahren.
Und so viele andere.

Und da sitze ich nun. Und habe viele, viele Fragen.
Wer da eigentlich stirbt. Und warum und wozu! Und wie(so) genau sich das heute auswirkt. (Um nur einige zu nennen …)
Da sind Fragen dabei, von denen ich ahne, dass ich in diesem Leben zu keiner befriedigenden Antwort kommen werde. (Und andere, von denen ich das sogar ziemlich sicher weiß. *g*)
Und daneben gibt es durchaus auch die, wo ich noch realistischen Raum sehe für Erkenntnis- und Verständnisgewinn.
– Aber nicht mehr heute.

Denn heute ist Karfreitag und ich gebe auf, diese Geschichte zu verstehen.

Was ich statt dessen tun will: Hinsehen.
Auch wenn es ein furchtbares, ein grausames Bild ist.
Auch wenn Wegschauen schöner wäre. Und so viel einfacher.
Ich werde sie anschauen, diese „Ikone des Albtraums“, wie Peter Aschoff kürzlich in einem starken Artikel auf seinem Blog formulierte. Er schreibt weiter:

„Was hast du dir dabei gedacht, Gott, als du dieses Bild von dir veröffentlicht hast? Damit ist kein Staat zu machen. Dafür bekommt man keine „Likes“. Kein Wunder, dass die Leute dir in Scharen davonlaufen.“

Ich will versuchen, nicht davonzulaufen.
Ich möchte hinschauen.

Und was ich noch tun will: Hinhören.

Zum Beispiel auf die Sätze, die uns Lukas aus der Kreuzigungsszene überliefert.

Ich möchte Jesus hören. Immer wieder. Diese unglaublichen Worte:

„Vater, vergib ihnen. Denn sie wissen nicht, was sie tun.“

Damit im Ohr kann ich vielleicht ertragen, was danach kommt.
Und sogar hinhören auf die ungeheuerlichen Worte der frommen (!) Elite.
Wie sie den elend Sterbenden verspotten. Wie ihre Rechtgläubigkeit sie kalt macht gegenüber dem unschuldigen Leiden.

Und ich möchte hören auf den zweiten Verbrecher am Kreuz.  Der in dem gefolterten Mann neben ihm einen König erkennt. Den König. Und der seine letzte Hoffnung auf ihn setzt:

„Jesus, denke an mich, wenn du in dein Reich kommst.“

—————–

Hinsehen und hinhören, ja.
Das werde ich versuchen.
Wo das Denken an seinen Grenzen ist, meine Augen und meine Ohren ranlassen.
Und mein Herz! – Denn wie könnte ich da unbeteiligt bleiben?

Sehen und Hören.
Erschrecken.
Mich abstoßen – und mich faszinieren – lassen.
Mich wiederfinden in diesem Geschehen.
Mich finden lassen.

Etwas spüren von dem großen Geheimnis.
Etwas ahnen von der Kraft, die hier wirkt.

„Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein!“

Das Leben stirbt.
Und dadurch der Tod.

Ich gebe auf, diese Geschichte zu verstehen.
Es ist Karfreitag.
Heute noch …

LesenBetenLiebenWagen … mit Johannes Bartels

Johannes Bartels // 48 Jahre alt // lebt mit zwei Kindern in Pirna // Evangelist bzw. Referent für Jugendevangelisation in Sachsen // passionierter Lakritz-Konsument und Black-Stories-Grübler und -Autor // www.evjusa.de

LESEN:

Kabarettisten lesen den Subtext – und sprechen ihn aus. Diesen Satz schnappte ich vor kurzem im Fernsehen auf. Dort hieß es auch, dass das Geschäft der Kabarettisten in Zeiten des Populismus schwierig geworden sei, da die Populisten sich gar keine Mühe mehr machen würden, den Subtext zu verbergen. Sie sprechen ihn gleich selbst aus – aus Dummheit oder Dreistigkeit oder einer Mischung aus beidem.

Den Subtext lesen, zwischen den Zeilen lesen – eine hohe Kunst, nicht nur für Kabarettisten, sondern auch für Seelsorger und gute Freunde. Hoffentlich mit angenehmeren Gesprächspartnern als den Populisten!

BETEN:

Wer singt, betet doppelt, so hört man manchmal. Gefällt mir. Singen ist eine Form des Betens, mit der ich etwas anfangen kann. Und manchmal bekomme ich eine Gänsehaut, wenn ich spüre, dass jemand tatsächlich in diesem Sinne singt – als Gebet und mit Leidenschaft.

Übrigens gibt es noch viele andere Formen des Betens. „Es gibt mehr Möglichkeiten, als du denkst!“ (Klaus Douglass)

LIEBEN:

Lieben macht das Leben spannend. Das Böse mag anfangs für einen gewissen Nervenkitzel sorgen, doch irgendwann wird es langweilig. Einfach weil man da letztlich immer bei sich bleibt. Die Liebe dagegen ruft zum Aufbruch, sie bringt uns dazu, über den eigenen Schatten zu springen – hinüber zum Du. Liebe führt zur Begegnung – und sorgt damit oft genug für Überraschungen. Wer liebt, wächst über sich hinaus.

WAGEN:

Wer wagt, gewinnt. Wer immer nur den sicheren Weg geht, hat gute Chancen, unbeschadet durchzukommen – doch er wird auch nicht viel gewinnen. Wer wagt, riskiert zwar zu scheitern. Doch Scheitern gehört zum Leben dazu. Die Herausforderung besteht nicht darin, das Scheitern zu vermeiden, sondern „gekonnt zu scheitern“.

Und noch etwas: Wer scheitert, kann Gnade empfangen. Auch das gehört zum Leben dazu. Wer nie am eigenen Leibe erfahren hat, dass er auf Gnade angewiesen ist, wird vermutlich auch keine Gnade erfahren. Der ist zu bedauern!

______________

In der Serie LesenBetenLieben sind Menschen zu Gast, die ich gerne mag. Und sie teilen ihre Gedanken und/oder Erfahrungen in Sachen readpraylove mit uns. DANKE Johannes, dass du so spontan mitgemacht hast! 🙂

LesenBetenLieben #4 – Freitag!

Am Freitag gibt’s mal wieder eine Folge LesenBetenLieben mit einem tollen Gast: Johannes Bartels.

Johannes ist Jugendevangelist und (wie ich jetzt erst herausgefunden habe *g*) promovierter Theologe. Wir kennen uns von den Foren der AGJE (Arbeitsgemeinschaft Jugendevangelisation) und in diesem Zusammenhang hat sich eine schöne Blues-Brothers-Tradition entwickelt. 🙂 (Ich meine, hey?! Wer will durch die Kneipen Berlins ziehen, wenn man den Samstagabend in der Hauptstadt auch mit Jake & Elwood verbringen kann – und mit zwei netten Sachsen, die die eigene, nicht unbedingt alltägliche, Filmleidenschaft teilen?! *g*)

Auf die gute Idee, Johannes für LesenBetenLieben anzufragen, bin ich vorletzte Woche gekommen. Als ich nämlich hier auf ein immens spannendes „Schreibgespräch“ zum Thema Mission gestoßen bin, bei dem er mitgeredet (bzw. -geschrieben) hat. Ich leg euch sehr ans Herz, die klugen und anregenden Gedanken der vier Gesprächspartner/innen einmal in Ruhe zu lesen.

Die Seite des „Forums für Gemeinschaft und Theologie“ lohnt übrigens auch sonst mal einen Besuch. Zum Beispiel um die super Idee der „Tischgemeinschaften“ zu kopieren: frei-und-fromm.de.
(Nicht zu verwechseln mit frommundfrei.net – was aber für theologisch interessierte und etwas verrückte Freunde und Freundinnen des gepflegten Podcasts auch ein echter Linktipp ist.)

Na dann: Die Woche über habt ihr jetzt genug zum Lesen und Hören.
Und Freitag kommt ihr dann unbedingt wieder hier vorbei.
Es lohnt sich! 🙂

Auf’n Kaffee mit Judit und Susanna

Vor einer Woche war ich beim Regionaltreffen der Johanneumsgemeinschaft in Ostwestfalen. Thematisch haben wir uns mit Bibelübersetzungen beschäftigt, insbesondere mit der neuen Luther-Revision.
Ich hab das zum Anlass genommen, jetzt doch auch mal eine aktuelle Luther-Ausgabe anzuschaffen. Und als ich so im Buchladen vor dem Regal stand, da dachte ich mir: „Ach, wieso eigentlich nicht mal eine mit Apokryphen?!“

Gedacht, gekauft. Und – wie spannend ist das denn?! 🙂
Jetzt hab ich doch tatsächlich eine Bibel, in der es eine Reihe von Büchern gibt, von denen ich mal sowas von überhaupt keinen blassen Schimmer habe.
Gut, die beiden Makkabäer-Bücher habe ich während meines Geschichtsstudiums in einem Proseminar zum Thema „Juden“ mal wahrgenommen. Aber das ist ages ago …
Und sonst so? „Jesus Sirach“, „Weisheit Salomos“, „Judit“, „Baruch“, „Tobit“?! Schonmal gehört, ja. Hier und da eine vage Idee, vielleicht … 😉 Aber was da tatsächlich drinsteht?! Keine Ahnung. (Von den drei weiteren apokryphen Büchern, die in der Lutherbibel abgedruckt sind, mal ganz zu schweigen …)

Und dabei sagt immerhin Luther über die Apokryphen:

Das sind Bücher, so der Heiligen Schrift nicht gleich gehalten und doch nützlich und gut zu lesen sind.

Also, jedenfalls hab ich vorhin einfach mal ein bisschen gelesen.
Und ich fand es extrem spannend! 🙂

Im Durchblättern des Buches Sirach war ich ständig hin- und hergerissen zwischen Zustimmung und Widerspruch. Da gibt es einiges, was ich mir gerahmt über’s Sofa hängen würde. Und anderes würde ich am liebsten aus meiner schönen neuen Bibel reißen.

Beim Buch Judit dann ist mir das Querlesen nur zur Hälfte gelungen. Denn nachdem diese außergewöhnliche Frau in Kapitel 8 eingeführt wurde, war ich von der Story so gefesselt, dass ich den ganzen Rest bis Kapitel 16 in einem Rutsch weggelesen habe.

Sehr spannend auch das erste Kapitel von den „Stücken zu Daniel“, einem Zusatz zum Anfang des Daniel-Buches. Dort lernen wir eine weitere Frau kennen, deren Schönheit und Frömmigkeit ihresgleichen sucht: Susanna. Und es entspinnt sich eine Geschichte über Sex & Crime und männlichen Machtmissbrauch, die man fast eins zu eins in eine heutige Soap übertragen könnte …

Nun ja – in den nächsten Wochen werde ich mich dann wieder vorrangig mit den kanonischen Schriften der hebräischen Bibel beschäftigen. Damit die AT-Prüfung am Ende des Sommersemesters für alle Beteiligten erfreulich wird. 😉

Aber so viel steht jedenfalls fest: Ich freu mich schon drauf, mir die apokryphen Bücher (auch die neutestamentlichen übrigens) irgendwann näher zu Gemüte zu führen.
Und dann möchte ich auch unbedingt nochmal die Prozesse der Kanonisierung näher nachvollziehen. Und den damit verbundenen bibelhermeneutischen (An-)Fragen Raum geben.

Aber, wie gesagt, alles zu seiner Zeit.
Jetzt trinke ich erstmal noch einen Kaffee.
Hm, vielleicht ja dieses Mal mit Ester …?! 😉

Die zwei Seiten des Evangelisationsveranstaltungs-Pferdes

Letzte Woche war ich als Evangelistin bei einer JESUSHOUSE-Woche im Oberbergischen dabei. Und ich bin am Samstag sehr dankbar und beschenkt nach Hause gefahren.

Zum einen lag das an dem tollen Team vor Ort – es war ein Privileg, da dabei sein zu dürfen.
Die Mitarbeitenden kamen aus verschiedenen Gemeinden (Landeskirche und Baptisten) und aus dem CVJM und es war eine super Mischung aus „alten Hasen“ und jungen Leuten. Wenn ihr mal staunen wollt über das, was die Crews dort z. B. in Sachen Technik, Drama, Bistro und Deko (und in noch vielen weiteren Bereichen!) auf die Beine gestellt haben, dann kriegt ihr einen schönen Eindruck durch die Fotos auf der Homepage. Oder schaut euch mal das Erklärungsvideo für die grandiose „Tut er’s oder tut sie’s nicht“-Aktion an. 😉

Tut er´s oder tut sie´s nicht?

Kennt Ihr schon unsere #JESUSHOUSE #Challenge "Tut er´s oder tut sie´s nicht?" ?? Schaut Euch mal das Video an und Ihr erfahrt wie es geht :-)#jesushouse2017 #jesushouseoberberg #jesuslounge

Posted by JesusHouse Oberberg on Donnerstag, 16. März 2017

 

Worum es mir jetzt aber vor allem geht, das ist ein anderer Grund, warum ich so froh und dankbar auf die Woche zurückblicke. Dieser Grund lässt sich nicht ganz so schnell beschreiben (und vor allem nicht so schön visualisieren *g*) – aber ich versuch’s mal.

Es ist nämlich so (jetzt kann ich’s ja sagen *g*), dass ich schon einige Jahre bei keiner dezidiert evangelistischen Veranstaltung mehr gepredigt habe. Das war gar nicht mal Absicht. Ich habe generell nur wenige Verkündigungsdienste wahrgenommen und es hat sich einfach nicht ergeben.

Und nun hat sich aber ja während dieser längeren Zeit der Evangelisationsveranstaltungs-Abstinenz so einiges getan in meinem Glauben. Und in meinem Zweifeln.
Zum Beispiel habe ich mich weiter entfremdet (oder ich wurde entfremdet?!) von so mancher evangelikalen Mainstream-Meinung. Ich habe in einigen dogmatischen oder ethischen Fragen „den einen klaren Standpunkt“ (sofern ich den überhaupt jemals hatte) verlassen und empfinde mich dort heute als „unterwegs“. (An mancher Stelle werde ich sicherlich auch niemals mehr zu der gleichen „Klarheit“ (oder Starrheit?!) kommen wie früher.)
Ähnliche Entfremdungs-Erfahrungen mache ich auch an vielen Stellen der „frommen Kultur“. So ist zum Beispiel mein Zugang zu den meisten Worship-Liedern … äh, ich sag mal schwierig. Und auch sonst reagiere ich auf manches allergisch, was so gesagt und geschrieben und getan wird bei uns Jesus-Leuten.

Mitunter reagiere ich sicherlich sogar allergischer als angemessen. For reasons, natürlich! – Das sind dann Bereiche, in denen ich selbst schlechte Erfahrungen gemacht habe. Oder wo ich von anderen weiß, dass sie durch den Glauben oder durch die Gemeinschaft mit Christen – bzw. vielmehr durch das, was ihnen dafür verkauft wurde! – nicht nur nicht heil geworden sind und frei. Sondern im Gegenteil: krank, abhängig, ängstlich, klein! Und klar, ich möchte mich von den Worst-Practice-Beispielen abgrenzen.

Aber die Gefahr besteht natürlich, hier und da auch mal ein Kind mit dem Bade auszuschütten. Oder, wo wir schonmal bei mittelmäßigen Metaphern sind – dann auf der anderen Seite vom Pferd zu fallen.
Interessanterweise haben sich letzte Woche gleich mehrere Gespräche mit Leuten aus dem Team ergeben, in denen um diesen Punkt ging: Wo stehen wir in der Gefahr, dass wir „der nächsten Generation“ etwas vorenthalten, was aber gut wäre?

Diese Überlegungen finde ich sehr spannend und extrem wichtig. Denn natürlich ist es gut, wenn wir den Jugendlichen unsere eigenen destruktiven Erfahrungen ersparen möchten. – Aber es ist doch wohl trotzdem so, dass der Missbrauch den guten Gebrauch nicht in jedem Fall aufheben muss und sollte.

Nun ja, und um mal wieder zum Thema zu kommen – keine Ahnung, ob ihr mir gerade folgen könnt, für mich ergibt das jedenfalls Sinn *g*: Mein Eindruck ist, dass sich viele Leute in einem solchen Zwiespalt befinden, wenn es um Evangelisationsveranstaltungen geht. Da gibt es negative oder zumindest sehr durchwachsene Erfahrungen und – Gott sei Dank! – ein wachsendes Bewusstsein dafür, dass in einer solchen Veranstaltung Potenzial für Manipulation vorhanden ist. (Hört dazu doch mal (wieder) den legendären und immer noch sehr lohnenden ersten Hossa Talk mit Torsten Hebel).

Auch ich selbst kenne Vorbehalte gegenüber evangelistischen (Groß-)Veranstaltungen durchaus nicht nur von anderen.  Sondern ich habe genug eigenes Negativ-Erleben, um Skeptiker/innen gut verstehen zu können.

Und trotzdem hab ich mit Überzeugung zugesagt, bei dieser JESUSHOUSE-Woche dabei zu sein. Denn bei allem, was ich heute kritisch sehe, ist das eine ja geblieben oder sogar gewachsen: Jesus begeistert und bewegt mich. Und diese heilsbringende Erfahrung wünsche ich allen!

Aber ich war schon sehr gespannt:
(Wie) Geht das, weder auf der „Turn-or-Burn“-Seite vom Pferd zu fallen noch auf der „Ist-eigentlich-auch-egal,-ob-du-glaubst“-Seite.
(Wie) Kann es in diesem Veranstaltungs-Setting gelingen, die lebens- und weltverändernde Hoffnungsbotschaft von Jesus zu verkünden und dabei Menschen konkret einzuladen, ihr Vertrauen auf Gott zu setzen – OHNE manipulativ oder gar übergriffig zu werden?

Und nach der Woche sage ich: Ja, ich glaube, es geht! 🙂 Und das freut mich total! 🙂

Die Frage danach, WIE das geht, sprengt jetzt hier den Rahmen, aber es ist sicherlich lohnend, darüber weiter nachzudenken. Und ja, diese Sache ist es wohl sogar wert, darum zu streiten.
Dabei wird es zum einen um methodische Fragen gehen müssen.

Ich persönlich empfinde zum Beispiel das dialogische Veranstaltungsformat, das für JESUSHOUSE (weiter)entwickelt wurde, als eine sehr verheißungsvolle Spur, weil es im guten Fall einen Raum für ehrliche Auseinandersetzung und echtes Gespräch eröffnet.
Noch entscheidender sind aber wohl die theologischen Grundlagen.
Was ist meine Motivation für eine evangelistische Predigt? Will ich etwas Bestimmtes erzwingen oder vertraue ich auf Gottes Wirken? Sehe ich Glaube (und eine wie auch immer definierte „Bekehrung“) als eine Leistung des Menschen oder als ein Geschenk von Gott selbst? Treibt mich Angst oder werde ich von der Liebe getragen?

Ach, ich merke schon, es bleibt spannend … 😉

Jetzt freu ich mich aber erstmal über die ermutigende Erfahrung der letzten Woche! Bin dankbar, dass ich mich nicht verbiegen musste. Sondern dass es sich echt und redlich und richtig angefühlt hat.

Ich kann schwärmen von Jesus! Ich kann davon reden, wie er die Welt und wie er Menschen neu macht. Und ich kann Leute konkret einladen, bei dieser Reich-Gottes-Revolution dabei zu sein!

Und ja, das möchte ich gerne weiterhin tun. 🙂

 

Beitragsbild: Katharina Hein