Erntedankfest!

Und Jesus sagte:

»Mit dem Reich Gottes ist es wie bei einem Bauern:
Er streut die Körner auf das Land,
dann legt er sich schlafen

und steht wieder auf – tagaus, tagein.
Und die Saat geht auf
und wächst –
der Bauer weiß nicht wie.
Ganz von selbst bringt die Erde die Frucht hervor.

Zuerst den Halm,
dann die Ähre,
zuletzt den reifen Weizen in der Ähre.
Wenn die Frucht reif ist,

schickt er sofort die Erntearbeiter los,
denn die Erntezeit ist da.«

Markus 4, 26-29 (BasisBibel)

„Ich bin sicher, du hattest gute Gründe …“

Am letzten Wochenende waren wir als Familie zu Gast beim Konvent einer geistlichen Gemeinschaft, mit der wir eng verbunden sind.
Neben den vielen guten Begegnungen mit den Geschwistern klingt bei mir das „inhaltliche Programm“ noch stark nach.

Ein Schwerpunkt des Wochenendes waren Einheiten zum Thema Gewaltfreie Kommunikation (GFK). Dabei stand unter anderem die Überlegung im Raum, was uns die GFK im Blick auf einen guten Umgang mit Konflikten zeigen kann. Obwohl ich leider nicht die ganze Zeit dabei sein konnte, war das für mich sehr bereichernd und hat manche Nachdenkprozesse in Gang gesetzt. Ich habe mir als Grundlage die vier Schritte der GFK gemerkt: (1.) Wertfreies Beobachten, dann die Aufmerksamkeit für (2.) die ausgelösten (bzw. auslösenden) Gefühle und (3.) die dahinter stehenden Bedürfnisse und schließlich (4.) die Bitte um konkrete Lösungsschritte.
Wenn ihr euch näher für die Thematik interessiert, dann stöbert mal bei Gewaltfreie Kommunikation: Niederkaufungen; von dort kam unsere (beeindruckende) externe Referentin Simone Thalheim. (Übrigens auch sehr spannend: Die Frau gehört seit vielen Jahren zur Kommune Niederkaufungen, einer alternativen „intentionalen Gemeinschaft“ in Nordhessen.)

Aus den thematischen Einheiten geht mir vor allem ein Satz nach, den ich gerne mit euch teilen möchte. Wir hatten die Aufgabe, ein für uns wenig rühmliches Ereignis aus unserer Kindheit aufzuschreiben und dann in Zweier-Gruppen darüber zu reden.
Für das Gespräch gab es vorgegebene Einstiegssätze. Es fing an mit dem konkreten Bezug auf das gelesene Ereignis und dann kam die Aussage: „Ich bin sicher, du hattest gute Gründe dafür und ich interessiere mich für diese Gründe.“

Ich bin sicher, du hattest gute Gründe dafür.

Dieser Satz hat sich in Nullkommanichts zu einem im Alltag ständig angewendeten, dezent ironischen Augenzwinker-Insider-Satz zwischen Gunnar und mir entwickelt. 😉
Aber natürlich geht er mir nicht nur deshalb nach. Sondern ich glaube, dass in diesen Worten (oder vielmehr in der Einstellung hinter den Worten) echtes Revolutions-Potenzial liegt.

Wie wäre das, bei Konflikten erstmal davon auszugehen, dass mein Gegenüber Gründe hatte, warum er oder sie bestimmte Dinge getan oder gesagt hat? Anstatt – ja, anstatt was eigentlich? Anstatt zu vermuten, dass pure Bosheit und/oder reine Dummheit dahinter stecken?!
Ja, wie wäre das? Das wäre natürlich großartig! Es würde Räume eröffnen für Gespräch und für echte Begegnung. Es könnte Wege ebnen für Konfliktlösungen. Und vielleicht würde plötzlich sogar (wieder) eine gemeinsam gestaltete Zukunft denk- und lebbar …

Als ich gestern morgen meine Tochter in den Kindergarten gebracht habe, hat gerade ein Junge den schönen, riesengroßen Bauklotzturm eines anderen Jungen einfach so kaputt getreten. Dass die Erzieherin den jungen Mann dann direkt mal dazu verdonnert hat, den Turm wieder aufzubauen und nicht gesagt hat: „Ach XY, du hattest bestimmt gute Gründe dafür, erzähl mal“, fand ich zwar durchaus eine angemessene Reaktion. 😉
Aber ja: Bestimmt gab es Gründe, warum dieser Dreijährige mit voller Wucht gegen den Turm getreten hat. Und um die herauszufinden, müssten wir ihn vermutlich wirklich fragen. Vielleicht war er traurig, weil die Erzieherin mit eben dem anderen Jungen dieses Kunstwerk erbaut hat und nicht mit ihm. Und er hätte das Bedürfnis, selbst mehr liebevolle Zuwendung zu bekommen. Vielleicht war er auch einfach bis oben geladen mit Energie und Bewegungsdrang und hat diese Power, ohne groß nachzudenken, am erstbesten Objekt ausgetobt.
So oder so können wir wohl festhalten: Es war nicht der große dämonische Funke in diesem dreijährigen Jungen, der einfach mal das Böse in der Welt ein bisschen ausbreiten wollte. Oder, mit den Worten einer ehemaligen Kollegin ausgedrückt: Kinder, die „Probleme machen“, haben in der Regel Probleme.

Jetzt könnt ihr sagen: „Das ist doch alles weit hergeholtes pädagogisches Psycho-Geschwafel.“
Nur: Ich denke, das ist es nicht. Sondern diese Einstellung, die das Gute im anderen sucht, die von gemeinsamen Grundbedürfnissen ausgeht und erstmal verstehen möchte, die hat das Potenzial, alles zu verändern.

Stellt euch nur mal vor in der Gemeinde: Da ist (jetzt mal als Beispiel) dieser eine Mann, der eure (längst überfälligen!) neuen Ideen für die Gottesdienstgestaltung wieder und wieder blockiert. Was, wenn ihr ihn nicht mehr in erster Linie als ignorantes, reaktionäres Arschloch seht, dem es Spaß macht, euch fertig zu machen?! Sondern dieser Einstellung Raum gebt: „Es wird wohl gute Gründe für seine Ablehnung geben.“
Vielleicht hat er beispielsweise Angst, mit diesem ganzen neumodischen Kram würden wir dem Herrn Jesus untreu. Wie gut wäre es dann, wenn dieser Hintergrund ans Licht käme. Dann könntet ihr nämlich von eurer Sorge erzählen. Dass wir vielleicht gerade mit den alten, aus eurer Sicht häufig unverständlichen Formen an dem vorbeileben könnten, zu dem Jesus uns ruft. Und plötzlich gibt es die Chance zu entdecken, dass ihr etwas ganz Ähnliches wollt, vielleicht sogar das Gleiche.

Und stellt euch nur mal vor in unserer Gesellschaft: Was wäre, wenn wir uns ernsthaft um Gespräche bemühen würden mit den vielen Menschen, die mit der AfD sympathisieren. Oder die sogar schon bei den letzten Wahlen ihr AfD-Kreuz gemacht haben.
Dann würden wir vielleicht merken: „Ach?! Es ist gar nicht euer Ziel, dass möglichst viele Flüchtlinge im Mittelmeer ertrinken? Ach so, es liegt euch gar nicht primär daran, in unserem Land ein Klima von Hass und Gewalt zu schüren? Was also sonst sind eure Gründe? Denn es gibt ja wohl gute, oder doch zumindest nachvollziehbare Gründe? Welche Gefühle und welche Bedürfnisse bewegen euch?“

Wie klingt das für euch??
Wie ich die Stimmung in den sozialen Netzwerken und in meinen realen Bezügen erlebe, ist eine solche Herangehensweise kaum vorstellbar.
Da höre/lese/sehe ich eher: „Irgendwo muss das Gutmenschen-Verständnis doch auch aufhören. Und zwar allerspätestens bei der AfD. Eigentlich schon bei Horst Seehofer, wenn man sich denn die Mühe machen will, da zu differenzieren. Diesen Leuten ist nicht mehr zu helfen. Und überhaupt, als im letzten Jahr plötzlich alle anfingen mit Man-muss-die-Ängste-der-Menschen-ernst-nehmen, hab ich irgendwann echt zu viel gekriegt!“

Tja. Ich kann solches Reden nachvollziehen.
– Aber wisst ihr was? Es bleibt ja natürlich trotzdem wahr: Wir müssen Ängste sehr ernst nehmen. Bei anderen und bei uns. Und auch die übrigen negativen Gefühle, die uns in Konflikte treiben. Wut zum Beispiel. Hilflosigkeit. Müdigkeit. Minderwertigkeit. Überforderung. Und und und.
Es ist hilfreich, sie wahrzunehmen und anzusehen. Zunächst mal ohne Wertung und ohne Verurteilung. Anschauen und gucken, was dahinter steckt.

Ja, ich denke, wir kommen nicht drum herum: Dort, wo Menschen zusammenleben, müssen wir darum ringen uns zu verstehen.
Es ist nötig, das Gute im anderen entdecken zu wollen. Es ist nötig, nach den gesunden Bedürfnissen auch hinter den (aus unserer Sicht) abstrusesten Worten und Taten zu suchen. Es ist nötig, viel, viel mehr zu investieren, um zu verbinden anstatt auszugrenzen.

Beim Emergent Forum fiel ein Satz, der mir in letzter Zeit schon häufiger begegnet ist und der mich sehr bewegt. (Ich weiß die Quelle leider nicht und bin euch dankbar für Hinweise.)

Whenever we draw a line between us and others,
Jesus is on the other side.

Wow!
Ich befürchte, dass das stimmt.
Also: Wollen wir nicht gemeinsam versuchen, Brücken zu bauen anstatt Grenzen zu ziehen?!

„Aber was, wenn in mir nur Entsetzen ist und Ekel und gerechter Zorn oder sogar tiefer Hass? Was, wenn der Satz Ich-bin-mir-sicher-du-hattest-gute-Gründe sich anfühlt (und sich dann zwangsläufig auch so anhören würde) wie bitterster Sarkasmus??“

Ich habe in solchen Situationen krasse Erfahrungen gemacht mit Beten.
Ich habe erlebt, wie dieses alles durchdringende „Ich-könnte-dich-umbringen“-Gefühl plötzlich die Macht verloren hat und wie Gott mir Kraft für einen friedliche(re)n Weg gegeben hat.
Wäre es nicht gut, in diese Richtung weiterzudenken und weiterzubeten und weiterzuleben?!

Denn wir brauchen doch unbedingt FriedensstifterInnen!
In unserer Gesellschaft so dringend wie schon lange nicht mehr. In unseren Gemeinden so dringend wie eh und je.
Und natürlich auch in unseren Familien und an unseren Arbeitsplätzen, auf den Schulhöfen, in den Straßenbahnen, im Kreistag, auf dem Fußballplatz, in der Flüchtlings-Unterkunft und – beim Bauklotzkonflikt in der Kita.

Büchersendung :-)

Wie cool ist das denn bitte?!

Kaum hab ich hier geschrieben, dass ich das Josuttis-Buch gerne hätte … schon steckt da heute so ein Umschlag in der Post.

– Wartet mal, da fällt mir ein, ich hab da ja noch so zwei bis drei(ßig) weitere Bücher auf meiner Worth-reading-Liste. Ob ich vielleicht einfach mal alle meine Wunschtitel veröffentliche …?! 😉
Nein, Spaß. Was ich sagen wollte, ist:
DANKE an die anonyme Absende-Person! 🙂

Und DANKE auch euch anderen, die ihr hier mitlest und mitdenkt.
Ich hab mich extrem gefreut über alles Feedback aus den letzten Tagen. In den Kommentaren, per Mail und „face to face“.
Es ist mir eine Ehre, dass so viele Leute Anteil nehmen an meinem kleinen „Ich-will-Dinge-für-mich-klarer-kriegen-und-auf-den-Punkt-bringen“-Projekt.

Emergent Forum – Nachklänge

Da bin ich wieder. Nach dem Emergent Forum 2016.
Inspiriert. Dankbar. Angestachelt. Sehnsüchtig. Aufgewühlt. Gesegnet.

Ich hatte ein großartiges Wochenende!
Das hatte ich zwar erwartet. 😉 Aber selbstverständlich ist es ja doch nicht.

Mein Kopf und mein Herz sind noch voll mit Menschen und Begegnungen, mit Wortkunstwerken, mit Gedankenanstößen und mit anstößigen Gedanken, mit Erkenntnissen und vor allem mit Fragen …
Es ist wirklich schwierig zu entscheiden, was von all dem ich hier mit euch teile.

Ich mach’s jetzt mal so: Für ein umfassenderes Bild des Wochenendes verweise ich euch an die Fotos und Berichte auf der Forums-Seite. Einen guten ersten Überblick bekommt ihr zum Beispiel in diesem Blogartikel von Toby Faix.
Und ich verabschiede mich auch von der irrwitzigen Idee, euch Einblick zu geben in ALLE Punkte, die ich noch bewege und die mich noch bewegen. (Hoffentlich werde ich den einen oder anderen Faden später nochmal aufnehmen.)
Statt dessen kriegt ihr heute die volle Ladung ab von EINER Sache, die in mir im Moment am lautesten nachklingt. Dass ich ausgerechnet an dieser Stelle hänge, liegt vermutlich mehr an mir als am Forum. Aber ja – Theologie gibt es eben nicht abseits der eigenen Biographie. Und die Tage in Niederhöchstadt haben da etwas an- und aufgerissen, das euch vielleicht schon aus dem einen oder anderen Post bekannt vorkommt. 😉

Nämlich: Das Thema „Kirche für alle, aber …“ hat mich persönlich, subjektiv, existenziell gepackt.
Schon am ersten Abend, bei der lockeren Interview-Runde mit den Hauptreferentinnen Christina Brudereck und Nadia Bolz-Weber, wurde mir überdeutlich: Wie so eine Kirche aussieht, in der alle willkommen sind und gemeinsam eine echte Gemeinschaft von geheiligten SünderInnen bilden, das ist nicht zuerst eine theoretische Frage für Ekklesiologie-Freaks. Es ist keine Frage, die lediglich wichtig wäre für missionarische Strategien oder für ein sauberes Political-Correctness-Gewissen oder gar als Anti-Mitgliederschwund-Programm für meine (Landes-)Kirche.
Es ist zutiefst MEINE Frage. Sie trifft eine Sehnsucht, ein Suchen in mir, sie begleitet mich schon seit Jahren und sie treibt mich zunehmend um.

Denn ich sehne mich nach einer „Kirche für MICH“.
Nach einer Kirche, in der ICH willkommen bin.
Willkommen mit meinem Glauben und meinem Zweifeln. Mit meiner Familie und meinen beruflichen Ambitionen. Mit meinem frommen Beten und meinem sich weitenden Denken. Mit meiner Angst vor Spießigkeit (*g*) und meiner Lust auf Weltoffenheit. Mit meiner Liebe zu Liturgischem und meiner Neugier für neue Wege. Mit meiner Sehnsucht nach geteiltem geistlichen Leben und echten Beziehungen.
Und ich leide schmerzlich unter den vielen vielen Abers, an denen ich mich immer wieder stoße.

„Kirche für mich, aber …“

Das klingt nach einem egoistischen Zugang. Wo kämen wir hin, wenn jede/r wünsch-dir-was-mäßig eine Liste aufstellt und sagt: „SO muss sich Kirche aber für mich gestalten, sonst bin ich raus“?! –
Ja, wo kämen wir da hin, wenn wir alle unserer persönlichen Kirchensehnsucht nachgingen? – Ich denke ja, dass wir an neue Orte kämen, in neue Räume, zu neuen Formen, zu mehr Vielfalt und mehr Leben. Und ich denke, dass das gut wäre!
Und soviel schonmal zur Beruhigung: Wenn ihr bis zum Schluss durchhaltet, werdet ihr erleben, wie sich dieser narzisstische Ansatz noch relativiert. 😉

Kirche für mich, ABER … was heißt denn hier Kirche?

Vor ein paar Wochen habe ich in einem Wohnzimmer, in dem ich zu Gast war, ein spannendes Buch von Manfred Josuttis entdeckt: „‚Unsere Volkskirche‘ und die Gemeinde der Heiligen. Erinnerungen an die Zukunft der Kirche“. (By the way: Sollte das jemand im Schrank stehen haben und mir leihen (oder schenken *g*) wollen, tut euch keinen Zwang an!) Ich hab nur ganz kurz reingelesen, aber was der Mann vor fast zwanzig Jahren geschrieben hat, war so klar und brandaktuell und herausfordernd:
„Kirche sein“, das ist nichts, was wir Menschen in der Hand haben. Keine Gruppe oder Institution kann von sich aus Kirche im christlichen Sinne sein. Kirche bedeutet nicht ein System oder eine Struktur, sondern Gemeinschaft geheiligter SünderInnen. Diese Gemeinschaft wird nur durch Gott selbst ermöglicht und legitimiert.
Ob das mit den „geheiligten SünderInnen“ tatsächlich so da steht oder ob sich das in meinem Kopf nur so verknüpft hat, wäre noch nachzuprüfen. *g* In jedem Fall passt das zu vielen Gedanken des Wochenendes und es ist als Basis wichtig für das, was jetzt kommt.

Wenn ich nämlich gleich weiter von meiner Sehnsucht nach Kirche schreibe und über die „Abers“, an denen ich mich reibe, dann meine ich mit Kirche das: Gemeinschaft von „Sinners-and-Saints“. Ein Ort, an dem die Vergebung der Sünden verkündigt und gelebt wird. Wo alle Menschen kommen und bleiben dürfen, ohne „sofern du“ und ohne „aber erst wenn“. Ein Raum, in dem die Gnade regiert.

Ich schreibe aus meiner subjektiven Sicht. Und aus meinem Landeskirchen-Blickwinkel. Aber ich vermute, dass vieles auch über mein Empfinden und über meine Kirche hinaus relevant ist.

Kirche für mich, ABER … die Strukturen!

Was ich gleich schreibe, hab ich so noch nie gesagt. Es klingt krass und anmaßend und ich muss noch etwas Mut sammeln … Ich bin gerne Landeskirchlerin und möchte es liebend gerne bleiben. Seit zwei Jahrzehnten bringe ich mich ehren- und hauptamtlich ein. Umso schwerer fällt mir diese Aussage:

Ich sehe im Moment keine zukunftsfähigen Wege mehr für unsere aktuelle landeskirchliche Struktur. Für die unübersichtlich großen (und durch Zusammenlegungen immer noch größer werdenden) Parochialgemeinden, in denen überforderte Hauptamtliche mit immer weniger zeitlichen Kapazitäten immer mehr Aufgaben erledigen müssen. Und dabei dann zum Beispiel, wie Nadia Bolz-Weber am Sonntag etwas böse karikiert hat, einen Großteil ihrer Zeit und Kraft darauf verwenden, Menschen zu beerdigen, die sie nie getroffen haben. *g* So kommt es dann zu der Wahrnehmung: Der Postbote ist in diesem Bezirk für die Briefe zuständig und die Pfarrerin eben für die kirchlichen Amtshandlungen …

Ich erlebe das schrecklich oft. Dass unsere starren, sperrigen Strukturen und das damit verbundene Kreisen um Geld und Gebäude und menschliche Macht unser „Kirche sein“ (im (eigentlichen?) Sinne einer Gemeinschaft geheiligter SünderInnen) massiv behindern. Und nicht selten sogar in furchtbarer Weise ad absurdum führen.

Wie soll das denn so in guter Weise weitergehen??
Ich bin offen dafür und würde mich sehr freuen, wenn ihr die Kommentarspalte nutzt, um mir aus dieser düsteren, vielleicht einseitigen Sicht rauszuhelfen.
Aber ich kann gerade nichts anderes sagen: Ich sehe es nicht nicht mehr. Ich sehe nicht, wie wir an den parochialen Strukturen und dem Volkskirchen-Selbstverständnis festhalten – und gleichzeitig Kirche sein können.

Kirche für mich, ABER … die Formen!

Lange Zeit habe ich viele Gedanken und Kräfte auf die Optimierung von Veranstaltungsformen und -formaten verwendet. Ich merke, dass das heute für mich keinen Sinn mehr ergibt.

Mir wurde das nochmal deutlich beim Gottesdienst am Sonntag. Die Andreas-Gemeinde in Niederhöchstadt, Mitveranstalterin des Emergent Forums und prominentes Beispiel für eine innovative Landeskirchengemeinde, hat uns eingeladen zu ihrem GoSpecial.
So beeindruckend ich diesen Gottesdienst in Teilen auch fand, es blieb das Empfinden: Das ist es für mich nicht (mehr). Mein Sehnsuchtsbild zeigt keine großen Frontalveranstaltungen. Sondern eher kleine Tisch- und Lebens- und Glaubensgemeinschaften. Sie sind für mich auch der geeignete Ort, an dem so genannte „kirchendistanzierte“ oder „suchende“ Leute mit Kirche und mit Gott in Kontakt treten können. (Vielleicht kann ich das gerade ja auch gut beurteilen, denn „kirchendistanziert“ und „suchend“ sind Attribute, die ich heute als passend für mich selbst empfinde und nicht mehr nur für „die da draußen“.)

Vermutlich ist es gar nicht nötig und sogar gefährlich, hier einen Entweder/Oder-Abgrund zu erschaffen. Es müssen ja die klassischen Gottesdienste nicht abgeschafft werden, die zweifellos vielen etwas bedeuten. Aber ich brauche das UND, das mir entspricht.

Nadia Bolz-Weber hat im Freitagabendinterview sinngemäß gesagt:

Schon immer haben Menschen sich irgendwo um einen Tisch gesetzt, haben gegessen und geredet über das, was sie bewegt, und gemeinsam gebetet – und das haben sie Kirche genannt.

JA!! Das ist es. Das lockt mich. Ich sehne mich nach so einer Art von Kirche, von Gemeinde, von Gemeinschaft. Einfach. Persönlich. Echt. Gerne klein. Mit dem Fokus auf Beziehungen und nicht auf Veranstaltungen. Um einen Tisch sitzen, diskutieren, beten. Und das als Kirche verstehen dürfen.
(Wie) Kann das gehen in meinem landeskirchlichen Kontext?

Kirche für mich, ABER … der Mangel an Freiheit!

Wie es nicht gehen kann, da kenne ich mich leider ziemlich aus. Es geht nicht mit Angst. Es geht nicht ohne Vertrauen.

Hier hat ein weiterer Nebensatz von Nadia Bolz-Weber ein Erdbeben in mir ausgelöst. Ich hab das Zitat nicht wörtlich mitgeschrieben, aber sie sagte in etwa:

Und dann hör ich immer: <Ja, ihr im House for all Sinners and Saints habt ja auch lauter krass-kreative Leute. Kein Wunder, dass das bei euch so gut läuft.> Aber ich denke, das ist keine Frage von Kreativität, sondern eine Frage von Freiheit.

Ich spüre überdeutlich, dass dieser letzte Satz stimmt. Und dass er etwas auf den Punkt bringt, dem nachzugehen sich lohnt: Es ist eine Frage von Freiheit!

Wo gibt es denn bei uns solche Frei(heits)räume???
In denen etwas gewagt und ausprobiert werden darf. Wo es kein Drama ist, wenn was gehörig schief geht. In denen damit gerechnet (oder sogar darauf gehofft) wird, dass der Geist Gottes auch mal unsere Konzepte und Strategien über den Haufen weht. Wo Leute unterwegs sein dürfen mit Jesus und miteinander – ohne immer schon genau zu wissen, wo es hingehen wird. Wo sind Räume, in denen Menschen um Gottes willen wichtiger sind als Strukturen?

Solche Freiheitsräume suchen und fördern und feiern! Das könnte doch ein guter Weg sein. Für die einzelnen Gemeinden vor Ort. Aber auch auf übergeordneter organisatorischer Ebene.

Christina Brudereck hat hier am Freitagabend eine spannende Spur gelegt zum Thema „die Kosten und das Kosten“. Da war zum einen die nüchterne Sorge:

„Meine Kirche rechnet sich tot.“

Aber sie hat das verbunden mit der (sinngemäßen) Aussage:

Wir reden zu viel über Kosten im Sinne von: „Wieviel kostet das?“ Dabei ist Kosten doch etwas Wunderbares, so wie beim Kochen. Etwas zu probieren, zu kosten. Zu merken: „Wo duftet es gut? Wo geschieht gerade schon etwas Gutes?“ Und dann dort mitzumachen, es sich etwas kosten lassen.

Ja, das klingt gut.
– Und ja, natürlich gibt es sie ja schon. Die guten Beispiele. Gemeinschaften, von denen ich höre oder lese, die mich anziehen und inspirieren.
Allerdings: Diese Beispiele, wo Leute mutig neue (oder gerade ganz alte?!) Gemeinschaftswege gehen, finden sich fast ausschließlich in der Großstadt.

Kirche für mich, ABER … was, wenn ich nicht in der Großstadt wohne?

Was ist aber, wenn ich nicht im Ruhrgebiet wohne wie Christina Brudereck? Auch nicht in Kreuzberg oder Eppendorf? Und noch nicht mal in Bielefeld? 😉
Sondern, sagen wir mal spaßeshalber, in einem Dorf in der ostwestfälischen Provinz?!

Und da sind wir wieder. Bei der persönlichen, subjektiven, existenziellen Dimension, die diese Fragen für mich in allererster Linie haben …

– Vielleicht stimmt ihr meiner düsteren Analyse in diesem Artikel ja gar nicht zu. Vielleicht male ich zu schwarz. Sicherlich habe ich blinde Flecken, in jedem Fall gibt es in mir Arroganz- und I-know-it-all-Tendenzen, die nicht förderlich sind. Das will ich gar nicht leugnen.

Aber ich empfinde die Situation gerade so. Und ich leide darunter!

Tja.
Und jetzt?? Was bedeutet das alles jetzt?
Wie geht es weiter mit mir? Und mit der Kirche? Und mit mir und der Kirche?

Gestern hatte ich plötzlich noch einen weiteren Wochenend-Satz im Kopf:

„Little girl, get up!“

😉 Ja, das wäre vermutlich ein guter Ansatz …
Mit mit dem Jammern aufzuhören. Und, anstatt größenwahnsinnig die ganze Kirche reformieren zu wollen und dabei zwangsläufig zu verzweifeln, im Kleinen und Unperfekten und mit allen Gebrochenheiten und Widersprüchen meiner Sehnsucht von Kirche nachzugehen.

Hm. Leute zum Essen einladen wäre ja zum Beispiel eine Möglichkeit für den Anfang … Das geht definitiv auch in der Provinz. Und dann könnten wir essen und Bier trinken und reden über das, was uns bewegt … Und vielleicht würden wir gemeinsam beten. Und wer weiß, wo wir da hinkämen …? 🙂
Vielleicht würden wir uns am Ende noch trauen, das dann Kirche zu nennen. Und wer weiß, vielleicht würde sich „die Institution Kirche“ sogar auch irgendwann trauen, sowas Kirche zu nennen …

„Little girl, get up!“ Ja!
Aber das ist nunmal einer dieser Sätze, die man sich so schlecht selbst sagen kann …

Und da fällt es mir wie Schuppen von den Augen: „Little girl, get up!“ – Das sagen in Markus 5 ja überhaupt keine Menschen. Das sagt Jesus höchstpersönlich!
Und genau: das ändert alles. 😉

Denn jetzt fällt mir – Gott sei Dank – doch plötzlich alles wieder ein: Die Kirche ist ja gar nicht meine. 🙂 Sie ist ja gar nicht etwas, das ich machen muss oder auch nur könnte. „Ich muss nur noch kurz die Kirche retten“ ist kein gutes Lebenslied.

Kirche ist VON GOTT GEWIRKTE Gemeinschaft.
Oder, wie es in der Predigt vom Sonntag hieß: Kirche ist GOTTES Zelt.

Kirche ist GOTTES weites Zelt. Es geht um GOTTES Gnade.
Und Gott lädt ein ohne Wenn und Aber.
Sympatisantinnen einer dörflich-bürgerlichen Ü-60-Mainstream-Kultur sind herzlich willkommen. Und möchtegern-emergente Wanna-be-Hipsters auch. Und alle dazwischen und darüber hinaus.

Und auch wenn (bzw. gerade weil?!) mir mitunter schleierhaft ist, wie das praktisch aussehen soll: Wie gut ist es, darauf zu schauen!

„Little girl, get up!“
Ja, Jesus. Es ist nötig, dass du höchstpersönlich Totes lebendig machst.
In mir. Und in meiner – nein, in DEINER Kirche.
Would you please?!

 

Foto: Christoph Bartels

Emergent Forum – Vorwort und Vorfreude :-)

Am Wochenende fahr ich nach Niederhöchstadt bei Frankfurt zum Emergent Forum 2016, juchuh!
Schon seit einigen Jahren liebäugel ich jedes Jahr wieder mit den Veranstaltungen von Emergent Deutschland. Warum, das erschließt sich beim Stöbern auf der Emergent-Homepage sofort:

„Bei den Treffen von Emergent Deutschland versammeln sich Querdenker, Randgestalten, Gemeindepraktikerinnen, Lebenskünstler, Pastorinnen, Theologen, Bloggerinnen und interessierte Gemeindeglieder aus verschiedenen Konfessionen. Uns verbindet das Bedürfnis nach dem Austausch über Fragen, Verwirrungen und Träume von einer zukunftsfähigen Gestalt des Christentums.“

JA! That’s me! Kreuz-und-Quer-Denkerin. Theologie-Liebhaberin. Gemeindepraktikerin auf Entzug. Kirche-der-Zukunft-Träumerin. Zuweilen verwirrte und zwischendurch verzweifelte Austausch-Bedürftige. Und neuerdings ja auch noch Bloggerin.

Klar so weit, warum ich da schon lange hin will, ’ne?!
Und dann gibt es dieses Jahr ein so großartiges Thema mit so großartigen Referentinnen, dass auch der letzten klar werden sollte, warum ich mich einfach anmelden MUSSTE! 😉

Die Tage stehen unter dem Motto „Kirche für alle, aber …“ und wir werden spannenden Fragen auf den Grund gehen nach Offenheit und Grenzen von (christlicher) Gemeinschaft, nach Einschränkungen und Uneinschränkungen kirchlicher Willkommenskultur. Oder, wie es der Untertitel grundlegend fragt: „Hat Gottes Gnade Grenzen? Und was bedeutet das für die Kirche?“

Wartet mal, da fällt mir auf: Welche Antwort von Referentinnenseite auf die Frage nach der grenzenlosen Gnade gegeben wird, ahne ich direkt schon. 😉 Zumindest, was Nadia Bolz-Weber betrifft. Ja genau, das ist die Frau mit dem unglaublich guten Buch („Ich finde Gott in den …“ – ach, ihr wisst schon), das ihr mittlerweile hoffentlich schon alle gelesen habt und in dem es ja auch „hier und da“ mal um Gnade geht. *g*
Außerdem freu ich mich auf Christina Brudereck (Theologin, Autorin, Vorbild!) und die Jungs von Hossa Talk.
Und vor allem freu ich mich auf Begegnungen mit vielen anderen Menschen, die ich noch gar nicht kenne. Denen ich aber trotzdem unterstelle, dass wir eine große Sehnsuchts- und Leidenschafts-Schnittmenge haben. Ach, das wird gut!

Natürlich werde ich euch in der nächsten Woche berichten. Aber was soll ich sagen?! Das beste an solchen Treffen sind ja erfahrungsgemäß eben diese Begegnungen am Rande; das Da-sein und Dabei-sein, das Mitdenken und Mitringen bei dem, was sich so entwickelt. Ich habe die düstere Ahnung, dass ich das nur bruchstückhaft in Worte werde kleiden können.

Aber hey – ihr könntet euch ja noch ganz schnell anmelden!! 🙂 Ein paar wenige Karten sind noch hier zu haben.
JAAAA, macht das!
Und dann trinken wir ein Bier zusammen. Oder was immer die da so an Hipster-Getränken am Start haben … 🙂

Also was ist? Noch jemand spontan dabei?

O du selige, gnadenbringende Wartezeit

Alle Jahre wieder … trifft es mich völlig unvorbereitet. Und jedes Mal ist es aufs Neue wieder ein Schock, den ich erstmal verkraften muss.

So auch gestern.
Ich gehe einkaufen. Früher Abend, sonniges Spätsommer-Feeling, 20 Grad.
Und da sind sie wieder! Im Aktionsbereich hinter dem Gemüse, wo letzte Woche noch Fackeln für den Garten standen und Marshmallows zum Grillen. Dichtgedrängt, hochgestapelt: Paletten mit WEIHNACHTSGEBÄCK UND -SÜSSIGKEITEN!
Lebkuchen, Spekulatius, Pfeffernüsse, Marzipankartoffeln, Stollen, Knusperhäuschen zum Selbstbauen und vermutlich noch vieles mehr. – Ich weiß nicht genau, denn ich bin lieber schnell dran vorbeigespurtet …

Um die Möglichkeit der Ehrenrettung meines EDEKA-Marktes grundsätzlich offen zu halten, sei angemerkt, dass es theoretisch stimmen könnte, was Gunnar gesagt hat. Dass es noch gar keine Schoko-Weihnachtsmänner gibt (wie ja das Titelbild (eventuell fälschlicherweise) glauben machen will). Und dass das andere mittlerweile eben als Herbstgebäck deklariert wird.
Aber, hallo?! Stollen?! Und Knusperhäuschen mit winterlicher Verpackung?! Herbstgebäck? Nee, is klar. 😉

Nun will ich euch natürlich nicht diese besondere Freude vermiesen, die ihr empfindet, wenn ihr heute zum Kaffee in die frisch gekauften Lebkuchenherzen beißt. Also zumindest nicht in erster Linie … 😉
Sondern ich möchte mit euch überlegen, ob diese Weihnachtssüßigkeiten-Geschichte nicht etwas Grundsätzliches über unser Verhältnis zum Warten verdeutlicht, über das nachzudenken sich lohnt.

Nicht, dass ich an sich prädestiniert dafür wäre, altkluge und moralisch hochtrabende Loblieder auf den Segen des Wartens in die Welt zu posaunen. Wohl eher im Gegenteil …
Vielleicht hat mich die ganze Thematik gestern auch gerade deshalb so bewegt, weil ich morgens ein Auswahlgespräch für ein Stipendium hatte. Und jetzt sage und schreibe sechs Wochen auf die Entscheidung warten muss. Ich meine: SECHS! WOCHEN!! WARTEN!!! Da erschließt sich mir weder die Notwendigkeit noch der Sinn und erst Recht nicht die Schönheit des Wartens. Ich will es einfach nur wissen. Am besten JETZT! 😉

Aber es gibt andere Situationen, in denen ich es durchaus einleuchtend finde, dass sich warten lohnt. Beziehungsweise lohnen würde:
Den Apfel erst dann pflücken, wenn er reif ist.
Auf die emotionale Konfliktmail nicht direkt eine zornige (wenn auch berechtigt zornige) Antwortmail schreiben. Sondern warten, bis sich der erste Ärger gelegt hat und, vielleicht morgen, das direkte Gespräch suchen.
In Ruhe zu Ende essen und damit leben, dass uns gerade dieser oder jener Fakt nicht einfällt, anstatt hastig das Smartphone zu befragen.
Einer Idee oder einer Sehnsucht Zeit geben, um auszureifen, um konkret zu werden und sie nicht gleich aussortieren und wegschieben, weil sie im Hier und Jetzt nicht zu passen scheint.
Geduld haben mit Menschen, die sich nicht auf Knopfdruck verändern können. Sogar mit uns selbst.

Auf die Gefahr hin, dass das hier jetzt endgültig die Grenze zu pseudo-philosophischem Weltverbesserungs-Geschwafel überschreitet: Könnte es nicht sein, dass wir als Gesellschaft gerade etwas Wichtiges verlernen? Und dass wir etwas Wertvolles verlieren, weil wir nicht mehr warten können oder wollen? Weil alles immer und sofort verfügbar sein muss?

Ja, ich glaube, dass mein Unbehagen tatsächlich über die konkreten Weihnachtszeug-Paletten im Supermarkt hinausreicht und in eine solche grundlegende Richtung geht.
Denn natürlich sind Lebkuchen Anfang September für sich genommen noch kein Problem. Aber was bedeutet es, wenn nach der Freibadsaison direkt die „Vorweihnachtszeit“ anfangen muss?! Und wenn wir dann spätestens am 28. Dezember nichts Weihnachtliches mehr sehen können und noch vor Silvester den Tannenbaum austauschen gegen Osterglocken und Primeln und sonstige Frühlingsdeko …?!

Ich glaube, dass es gesund ist, warten zu können. Ich glaube, dass ein „Alles-hat-seine-Zeit“-Leben reich ist und glücklich macht. Ich glaube, dass es sich lohnt, das zu leben und das zu feiern, was jetzt dran und was heute möglich ist.

Und deshalb lass ich die Lebkuchenpaletten noch viele Wochen links liegen. Und hoffe darauf, dass zu Beginn der Adventszeit noch ein bisschen Weihnachtsgebäck für mich übrig ist.

Und bis dahin freu ich mich erstmal auf das, was der Herbst so bringt: Drachen steigen lassen. Erntedankfest feiern. Kastanien sammeln. Ja – auch die Blätter fallen sehen, mich dem rauhen Wind aussetzen. Melancholie zulassen. Vergänglichkeit nicht verdrängen.
Ach ja, und natürlich freu ich mich dann auch auf eine Antwort von der Stipendien-Stiftung. In SECHS WOCHEN, puh …

 

JESUS in the HOUSE

Bei uns in NRW hat letzte Woche die Schule wieder angefangen. (Wie kann das eigentlich sein, dass sich die sechseinhalb Wochen jedes Jahr wieder anfühlen wie zweieinhalb?!)
Wir arbeiten also dran, den Familien- und Arbeitsalltag unter die Füße zu kriegen und das kommenden Schuljahr in den Blick zu nehmen.

Für die von euch, die in einer Gemeinde/Jugendarbeit aktiv sind, ist vermutlich so ein „planender Blick“ auch an dieser Stelle dran: Was nehmt ihr euch vor an regelmäßigen Treffen? Welche besonderen Aktionen plant ihr? Was steht sowieso schon fest, weil es Tradition ist? (Moment mal, da fällt mir ein: Müssen eigentlich die Dinge, die immer schon so waren zwingend immer so bleiben? *g*)

Mein – in den letzten Jahren unaufhaltsam wachsendes – Gefühl ist ja: Weniger ist oft mehr. Wir gewinnen, wenn wir uns zum Reduzieren durchringen. Zur Einfachheit. Zur Konzentration und Klarheit.

Klingt schön, oder? 🙂 Aber es wird ganz schnell ungemütlich, wenn wir uns klar machen, was „reduzieren“ konkret bedeutet. Nämlich vor allem: reduzieren! 😉

Also insgesamt weniger machen! Weniger Termine, weniger Veranstaltungen. Konzentration auf die Mitarbeit an wenige(re)n Stellen. So entsteht Spielraum für Beziehungen und Ungeplantes.
Das alles geht nicht ohne die Einsicht: „Ja“ sagen zu einer neuen tollen Idee klappt selten additiv, „on top“ zu allem Bestehenden. So gut wie nie sind automatisch genug freie Kapazitäten vorhanden. (Also in echt vorhanden, nicht im Wunschdenken. Und zwar tatsächlich freie Kapazitäten und nicht im letzten Winkel des Terminkalenders und am Rande der Kräftereserven zusammengekratze.) In aller Regel ist es so: Für etwas Neues muss etwas anderes ehrlich (nicht nur scheinbar) reduziert oder noch besser gleich ganz aufgegeben werden.

Diese Einsicht ist sowohl nötig für die einzelnen Mitarbeitenden als auch für die gesamte (Gemeinde-)Arbeit. Und vor allem: Der Einsicht müss(t)en Taten folgen!

Nach meiner Beobachtung allerdings ist das meistens nur theoretisch klar. Aber die Konsequenz, dann zum Beispiel mal eine Gruppe TATSÄCHLICH sterben zu lassen oder die traditionsreiche Freizeit WIRKLICH (wenigstens für ein Jahr) in andere Hände zu geben oder gar ganz zu canceln, fehlt.
Und so gibt es überall Haupt- und Ehrenamtliche, die in zu vielen Töpfen gleichzeitig rühren, die am oder über dem Limit sind und die nicht selten das Gefühl haben: Für die echten Begegnungen mit Menschen (und evtl. sogar für meine eigene Begegnung mit Gott!) fehlt mir die Zeit und die Kraft.

Und jetzt kommt was ganz Verrücktes. Aber call it crazy: Obwohl oder wohl eher WEIL ich diese Vorrede geschwungen habe, wage ich es jetzt, Werbung zu machen für – eine Veranstaltungsreihe! 😉

Anfang 2017 findet nämlich wieder JESUSHOUSE statt. Und ich empfehle euch sehr, dass ihr euch (und Gott) mal fragt, ob das nicht eine gute Idee wäre für euch.
JESUSHOUSE steht für evangelistische Jugendwochen, die ihr im Zeitraum vom 20. Februar bis 2. April bei euch durchführen könnt. Diese Wochen bieten einen Raum, um mit Jugendlichen und/oder jungen Erwachsenen in eurem Umfeld über Glaubens- und Lebensfragen ins Gespräch zu kommen und sie zum Glauben an Jesus einzuladen. In Gemeinderäumen, in der Kneipe nebenan, im Jugendzentrum, in eurem Wohnzimmer oder wo auch immer ihr das super findet.
Ich sehe darin eine große Chance. Nicht nur für eure Gäste, sondern auch für euch und „eure Jugendlichen“ selbst.

Natürlich könnt ihr auch anders evangelistisch aktiv sein als durch eine Jugendwoche. Und natürlich könnt ihr auch eine Jugendwoche unabhängig von JESUSHOUSE durchführen.
Aber why not? Es gibt viele gute Gründe für JESUSHOUSE. Unter anderem profitiert ihr dabei von den ausgearbeiteten Konzepten, von vielen Materialien und von verschiedenen Schulungs- und Beratungsangeboten.
Und, auch cool: Ihr könnt euch mit drei Entscheidungen das für euch am besten passende Konzept zusammenschustern. Ausführlichere Infos findet ihr auf der Homepage.

Besonders großartig ist aus meiner Sicht die Wahlmöglichkeit zwischen den zwei Veranstaltungsstilen. Neben einem „klassischen Bühnenprogramm“ könnt ihr euch auch für eine „Dialog“-Veranstaltung entscheiden.
Und ich persönlich stehe ja voll auf diese Dialog-Variante! An die Stelle einer längeren Frontalpredigt tritt ein interaktiver Teil, der ein echtes Gespräch zwischen VerkündigerIn und Zuhörenden (bzw. dann ja treffender „Mitredenden“ *g*) ermöglichen soll. Teile der Verkündigung entstehen „live“ im Prozess. Wenn’s gut läuft, wird das wirklich spannend – nicht zuletzt für die Evangelistinnen und Evangelisten, die so gut und breit vorbereitet sein müssen wie sonst selten … 😉

Also: Wenn ihr jetzt euer Jugendarbeits-Jahr in den Blick nehmt (und dabei hoffentlich überlegt, was ihr alles NICHT machen wollt *g*), dann bewegt doch auch die Frage nach JESUSHOUSE in eurem Herzen. Es könnte sich lohnen, für so eine JESUSHOUSE-Woche „nein“ zu sagen zu einer anderen großartigen Idee!

Ich jedenfalls werde nach 2011 zum zweiten Mal als Vor-Ort-Verkündigerin bei JESUSHOUSE am Start sein. Und ich freu mich schon jetzt drauf! 🙂

Jesus, Jesus, Jesus und nochmal Jesus

Vor Kurzem musste ich an eine lustige Begebenheit denken aus dem ersten Jahr meiner theologischen Ausbildung am Johanneum (lang, lang ist’s her *g*).
Im NT-Unterricht befassten wir uns ausgiebig mit dem Markus- und dem Lukasevangelium. Für viele von uns (auch für mich) war das die erste so intensive auch vergleichende Beschäftigung mit Evangelientexten.

Und irgendwann ging dann ein Zettel rum: „Wer macht mit im Ich-will-einen-Jesus-und-nicht-vier-Club?“. 😉

Wenn ich so drüber nachdenke, ist diese Geschichte vielleicht doch gar nicht wirklich „lustig“ … Denn, so gewollt spaßig die Formulierung auch war, so ernst war ja das Anliegen dahinter: „Hilfe, mir wackelt der Boden unter den Füßen! Wenn das so weiter geht, ist mein altes Jesus-Bild nicht mehr zu retten. Und außerdem fliegt mir mein Bibelverständnis um die Ohren. Aaaaah …!“

Dass es sich lohnt, auch bei solchen Anflügen von Panik dran zu bleiben und nicht aus Angst oder Bequemlichkeit Spannungen und widersprüchliche Aussagen zu ignorieren oder wegzureden, davon bin ich überzeugt. Das habe ich erlebt und dazu möchte ich allen Mut machen.

Aber heute geht es mir um etwas anderes.
Ich bin nämlich deshalb an diese Unterrichtsszene erinnert worden, weil ich auf einen Gedanken gestoßen worden bin, der genau gegensätzlich ist:
Ist es nicht gerade total cool, dass schon die Bibel uns in den Evangelien vier unterschiedliche Blickwinkel auf Jesus ermöglicht?! Dass vier unterschiedliche Menschen ihre Sicht der Guten Nachricht aufschreiben und uns Jesus so vor Augen malen, wie sie ihn erlebt/begriffen/verstanden haben?!

Ja, natürlich gibt es nur einen Jesus und nicht vier. 🙂
Aber diesen einen Jesus können wir uns nicht in die Tasche stecken, er ist nicht mal eben „ein für alle Male zu verstehen“. Er lässt sich nicht zwischen zwei Buchdeckel sperren und fügt sich auch nicht in starre Denk- und Glaubenssysteme.

Er ist ein „Begegnungs-Gott“. Ein „Gott in Beziehung“. Auch heute.  Er lässt sich sehen und hören und erfahren. – Und das Spannende: Er zeigt sich unterschiedlich. Oder wir Menschen nehmen ihn unterschiedlich wahr. Oder beides.
Ist es nicht ein guter Ansatz, diese Verschiedenheit grundsätzlich als Reichtum und nicht als Bedrohung zu sehen? Könnte es nicht sein, dass gerade darin die Größe Gottes gut zum Ausdruck kommt: Wenn Menschen mit unterschiedlicher Biographie, unterschiedlicher Kultur, unterschiedlichem Charakter, unterschiedlichem Bildungshintergrund, unterschiedlichem Geschlecht u.s.w. Jesus begegnen und ihn – jeweils auf ihre Weise – widerspiegeln?!
(Denn das gehört ja dazu, wenn Jesus Menschen beruft, ihm nachzufolgen: Dass wir diesen Schatz, diese Gute Nachricht, dieses Evangelium nicht allein für uns selbst genießen, sondern mit anderen teilen.)

Wie großartig passt dazu das Bild oben! (Es stammt übrigens aus dem unbedingt lesenswerten Buch AUFMACHEN. Wie wir heute Kirche von morgen werden und kann hier  (neben vielen anderen tollen Grafiken) runtergeladen werden.)

Es gibt nur ein Evangelium. Ja! Aber wir kennen es nur nach Matthäus, Markus, Shuk Ching und Kisuba …

Als ich 2002 (heute hab ich’s aber mit Geschichten von „damals“ *g*) ein Freiwilligenjahr im südafrikanischen Team iThemba absolviert habe, haben wir manchmal dieses Lied gesungen:

How will they know, what will they remember,
what will they see that is different in you?
How will they know, will they find any answers
in the gospel according to you?

Das ist eine starke (An-)Frage!
Und eine wichtige, vor allem wenn der fromme Spruch stimmt, dass wir ChristInnen für die meisten Menschen „die einzige Bibel sind, die sie lesen“ … Wie ist das mit den Evangelien, die es neben denen nach (englisch: according to) Matthäus, Markus, Lukas und Johannes noch so gibt? Was ist mit dem Evangelium according to Astrid? Und was ist mit dem Evangelium according to you??

Und jetzt wird es richtig unbequem: Was ist denn, wenn das Evangelium, das wir „frommen Christinnen und Christen“ im Jahr 2016 verkörpern, gar keine so gute Nachricht ist? Was, wenn Menschen es sogar genau gegensätzlich empfinden?!
Was, wenn wir reden von Befreiung, aber in Wirklichkeit Menschen klein gemacht werden bei uns? Was, wenn wir uns auf den „Friedefürst“ berufen, aber unsere Gemeinden Haifischbecken gleichen? Was, wenn Demut unser Ideal ist und uns aber die Selbstgerechtigkeit und Überheblichkeit aus allen Poren kommt? Was, wenn wir „You are mighty“ singen, aber eigentlich nur selbst geil auf Macht sind?
Die Liste könnte ich noch lange fortsetzen. Leider.

Es ist bitter das zu formulieren, aber ich kann so gut verstehen, wenn Leute bei uns kein Heil vermuten. Ich kann so gut nachvollziehen, wenn Jesus für sie keine Option ist, weil wir, die wir so laut „Jesus“ schreien, oftmals so abstoßend leben.

Könnte das vielleicht der Grund sein, warum wir „jungen Leute“ mit manchen Aussagen und auch in unserer Verkündigung leiser geworden sind? Zaghafter?

Zumindest ist das mein Eindruck, dass viele von „uns Jüngeren in der frommen Szene“ vorsichtiger geworden sind, wenn es um das Evangelium oder zumindest doch um eine bestimmte Art der verbalen Evangeliumsverkündigung geht. Ja, vielleicht sind wir sogar insgesamt leiser, wenn es um Jesus geht.
Und mein Eindruck ist, dass einige Ältere darin mangelnde Hingabe, mangelnde Bibelkenntnis, mangelnde Leidensbereitschaft oder sonst irgendeinen Mangel sehen. Manchmal, das finde ich besonders verletzend, lautet der Verdacht sogar auf „mangelnde Jesus-Liebe“.

Aber könnte es nicht sein – wenn ich mit der Grundbeobachtung überhaupt richtig liege und nicht nur von mir auf alle schließe *g* – dass hier keiner der genannten Mängel im Hintergrund steht? Und auch kein anderer Mangel?! (Und übrigens auch kein Überfluss an postmoderner, weichgespülter Lauheit! *g*) Sondern dass manche von uns eben einfach nicht mehr mitkönnen und/oder -wollen mit dem Erbe, das wir auf unseren Schultern spüren? Dass wir gemerkt haben: Es war nicht überall „Evangelium“ drin, wo Leute „Jesus“ draufgeschrieben haben. Manches, was unsere Väter und Mütter im Glauben uns vermeintlich „im Namen Jesu“ beigebracht haben, war falsch und destruktiv. Und so sind viele Menschen nicht nur nicht näher zu Jesus gekommen, sondern gerade auf Abstand gegangen und dort zum Teil bis heute geblieben.

Das alles treibt mich ziemlich um. Ich wünsche mir so sehr eine Kirche, ich wünsche mir Gemeinden und Gemeinschaften, in denen ein echter, liebevoller, herausfordernder, auch mal unbequemer, lernbereiter, demütiger Jesus-Glaube lebendig ist.
Oder vermutlich müsste ich treffender schreiben: In denen JESUS SELBT lebendig ist! Jesus, mit den genannten Attributen, die vermutlich meiner momentanen Sicht von ihm gut entsprechen. Aber Jesus auch mit seinen Seiten, für die ich gerade (vielleicht als Pendelausschlags-Gegenbewegung) blind bin.

Wie kann es gelingen, auf der einen Seite unbedingt wach und kritisch zu sein gegenüber einem krank machenden, missbräuchlichen und lieblosen Glauben? (Und ja, meinetwegen auch gegenüber den von einigen so gefürchteten Lauheits- und Weichspülungstendenzen.) Aber auf der anderen Seite auch nicht „I-know-it-all“-mäßig und arrogant alles, was sich nicht eins zu eins mit meinem begrenzten Verständnis von Jesus deckt, automatisch als falsch abzustempeln?!

Vorletzte Woche war ich zur Einkehr im Kloster. Und da habe ich das Ende des Johannesevangeliums angeschaut, Kapitel 21:
Jesus und Petrus am See. Die dreimalige „Liebst-du-mich“-Frage und der dreimalige Auftrag. Dann in Vers 18 dieser krasse Ausblick auf die großen Herausforderungen, die Petrus erwarten. Und schließlich noch einmal der starke Satz: „Folge mir nach!“
Und was antwortet Petrus seinem Meister daraufhin?? Er schaut auf Johannes! Und fragt: „Aber Herr, was bitte ist denn mit IHM?“

Woraufhin Jesus ihm dann ziemlich deutlich zu verstehen gibt: „Das geht dich jetzt gerade mal gar nichts an. DEIN Job ist: Folge mir nach!“

DU ABER FOLGE MIR NACH,

sagt die Einheitsübersetzung.

Vielleicht ist das eine gute Spur:
Sich um die eigene Nachfolge kümmern. Schüler, Schülerin von Jesus bleiben. Und dementsprechend „die eigenen Hausaufgaben machen“.  😉
Weniger SchiedsrichterIn spielen im Hinblick auf das, was andere denken und glauben und leben. Sondern ihnen ihren Glauben, ihre Nachfolge, ihre Verantwortlichkeit JESUS SELBST GEGENÜBER zuzugestehen und zuzutrauen.

Und wenn es kritisch wird, wo wir Zerstörerisches wahrnehmen oder vermuten, im Streitfall eben nicht vorschnell die eigenen Erkenntnisse zum Maßstab zu erheben – sondern auf Jesus selbst zu verweisen. Idealerweise gemeinsam Jesus zu begegnen.

Ist das utopisch? – Eine solche Einstellung wünsche ich mir jedenfalls von anderen, wenn sie mir begegnen. Und so möchte ich mit Geschwistern umgehen.

Ach ja, das wäre doch gut, oder?
Und sicherlich wäre es förderlich dafür, dass Menschen die Gute Nachricht für sich entdecken. Die Gute Nachricht von dem einen Jesus. Nach Markus oder nach Shuk Chin oder nach Kisuba. Oder: „acoording to you“!

 

Bildquelle: www.kirche-aufmachen.de

LesenBetenLiebenRappen … mit Johanna Klöpper

Johanna Klöpper // 35 Jahre alt // lebt mit Mann und zwei Kindern in Mittenaar im Lahn-Dill-Kreis in Hessen in Deutschland in Europa in der Welt // Hospizfrau, Trauerbegleiterin, Möchtegern-Rockstar und gute Esserin – Spezialgebiet Pasta // www.heiligersenf.com

LESEN:

Kann ich.
Hab ich aber so richtig erst mit Ende zwanzig angefangen, als ich schwanger war und liegen sollte und vor Langeweile fast verschimmelt wäre.
Eigentlich sind Bücher in meiner Herkunftsfamilie schon immer eine echte Währung gewesen – es gab stets genug von ihnen und ich erfuhr auch genügend Ermutigung dazu, mal „Der kleine Hobbit“ zu versuchen oder Michener (als ich schon etwas älter war).
Lesen war zwar nie etwas Unnormales – ich fand aber die Geschichten in der Regel lahm. HEUTE weiß ich, dass weder der Hobbit noch Michener lahm sind – um aber die Hürde zum gepflegten Bücherverzehr nehmen zu können, brauchte ich erstmal die richtigen Geschichten.
Welche das sind? Thriller. Psychothriller, um genau zu sein. Lieber Skandinavien als Amerika – ich glaube, dass das wenige Tageslicht da oben meinen Lieblingsautoren dabei hilft, sich dieses dunkle Zeug auszudenken. Verfilmt würde ich es nicht schaffen, auch nur eine einzige der Geschichten anzuschauen, die ich lesend mit Begeisterung wegatme. Aber wenn mir nur mein eigenes Gehirn als Leinwand zur Verfügung steht (der Vorteil des Buches gegenüber dem Film, wenn man mich fragt!), lasse ich mich gernst in die fiesesten Abgründe entführen, während ich auf dem Sofa kauere und versuche, Kuchen aufzugabeln und in den Mund zu arbeiten, während ich nicht die Augen vom Buch nehme.
Meine Helden sind derzeit auf jeden Fall Erik Axl Sund (die Viktoria Bergman Trilogie!) und Lars Kepler. Aber auch bei Simon Beckett habe ich bisher noch nix falsch gemacht.
Übrigens, mal unter uns: mein Vater, der meine Thrillerfreude teilt und den ich regelmäßig mit Lektüre versorge, sollte nicht wissen, dass ich mich traue, sowas Fieses zu lesen – deshalb habe ich ihm den zweiten Teil der o. g. Trilogie einfach nicht ausgeliehen, sondern ein erfolgreiches Ablenkungsmanöver mit Jussi Adler-Olsen zwischengeschaltet, kchch…

BETEN:

Übe ich.
Ich mache das weder so ordentlich (formal gesehen), noch so regelmäßig, wie ich es eigentlich von mir selbst erwarten würde. Mittlerweile fühle ich mich aber Gott sei Dank (!) der Macht der Liebe in meinem täglichen Leben und Weben oft so nah, dass ich eine Art gedankliche Standleitung pflege. Ich denke ganz oft etwas zu Gott hin und fühle mich damit insgesamt gesehen genug, so dass ich nur ab und zu konkrete Anliegen formuliere. Meine kopfinterne Rätselfrage lautet aktuell, ob wir Menschen nicht in jedem unserer Atemzüge den Namen Gottes äußern und wenn ja, ob das dann schon als Gebet gilt.
Muss Gebet denn immer mit Bittedankeamen sein? Es soll ja alles, was Odem hat den Herrn Loben – nicht alles, was Bittedankeamen sagen kann. Ich denk mal weiter drüber nach, freue mich auch über anderer Menschen Gedanken dazu und sage in irgendeinem Blog dieser Welt Bescheid, wenn mir irgendwas Meldenswertes dazu kommen sollte.

LIEBEN:

Tue ich.
Meine Kinder, meinen Mann, die Nordsee. Ich liebe den Wind und die Gesellschaft lieber Freunde. Ich liebe es zu lachen, bis ich kreische und zu singen, als würde keiner zuhören. Andere Menschen zu lieben heißt für mich, mich von ihren Meinungen, ihrer Art sich auszudrücken, von ihrem ganzen Sein überraschen zu lassen. Ich äußere Liebe, indem ich versuche, die Freiheit des Anderen zu schützen. Zumindest versuche ich das.
Aber versorgen mache ich auch gern. Ich möchte, dass meine Geliebten satt sind und es warm haben. Maslowsche Bedürfnispyramide von unten her bezwingen sozusagen. Ja. Lieben. Ich finde Lieben gut.

RAPPEN:

Kann ganz, ganz schlimm sein.
KANN aber auch gut sein! Ich bin Fan von Smudo, bzw. Le Smou. Weil er es kann.
Und ich höre oft und gerne Eminem im Auto. Huhuuu, gefährlich! Ich finde, dass Rap – wenn die Texte, wie zB bei Badboy Eminem dicht, schnell, witzig und/oder scharfzüngig sind – eine tierische Kunstform ist!
Musikalischerseits ist HipHop sowieso die best-tanzbare Musik, wenn man meinen Hintern fragt – wenn diese dann mit Wortwitz und musizierter Schläue textlich angereichert wird, ist doch eigentlich alles gut, oder was? Keine Ahnung, wie man das anders sehen könnte…
Man muss übrigens immer auf der 3-und „A“ machen. Dies als kleiner Tipp von mir altem, knallharten HipHop-Gangsta. There’s a Slim Shady in all of us!
Ich höre zwar auch sehr viel, sehr andere Musik – wenn aber jemand RAPPEN kann, muss er wegen mir sonst nicht viel können. Lesen zB.

Danke für die Einladung und Gastfreundschaft in diesem zauberhaften Blog! Ich wünsche Liebe, gute Lektüre und immer ein „A“ auf der 3-und!
Love, Johanna

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LesenBetenLieben ist eine Serie, in der tolle Menschen ihre Gedanken und Erfahrungen in Sachen readpraylove mit uns teilen. Dass Johanna für diese Folge zugesagt hat (obwohl wir uns bisher noch nie begegnet sind *g*), freut und ehrt mich total! 🙂
– Ich bin jetzt eine Woche offline. Aber hey – ihr seid groß und könnt auch ohne mich kommentieren. Gunnar passt dann auf, dass alles anständig bleibt … 😉

LesenBetenLieben – Sonntag geht’s weiter!

Wird aber auch echt mal Zeit, dass es nach Teil 1 der LesenBetenLieben-Serie endlich weitergeht.

Und, tadaaa, am Sonntag ist es so weit:
Ich freu mich volle Lotte, dass die großartige JOHANNA KLÖPPER zu Gast sein wird. 🙂

Johanna ist Hospizfrau, Autorin, Mutter und wer-weiß-nicht-was-noch-alles. Und sie ist mir ein Bloggerinnen-Vorbild.

Ihr könnt euch ja mal die Zeit bis Sonntag auf ihrem Blog „heiligersenf“ vertreiben. Oder ihr lest Johannas Buch „Leben ist das neue Sterben“ , das sie im vergangenen Herbst veröffentlicht hat. Oder ihr hört in die alte Hossa-Talk-Folge, in der sie zu Gast war und durch die ich auf sie aufmerksam geworden bin. Oder, wenn ihr mehr so auf Fernsehen steht, ihr schaut euch die brandaktuelle Folge von  Tiefsehtauchen an. Oder alles?!

Ach – macht doch, was ihr wollt! 😉 Aber kommt in jedem Fall Sonntag wieder, wenn es heißt: LesenBetenLiebenRappen … mit Johanna Klöpper.