Identitäre, Feministinnen und wir

Ja, tatsächlich: Ich stehe auf Jan Böhmermann. Dieser Mann verkörpert (in einer zugegebenermaßen mitunter immens verstörenden Art und Weise) das Relevanteste, was ich im Moment in „Funk und Fernsehen“ 😉 wahrnehme.
(Wer jetzt mit Recht darauf hinweisen möchte, dass ich fernsehtechnisch ja nun auch nicht besonders viel wahrneme, der sei gesagt: Vielleicht sind da Zusammenhänge zwischen Nicht-Gucken und Nicht-Relevanz.)

In den letzten Wochen haben Gunnar und ich damit begonnen, sonntagsabends „Fest & Flauschig“ zu hören, den Podcast von Jan Böhmermann und Olli Schulz.
Ich meine, why not? Andere Leute gucken in der Zeit Tatort.

Seit der vorvorletzten Folge „Barbarische Wochen“ beschäftigt mich ein Gedanke, den Jan Böhmermann nur in dreieinhalb Nebensätzen angerissen hat (ab Minute 17:15). Die beiden Freunde des gepflegten Podcast-Talks sind zuvor (thematisch) über die Böhmi-Böhmi-Massage und Justin Bieber zur AfD und zur Identitären Bewegung gekommen.
Und in diesem Zusammenhang redet Böhmermann davon, wie es ihn misstrauisch macht, wenn eine Gruppe einen „sehr eingeschränkten, ideologiespeziellen Wortschatz“ verwendet. Neben der identitären Bewegung nennt er („ohne das jetzt miteinander vergleichen zu wollen“) auch noch die „extreme Feminismuswelt“ als zweites Beispiel.
Da gebe es jeweils Wörter und Begriffe, die man nicht verstehen könne ohne „einzutauchen in deren Gedankenwelt“.
Zum einen zeige sich darin die Haltung: „Wir sind unter uns und reden mit diesen Wörtern, die nur wir verstehen, weil das quasi verkürzt, was wir in langen Sätzen sonst den Leuten draußen erklären würden“. Zum anderen sieht er darin ein „Einfallstor, Leute in geschlossene Gedankenbilder zu ziehen“.
Unterm Strich: „Da werde ich misstrauisch, wenn Leute anfangen, sich hinter Sprache zu verstecken.“

Ich habe mich beim Hören sofort angesprochen gefühlt.
Wie ist das mit uns und unserer Evangeliumsverkündigung?
Wie ist das bei MIR?

Mir ist dazu eine Szene eingefallen, die schon mehr als ein Jahrzehnt in der Vergangenheit liegt. Im Gespräch mit einer guten Bekannten kamen wir auf eine verbreitete Zeichnung „zur Erklärung des Evangeliums“, viele von euch werden die kennen: Zwei Seiten, dazwischen eine tiefe Schlucht. Auf der einen Seite ist der Mensch, auf der anderen Seite Gott. Der Abgrund zwischen beiden ist die „Sünde“ und er ist so lange unüberwindbar, bis man ein Kreuz als Brücke einzeichnet und „Jesus“ draufschreibt.
Zack, fertig: Evangelium. So hatte ich das gelernt, ich fand das logisch. Und alternativlos. Und es hat mich nachhaltig irritiert, dass meine Gesprächspartnerin (auch eine Christin! *g*), dazu nicht „ja und amen“ sagen konnte oder wollte. Sie hinterfragte die vielen Axiome, die in diesem Bild stecken und die mir nicht im Geringsten bewusst waren. So sah sie zum Beispiel das Menschenbild hinter diesem Schema kritisch. Oder sie hätte doch gerne nochmal etwas differenzierter definiert, was mit „Sünde“ gemeint sei. Und vor allem fand sie noch nicht mal den Clou mit dem Brückenkreuz als einzigem Ausweg aus dieser Misere schlüssig …

Heute würde ich sagen, dass mein Denken und meine Begrifflichkeiten damals stark eingeschränkt waren. Nicht durchweg falsch, aber eben doch sehr „beschränkt“.
Mein Denken ist natürlich auch heute noch eingeschränkt. (An manchen Stellen sind Schranken vielleicht auch erlaubt, an anderen sogar möglicherweise sinnvoll?! Ich weiß noch nicht genau …) Aber ich empfinde mich heute entfernt und entfremdet von geschlossenen (Denk-)Systemen. Unter anderem deshalb, weil ich erlebe und weil ich so gut verstehen kann, dass und wie starrer Dogmatismus und herzlose Kleinkariertheit Menschen vom Glauben entfernt und entfremdet haben.

Natürlich wünsche ich mir noch immer, dass Menschen durch mein Leben und meine Verkündigung der wunderbaren Jesus-Befreiungs-Botschaft nahe kommen, die mein Leben trägt. Aber heute möchte ich darauf hoffen, dass Gott selbst Menschen berührt. Und dass es weniger auf mein Reden ankommt. Oder Zeichnen 🙂 oder gar „Ziehen“.
Ich will einladen, na klar. Werben. Schwärmen! Bitten. Rufen.
Aber „ziehen“? Ich glaube nicht, dass ich das noch möchte. Schon gar nicht in ein „Gedankenbild“. Schon gar nicht in geschlossene Richtigkeits- und Rechtgläubigkeits-Systeme.

In mir wächst die Überzeugung, dass „Ziehen“ der göttlichen Befreiungsbotschaft grundsätzlich widerspricht. Genau wie „Drücken“ übrigens. Zugzwang und Druck sind denkbar schlechte Grundlagen für den Glauben.
Und weil kluge Menschen wissen und lebenskluge Menschen mindestens spüren, dass es dann (wie Jan Böhmermann es ausdrückt) schnell „relativ finster“ wird, bleiben viele lieber auf Abstand zur frommen Szene. Und manche sogar auf Abstand zu Gott.

Schade!

Und schade, dass dieser Post damit so einen negativen Ausklang bekommt. Denn ich finde ihn inhaltlich stark. Ich würde sogar urteilen, hm, mindestens 80 von 40 möglichen Punkten. 😉

– Und falls ihr den Eindruck haben solltet, von den Sachen in diesem Artikel, die sich wie Anspielungen anfühlen, nur die Hälfte zu verstehen: Echt mal Leude, guckt Neo Magazin Royale.

Jesus, Jesus, Jesus und nochmal Jesus

Vor Kurzem musste ich an eine lustige Begebenheit denken aus dem ersten Jahr meiner theologischen Ausbildung am Johanneum (lang, lang ist’s her *g*).
Im NT-Unterricht befassten wir uns ausgiebig mit dem Markus- und dem Lukasevangelium. Für viele von uns (auch für mich) war das die erste so intensive auch vergleichende Beschäftigung mit Evangelientexten.

Und irgendwann ging dann ein Zettel rum: „Wer macht mit im Ich-will-einen-Jesus-und-nicht-vier-Club?“. 😉

Wenn ich so drüber nachdenke, ist diese Geschichte vielleicht doch gar nicht wirklich „lustig“ … Denn, so gewollt spaßig die Formulierung auch war, so ernst war ja das Anliegen dahinter: „Hilfe, mir wackelt der Boden unter den Füßen! Wenn das so weiter geht, ist mein altes Jesus-Bild nicht mehr zu retten. Und außerdem fliegt mir mein Bibelverständnis um die Ohren. Aaaaah …!“

Dass es sich lohnt, auch bei solchen Anflügen von Panik dran zu bleiben und nicht aus Angst oder Bequemlichkeit Spannungen und widersprüchliche Aussagen zu ignorieren oder wegzureden, davon bin ich überzeugt. Das habe ich erlebt und dazu möchte ich allen Mut machen.

Aber heute geht es mir um etwas anderes.
Ich bin nämlich deshalb an diese Unterrichtsszene erinnert worden, weil ich auf einen Gedanken gestoßen worden bin, der genau gegensätzlich ist:
Ist es nicht gerade total cool, dass schon die Bibel uns in den Evangelien vier unterschiedliche Blickwinkel auf Jesus ermöglicht?! Dass vier unterschiedliche Menschen ihre Sicht der Guten Nachricht aufschreiben und uns Jesus so vor Augen malen, wie sie ihn erlebt/begriffen/verstanden haben?!

Ja, natürlich gibt es nur einen Jesus und nicht vier. 🙂
Aber diesen einen Jesus können wir uns nicht in die Tasche stecken, er ist nicht mal eben „ein für alle Male zu verstehen“. Er lässt sich nicht zwischen zwei Buchdeckel sperren und fügt sich auch nicht in starre Denk- und Glaubenssysteme.

Er ist ein „Begegnungs-Gott“. Ein „Gott in Beziehung“. Auch heute.  Er lässt sich sehen und hören und erfahren. – Und das Spannende: Er zeigt sich unterschiedlich. Oder wir Menschen nehmen ihn unterschiedlich wahr. Oder beides.
Ist es nicht ein guter Ansatz, diese Verschiedenheit grundsätzlich als Reichtum und nicht als Bedrohung zu sehen? Könnte es nicht sein, dass gerade darin die Größe Gottes gut zum Ausdruck kommt: Wenn Menschen mit unterschiedlicher Biographie, unterschiedlicher Kultur, unterschiedlichem Charakter, unterschiedlichem Bildungshintergrund, unterschiedlichem Geschlecht u.s.w. Jesus begegnen und ihn – jeweils auf ihre Weise – widerspiegeln?!
(Denn das gehört ja dazu, wenn Jesus Menschen beruft, ihm nachzufolgen: Dass wir diesen Schatz, diese Gute Nachricht, dieses Evangelium nicht allein für uns selbst genießen, sondern mit anderen teilen.)

Wie großartig passt dazu das Bild oben! (Es stammt übrigens aus dem unbedingt lesenswerten Buch AUFMACHEN. Wie wir heute Kirche von morgen werden und kann hier  (neben vielen anderen tollen Grafiken) runtergeladen werden.)

Es gibt nur ein Evangelium. Ja! Aber wir kennen es nur nach Matthäus, Markus, Shuk Ching und Kisuba …

Als ich 2002 (heute hab ich’s aber mit Geschichten von „damals“ *g*) ein Freiwilligenjahr im südafrikanischen Team iThemba absolviert habe, haben wir manchmal dieses Lied gesungen:

How will they know, what will they remember,
what will they see that is different in you?
How will they know, will they find any answers
in the gospel according to you?

Das ist eine starke (An-)Frage!
Und eine wichtige, vor allem wenn der fromme Spruch stimmt, dass wir ChristInnen für die meisten Menschen „die einzige Bibel sind, die sie lesen“ … Wie ist das mit den Evangelien, die es neben denen nach (englisch: according to) Matthäus, Markus, Lukas und Johannes noch so gibt? Was ist mit dem Evangelium according to Astrid? Und was ist mit dem Evangelium according to you??

Und jetzt wird es richtig unbequem: Was ist denn, wenn das Evangelium, das wir „frommen Christinnen und Christen“ im Jahr 2016 verkörpern, gar keine so gute Nachricht ist? Was, wenn Menschen es sogar genau gegensätzlich empfinden?!
Was, wenn wir reden von Befreiung, aber in Wirklichkeit Menschen klein gemacht werden bei uns? Was, wenn wir uns auf den „Friedefürst“ berufen, aber unsere Gemeinden Haifischbecken gleichen? Was, wenn Demut unser Ideal ist und uns aber die Selbstgerechtigkeit und Überheblichkeit aus allen Poren kommt? Was, wenn wir „You are mighty“ singen, aber eigentlich nur selbst geil auf Macht sind?
Die Liste könnte ich noch lange fortsetzen. Leider.

Es ist bitter das zu formulieren, aber ich kann so gut verstehen, wenn Leute bei uns kein Heil vermuten. Ich kann so gut nachvollziehen, wenn Jesus für sie keine Option ist, weil wir, die wir so laut „Jesus“ schreien, oftmals so abstoßend leben.

Könnte das vielleicht der Grund sein, warum wir „jungen Leute“ mit manchen Aussagen und auch in unserer Verkündigung leiser geworden sind? Zaghafter?

Zumindest ist das mein Eindruck, dass viele von „uns Jüngeren in der frommen Szene“ vorsichtiger geworden sind, wenn es um das Evangelium oder zumindest doch um eine bestimmte Art der verbalen Evangeliumsverkündigung geht. Ja, vielleicht sind wir sogar insgesamt leiser, wenn es um Jesus geht.
Und mein Eindruck ist, dass einige Ältere darin mangelnde Hingabe, mangelnde Bibelkenntnis, mangelnde Leidensbereitschaft oder sonst irgendeinen Mangel sehen. Manchmal, das finde ich besonders verletzend, lautet der Verdacht sogar auf „mangelnde Jesus-Liebe“.

Aber könnte es nicht sein – wenn ich mit der Grundbeobachtung überhaupt richtig liege und nicht nur von mir auf alle schließe *g* – dass hier keiner der genannten Mängel im Hintergrund steht? Und auch kein anderer Mangel?! (Und übrigens auch kein Überfluss an postmoderner, weichgespülter Lauheit! *g*) Sondern dass manche von uns eben einfach nicht mehr mitkönnen und/oder -wollen mit dem Erbe, das wir auf unseren Schultern spüren? Dass wir gemerkt haben: Es war nicht überall „Evangelium“ drin, wo Leute „Jesus“ draufgeschrieben haben. Manches, was unsere Väter und Mütter im Glauben uns vermeintlich „im Namen Jesu“ beigebracht haben, war falsch und destruktiv. Und so sind viele Menschen nicht nur nicht näher zu Jesus gekommen, sondern gerade auf Abstand gegangen und dort zum Teil bis heute geblieben.

Das alles treibt mich ziemlich um. Ich wünsche mir so sehr eine Kirche, ich wünsche mir Gemeinden und Gemeinschaften, in denen ein echter, liebevoller, herausfordernder, auch mal unbequemer, lernbereiter, demütiger Jesus-Glaube lebendig ist.
Oder vermutlich müsste ich treffender schreiben: In denen JESUS SELBT lebendig ist! Jesus, mit den genannten Attributen, die vermutlich meiner momentanen Sicht von ihm gut entsprechen. Aber Jesus auch mit seinen Seiten, für die ich gerade (vielleicht als Pendelausschlags-Gegenbewegung) blind bin.

Wie kann es gelingen, auf der einen Seite unbedingt wach und kritisch zu sein gegenüber einem krank machenden, missbräuchlichen und lieblosen Glauben? (Und ja, meinetwegen auch gegenüber den von einigen so gefürchteten Lauheits- und Weichspülungstendenzen.) Aber auf der anderen Seite auch nicht „I-know-it-all“-mäßig und arrogant alles, was sich nicht eins zu eins mit meinem begrenzten Verständnis von Jesus deckt, automatisch als falsch abzustempeln?!

Vorletzte Woche war ich zur Einkehr im Kloster. Und da habe ich das Ende des Johannesevangeliums angeschaut, Kapitel 21:
Jesus und Petrus am See. Die dreimalige „Liebst-du-mich“-Frage und der dreimalige Auftrag. Dann in Vers 18 dieser krasse Ausblick auf die großen Herausforderungen, die Petrus erwarten. Und schließlich noch einmal der starke Satz: „Folge mir nach!“
Und was antwortet Petrus seinem Meister daraufhin?? Er schaut auf Johannes! Und fragt: „Aber Herr, was bitte ist denn mit IHM?“

Woraufhin Jesus ihm dann ziemlich deutlich zu verstehen gibt: „Das geht dich jetzt gerade mal gar nichts an. DEIN Job ist: Folge mir nach!“

DU ABER FOLGE MIR NACH,

sagt die Einheitsübersetzung.

Vielleicht ist das eine gute Spur:
Sich um die eigene Nachfolge kümmern. Schüler, Schülerin von Jesus bleiben. Und dementsprechend „die eigenen Hausaufgaben machen“.  😉
Weniger SchiedsrichterIn spielen im Hinblick auf das, was andere denken und glauben und leben. Sondern ihnen ihren Glauben, ihre Nachfolge, ihre Verantwortlichkeit JESUS SELBST GEGENÜBER zuzugestehen und zuzutrauen.

Und wenn es kritisch wird, wo wir Zerstörerisches wahrnehmen oder vermuten, im Streitfall eben nicht vorschnell die eigenen Erkenntnisse zum Maßstab zu erheben – sondern auf Jesus selbst zu verweisen. Idealerweise gemeinsam Jesus zu begegnen.

Ist das utopisch? – Eine solche Einstellung wünsche ich mir jedenfalls von anderen, wenn sie mir begegnen. Und so möchte ich mit Geschwistern umgehen.

Ach ja, das wäre doch gut, oder?
Und sicherlich wäre es förderlich dafür, dass Menschen die Gute Nachricht für sich entdecken. Die Gute Nachricht von dem einen Jesus. Nach Markus oder nach Shuk Chin oder nach Kisuba. Oder: „acoording to you“!

 

Bildquelle: www.kirche-aufmachen.de

Haltung und Halt

Wo ist eigentlich das gute alte Sommerloch geblieben?

Wenn ein Mensch zum Beispiel mal vier Tage lang wegfährt und entweder kein Smartphone besitzt (doch, das soll’s vereinzelt noch geben *g*) oder sich mutig zur Informations-Overkill-Abstinenz entschließt – dann wartet bei seiner Rückkehr schon die neueste Terror- oder Putsch- oder Amok- oder Allesgleichzeitig-Nachricht auf ihn.

Aaaah, zumindest fühlt es sich gerade genau so an. Und, ja – das ist ein Scheißgefühl!

Wenn jetzt an vielen Stellen zu Recht darauf hingewiesen wird, dass wir nicht die erste Generation auf diesem Planeten sind, die aufrüttelnde Zeiten erlebt, dann ist das sicher richtig. Und lasst mich überlegen … nach zweieinhalb Jahren Geschichte-Leistungskurs und ein paar geschichtswissenschaftlichen Uni-Semestern hatte ich sowas auch schon im Hinterkopf.

Im Ernst: Wenn ich zum Beispiel in den Lebenserinnerungen meiner Stiefoma über ihre für mich fast unvorstellbaren Erlebnisse in den (Nach)Kriegsjahren lese (und mir zwischen den Zeilen noch manches dazudenke, was sie nicht aufgeschrieben hat …) oder wenn ich die Fluchtgeschichte meiner Tante höre, die es als etwa Fünfjährige mit meiner Oma und meinem Vater aus Schlesien in den Westen geschafft hat – dann weiß ich, dass ich persönlich heute noch weit entfernt bin von Chaos und Unsicherheit.
Allerdings: Menschen aus meiner und eurer Nachbarschaft wie F. aus Afghanistan, A. aus Syrien oder H. aus Eritrea könnten uns hier und heute Geschichten erzählen, die in Dramatik, Grauen und Unfassbarkeit nicht hinter den traumatischen Berichten aus unserer jüngeren dunklen deutschen Geschichte zurückstehen.

Wie gehen wir um mit dieser Weltlage? Wie geht IHR damit um?
Was ist hilfreich? Oder, um mal die ZEIT von letztem Donnerstag zu zitieren: „Was gibt uns jetzt Halt?“

Ach, überhaupt die letzte ZEIT-Ausgabe … Als Titel die Aussicht auf eine Beantwortung der brennende Frage

„Worauf wir uns noch verlassen können“.

Darunter die knappe Lagebestimmung:

Anschläge, Putschversuche, Säuberungsaktionen. Wir erleben ein globales Drama. Was kommt auf uns zu? Und was gibt uns jetzt Halt?

Tja, was gibt uns jetzt Halt?
Im POLITIK-Teil der ZEIT habe ich auf diese Frage jedenfalls keine Antwort gefunden. Ihr?
Nun finde ich allerdings natürlich auch nicht, dass das „Halt-Geben“ die primäre Aufgabe einer Wochenzeitung wäre …

Zwar würde ich (um mal gleich den berechtigten kritischen Anfragen in dieser Richtung vorzubeugen) auch nicht sagen, dass das „Halt-Geben“ der Sinn und Zweck, der Kern, die „primäre Aufgabe“ des Glaubens wäre. Obwohl ich natürlich weiß, dass viele (auch manche unter euch *g*) den Verdacht hegen, dass wir unbelehrbaren Gläubigen vor allem aus diesem Grund nicht von der Religion lassen können oder wollen … 😉

ABER ja! Natürlich hilft mir mein Glaube an Jesus in dieser Situation!
Die christliche Hoffnung auf die Neuschöpfung von Himmel und Erde erlebe ich als Kraft, die allen Unsicherheiten und Ängsten zum Trotz Halt gibt. Ich empfinde es als großes Glück, in diesem „globalen Drama“ mit einer solchen Gewissheit leben zu dürfen.

Dass sich diese Hoffnung und Gewissheit nicht in „Pray for Kabul“-Aufrufen (oder „Pray for Munich“ oder „Pray for Nizza“ – Moment, heißt Nizza überhaupt Nizza auf Englisch? *g* – oder oder oder) auf Facebook erschöpfen darf, ist uns vermutlich allen klar.
Trotzdem finde ich es lohnend und notwendig, über folgendes Zitat aus der Gründungserklärung des Evangelischen Studienwerks einmal gründlich nachzudenken:

Evangelischer Glaube beschränkt sich darum nicht auf die Pflege frommer Innerlichkeit, sondern bewährt sich darin, dass er seine erneuernde und gestaltende Kraft im Staat, in der Wirtschaft, im Rechtsleben wie in der Wissenschaft und in der Kunst wirksam werden lässt.

Ja! Lasst uns darum ringen und dafür arbeiten, dass das tatsächlich so ist. Dass die erneuernde und gestaltende Kraft des Evangeliums wirksam und sichtbar wird in unserem Land!
Aber wie sieht das konkret aus? Wie können wir Christinnen und Christen am besten Haltung zeigen in diesen chaotischen Zeiten? Wie können wir dem Hass Liebe entgegensetzen und der Verunsicherung Halt? Wie können wir das teilen, worauf wir uns verlassen? Wie können wir aktiv darauf hinwirken, dass Frieden wächst?

Darüber bleiben wir in den nächsten Monaten im Gespräch, ja?!
In den kommenden Wochen bleibt es hier auf dem Blog allerdings vermutlich etwas ruhiger. Neben Stipendien-Bewerbungen (durch die ich auf das gute Zitat oben gestoßen bin) halten mich gerade noch diverse andere Projekte auf Trab.

Aber um euch (und euren Lesestoff) mach ich mir trotzdem keine Sorgen. 😉
Denn wie wir anfangs bereits festgestellt haben: Sommerloch-Langeweile ist dieses Jahr ja leider kein Problem …