TABOR – „wunderlich und wunderbar“!

Seit Monaten schon will ich etwas über Tabor schreiben! Und über mich. Und über mich und Tabor. 🙂
Aber, ach. Wie bei einer ganzen Reihe anderer Posts, die halbfertig in meinem Kopf und/oder auf meiner Festplatte dahinvegetieren, bringe ich gerade nicht genug Zeit und Kraft auf, um mit der hierfür nötigen Sorgfalt die wirklich spannenden Dinge anzupacken und auf den Punkt zu bringen.

Na, wenn das jetzt für euch keine Motivation zum Weiterlesen ist. 😉
Also, ich wollte natürlich sagen: das, was ich heute anstatt meines Ursprungsplans zu schreiben versuche, wird selbstverständlich TROTZDEM spannend! 🙂 Und wer weiß, manchmal gelingt das „Auf-den-Punkt-bringen“ ja gerade auch ungeplant …
Also, here we go:

Im letzten Herbst bin ich ja auf meine alten Tage nochmal unter die Studentinnen gegangen. Und zwar bin ich quereingestiegen in den Theologie-Bachelor-Studiengang an der Evangelischen Hochschule Tabor in Marburg.
Dass es mich ausgerechnet dorthin „verschlagen“ würde, hätte ich lange Zeit selbst nicht für möglich gehalten. Ich hatte nämlich eine ganze Reihe von gut gepflegten Vorurteilen. (Und dass ich die nicht allein hatte (was es natürlich auch nicht wirklich besser macht), beweisen die wohlmeinenden Warnungen und kritischen Rückfragen aus meinem Umfeld, die mich nach meiner Hochschulwahl in ansehnlicher Zahl erreicht haben …)

Naja – wahrscheinlich ist es mir gerade deshalb ein Anliegen, jetzt, nach dem (in NT mehr, in Griechisch etwas weniger *g*) erfolgreich abgeschlossenen Wintersemester einmal zu schreiben:
Ich feier, dass ich dort gelandet bin!
So, wie ich es bisher erlebe, ist Tabor ein großartiger Ort, um hervorragend betreut (und ja, auch ohne Scheuklappen *g*) Theologie zu studieren.

Spannend und schön finde ich auch, dass die Hochschule Teil der Studien- und Lebensgemeinschaft Tabor ist. Und dass ich mich mit der Einschreibung dort deshalb nicht nur für einen guten Lernort entschieden habe, sondern dass ich gleichzeitig auch in ein traditionsreiches Gemeinschaftsgeschehen hineingeraten bin.
Nun gehöre ich als Johanneums-Absolventin ja bereits zu einer reichen und starken (und mitunter kuriosen *g*) Dienstgemeinschaft. Aber trotzdem oder wohl gerade deshalb bin ich neugierig und gespannt darauf, in den kommenden Semestern auch „Tabor“ besser kennenzulernen. Ich freue mich darauf, mehr zu erfahren über die Menschen und über die Geschichte(n). Ich möchte von Segens- und Krisen-Erfahrungen hören, möchte lernen aus den Lebens- und Dienstschätzen von so vielen Schwestern und Brüdern vor mir.

Ein super Einstieg war da für mich im vergangenen Herbst die Lektüre von Jürgen Mettes Buch „Lebensnotizen – Menschen, die mich geprägt haben“.
Auf 100 gut zu lesenden Seiten zeichnet Mette Biografien nach von Menschen, die in Tabor bzw. im Deutschen Gemeinschafts-Diakonieverband gearbeitet, oder besser – gelebt haben.
Im ersten Kapitel führt der Autor unter der Überschrift „Zwischen wunderlich und wunderbar“ augenzwinkernd in ein paar „eigentümlich liebenswerte“ Linien des Werkes ein. (Und dabei hab ich mich tatsächlich mehr als einmal an liebevoll tradierte Johanneums-Legenden erinnert gefühlt. *g*) Dann folgen sechs Lebensbilder, in denen sich, wie Mette ankündigt, die „geistlich wertvollen Linien“ finden sollen. – Und ja, das tun sie!

Das Buch hat mich an so mancher Stelle berührt und herausgefordert.
Zum Beispiel, als Mette beschreibt, wie er zum Gespräch beim Rektor des Diakonissen-Mutterhauses Hensoltshöhe zitiert wurde, um dort über die zweifelhaften Rockmusik-Töne bei einer von ihm durchgeführten Jugendwoche zu berichten …
Oder sehr bedenkenswert auch der Schluss des Kapitels über Esther Wortmann und die Lachener Diakonissen. Da schreibt Mette:

„Auch wenn heute unsere Diakonissen-Mutterhäuser nicht mehr den dringend nötigen Nachwuchs haben, der dort praktizierte Lebensstil ist zeitlos und verdient unsere Hochachtung und Dankbarkeit. Die nächste Generation der Kirchengeschichte wird diesen, in der römisch-katholischen Kirche so selbstverständlichen und ungebrochen vitalen Dienst wieder neu erfinden müssen.“

Neben einigen spannenden Anfragen, die ich an dieses Zitat hätte, trifft es doch vor allem einen wichtigen, wunden Punkt. Und bringt in mir gleich wieder all die großen Gemeinschafts-Fragen zum Klingen …

FAZIT: Es lohnt sich, dieses Buch zu lesen.
Um der Geschichten willen, klar.
Aber auch, weil es mich als Leserin herausfordert, die Lebensschätze meiner eigenen geistlichen Väter und Mütter wach zu halten und sie mit anderen zu teilen.
– Und nicht zuletzt füttern solche Biografien natürlich eine verheißungsvolle Sehnsucht: Nämlich selbst ein Leben zu leben, das bei anderen Menschen Segensspuren hinterlässt.

In diesem Sinne versuch ich mal weiterzumachen: Mit dem Lernen und dem Lesen und vor allem mit dem Leben … Als Johanneumsschwester und Tabor-Studentin. Und als noch so vieles mehr. Als Mutter, als Morgenmuffel, als Gewinnerin und als Versagerin, als Evangelistin, als Bloggerin, als Hinter-meinen-klugen-Sätzen-oft-Zurückbleiberin. Als Gottes geliebtes Kind.
An den wunderbaren Tagen. Und an den wunderlichen.