Auf’n Kaffee mit Judit und Susanna

Vor einer Woche war ich beim Regionaltreffen der Johanneumsgemeinschaft in Ostwestfalen. Thematisch haben wir uns mit Bibelübersetzungen beschäftigt, insbesondere mit der neuen Luther-Revision.
Ich hab das zum Anlass genommen, jetzt doch auch mal eine aktuelle Luther-Ausgabe anzuschaffen. Und als ich so im Buchladen vor dem Regal stand, da dachte ich mir: „Ach, wieso eigentlich nicht mal eine mit Apokryphen?!“

Gedacht, gekauft. Und – wie spannend ist das denn?! 🙂
Jetzt hab ich doch tatsächlich eine Bibel, in der es eine Reihe von Büchern gibt, von denen ich mal sowas von überhaupt keinen blassen Schimmer habe.
Gut, die beiden Makkabäer-Bücher habe ich während meines Geschichtsstudiums in einem Proseminar zum Thema „Juden“ mal wahrgenommen. Aber das ist ages ago …
Und sonst so? „Jesus Sirach“, „Weisheit Salomos“, „Judit“, „Baruch“, „Tobit“?! Schonmal gehört, ja. Hier und da eine vage Idee, vielleicht … 😉 Aber was da tatsächlich drinsteht?! Keine Ahnung. (Von den drei weiteren apokryphen Büchern, die in der Lutherbibel abgedruckt sind, mal ganz zu schweigen …)

Und dabei sagt immerhin Luther über die Apokryphen:

Das sind Bücher, so der Heiligen Schrift nicht gleich gehalten und doch nützlich und gut zu lesen sind.

Also, jedenfalls hab ich vorhin einfach mal ein bisschen gelesen.
Und ich fand es extrem spannend! 🙂

Im Durchblättern des Buches Sirach war ich ständig hin- und hergerissen zwischen Zustimmung und Widerspruch. Da gibt es einiges, was ich mir gerahmt über’s Sofa hängen würde. Und anderes würde ich am liebsten aus meiner schönen neuen Bibel reißen.

Beim Buch Judit dann ist mir das Querlesen nur zur Hälfte gelungen. Denn nachdem diese außergewöhnliche Frau in Kapitel 8 eingeführt wurde, war ich von der Story so gefesselt, dass ich den ganzen Rest bis Kapitel 16 in einem Rutsch weggelesen habe.

Sehr spannend auch das erste Kapitel von den „Stücken zu Daniel“, einem Zusatz zum Anfang des Daniel-Buches. Dort lernen wir eine weitere Frau kennen, deren Schönheit und Frömmigkeit ihresgleichen sucht: Susanna. Und es entspinnt sich eine Geschichte über Sex & Crime und männlichen Machtmissbrauch, die man fast eins zu eins in eine heutige Soap übertragen könnte …

Nun ja – in den nächsten Wochen werde ich mich dann wieder vorrangig mit den kanonischen Schriften der hebräischen Bibel beschäftigen. Damit die AT-Prüfung am Ende des Sommersemesters für alle Beteiligten erfreulich wird. 😉

Aber so viel steht jedenfalls fest: Ich freu mich schon drauf, mir die apokryphen Bücher (auch die neutestamentlichen übrigens) irgendwann näher zu Gemüte zu führen.
Und dann möchte ich auch unbedingt nochmal die Prozesse der Kanonisierung näher nachvollziehen. Und den damit verbundenen bibelhermeneutischen (An-)Fragen Raum geben.

Aber, wie gesagt, alles zu seiner Zeit.
Jetzt trinke ich erstmal noch einen Kaffee.
Hm, vielleicht ja dieses Mal mit Ester …?! 😉