Sex, Drugs & Punkrock

Ich war im Urlaub in Süddeutschland.
Und es war großartig!
Nicht nur, aber auch, weil ich doch tatsächlich ZUM LESEN gekommen bin! 🙂

Jawohl! Zwei. Ganze. Bücher.
Mit meiner reichhaltigen Lesestoff-Auswahl habe ich hier ja schon angegeben. Und ich hatte (zu Gunnars Belustigung (oder Verzweiflung?)) vorsichtshalber auch fast alle abgebildeten Exemplare mitgenommen. Man weiß ja nie, worauf man lesetechnisch plötzlich Lust bekommt so fern der Heimat …

Und so zog es mich dann also zum Buch gewordenen ostwestfälischen Posaunen-Punk. 😉
Gofi Müller, Hossa-Talker und auch sonst Künstler, hat mit „TimTom Guerilla“ sein Romandebut veröffentlicht. Ich war extrem gespannt.

Jetzt muss man wissen: Als Romanleserin bin ich außer Übung.
Die Ausbildung, die Arbeit, die Kinder, ihr wisst schon.
Seit „Harry Potter and the Deathly Hallows“ lief da in Sachen Belletristik tatsächlich kaum noch was. Abgesehen natürlich von der Literatur (und der „Literatur“ …), die ich meinen minderjährigen MitbewohnerInnen vorlesen durfte.
Aber ich schweife ab.
Was ich sagen wollte: Ich habe also gerade kaum Vergleichspunkte in der „Erwachsenenliteratur“ und vielleicht musste ich mich ja erstmal ein bisschen „einlesen“.

Nach den ersten Kapiteln war ich nämlich noch skeptisch.
„Die Geschichte ist interessant“, hab ich da zu Gunnar gesagt, „aber sprachlich gibt das eher keinen Literaturnobelpreis.“ Ich hab mich manchmal gestoßen an Formulierungen, empfand die eine oder andere wörtliche Rede als etwas künstlich und hatte auch im Blick auf die Story hier und da mal was anzumerken in Sachen Stimmigkeit.

Aber was soll ich sagen?! Nach den ersten hundert Seiten kamen ja nochmal hundert. Und dann nochmal. Und dann … naja, jedenfalls irgendwann, ich weiß gar nicht mehr genau an welcher Stelle, hat es mich kolossal gepackt! Ich war richtig drin in der Geschichte um die aufstrebende Band TimTom Guerilla. Und zwar so sehr, dass die fiese kleine oberkritische Analytikerin in mir komplett – nun ja, TimTom würde vielleicht sagen – „die Fresse gehalten“ hat. 😉 Und das bis zum Ende auf Seite 672.

Ich war im Leserausch und ich hab es gefeiert! 🙂
Was hab ich nicht alles erlebt mit TimTom, seines Zeichens Sänger und Posaunist der Band und mit seinen verrückten Musiker-Kollegen?!
Ich war dabei, beim krawalligen ersten Auftritt in einem Bielefelder Parkhaus. Und danach war ich mit im Knast. 😉 Ich hab mitgefiebert im Studio in Delmenhorst. Und vor allem: Ich habe natürlich kein Konzert ausgelassen auf der „Mutterficker Deutschland Tour 2011“. Äh, genau, und auch keine Aftershow-Party …

Es hat Spaß gemacht! Es war gute Unterhaltung!
Und mitten im Lesevergnügen tat sich immer wieder auch eine tiefere Ebene auf, in der noch weit mehr zum Klingen kam als Punk-Songs:
Wie werden wir Menschen zu dem, was wir sind? Wie können wir uns mit (und manchmal trotz) unserer Vergangenheit eine Zukunft erobern? Ach ja, und die Liebe spielt natürlich auch die eine oder andere Rolle …

Sicher spricht es für das Buch, dass sich am Ende meiner Lektüre so ein kleines trostloses Loch aufgetan hat, wie ich es noch von früher kenne, als ich öfter Romane gelesen habe. (Ich erwähnte es bereits. *g*) Diese merkwürdige Traurigkeit, wenn eine gute Geschichte zu Ende ist und die liebgewonnenen HeldInnen ihr Leben unverschämterweise ohne meine Beobachtung weiterführen werden …

Da war es gestern eine großartige Entdeckung: Im Netz gibt es einen Haufen Zusatzmaterial, das man sich zu Gemüte führen kann, um den Entzug etwas abzufedern. *g*
Waschechte TimTom-Guerilla-Songs zum Beispiel! Und eine Homepage mit allerlei Hintergrund-Zeug. (Schade nur, dass das Tourplakat nicht zu sehen ist. 😉 Ich hätte gerne mal den … äh, Kotten bewundert.) Und außerdem gibt’s einen Hossa Talk zum Roman, den ich allerdings noch nicht gehört habe. (Ich war offline im Urlaub, solltet ihr auch mal versuchen.)

So werde ich von Zeit zu Zeit mal noch ein bisschen weiterlesen und -hören. Und mir überlegen, wie sie wohl heute alle leben. 😉 TimTom. Und Foo. Und Hannibal und BoingBoing und Rebekka und Sonja und Paulo. Und Susanna …
Lest das Buch mal selbst, dann können wir unsere Fortsetzungsphantasien abgleichen. 😉

Mein Fazit zum Schluss: Für Wannabe-Punks, Posaunisten und Bielefelderinnen ein Muss!
Und für alle anderen ist TimTom Guerilla allemal eine Urlaubslektüre wert!

 

Gofi Müller:
TimTom Guerilla

ISBN 978-3-74127-310-0